124-Milliarden-Euro-Mandat: Auch Blackrock pokert mit

Die anhaltende Niedrigzinsphase belastet die Margen im Kreditgeschäft sichtbar. Aus diesem Grund arbeiten verschiedene Banken an alternativen Geschäftsmodellen, welche bessere Renditen versprechen. Zu diesen Banken gehört auch die britische Lloyds Banking Group, die neue Möglichkeiten im Geschäft der Vermögensverwaltung identifiziert hat. Im Fokus steht dabei eine Kooperation mit dem britischen Vermögensverwalter Schroders sowie die Ausschreibung eines 124 Milliarden Euro schweren Asset-Management-Mandats.

Seit dem Beginn der Finanzkrise in 2008 setzt die EZB auf eine starke Niedrigzinspolitik. Zudem sorgt die finanzielle Instabilität in Italien und Griechenland dafür, dass eine Zinswende vorerst nicht möglich ist. Während Verbraucher und Unternehmen von diesen niedrigen Zinsen profitieren können, stellt dieser Umstand für die etablieren Banken eine Herausforderungen dar. Auch Llyods Banking Group, eine der größten britischen Banken, sieht sich mit diesen Herausforderungen konfrontiert. Aus verschiedenen Berichten britischer Medien geht nun hervor, dass die Lloyds Banking Group vor einem der größten Zusammenschlüsse im Bereich der Vermögensverwaltungsbranche steht. So hebt Bloomberg hervor, dass die Lloyds Banking Group und der Londoner Vermögensverwalter Schroders über eine Zusammenlegung des Wealth-Management-Geschäfts verhandeln.

Vor allem Experten stufen einen solchen Deal als strategisch sinnvolles Vorgehen ein. Dabei steht das Bestreben der Lloyds Banking Group zur Steigerung der kontinuierlich sinkenden Gebühreneinnahmen dem Wunsch nach einem zusätzlichen Vertriebskanal auf Seiten des Fondsmanagers Schroders gegenüber. So könnte Schroders, der 214 Jahre Fondsmanager, von dem steigenden Vermögen und der 1.750 Filialen, welche als zusätzlicher Vertriebskanal fungieren würden, profitieren. Doch neben den sinkenden Gebühreneinnahmen sorgen vor allem die fallenden Margen des klassischen Kreditgeschäfts für Unmut bei den Banken. Der potenzielle Zusammenschluss könnte durch die Neuausschreibung eines 124 Milliarden Euro schweren Asset-Management-Mandats zusätzlich begünstigt werden. Dabei teilte Lloyds im Februar dieses Jahres mit, dass das Mandat zur Vermögensverwaltung der federführenden Aberdeen Standard Investments entzogen wird. Nun soll dieses Mandat neu vergeben werden.


Standard Life Aberdeen verlangt eine Kompensation

Die beiden Unternehmen Standard Life und Aberdeen Asset Management sind im Laufe des vergangenen Jahres zum neuen Unternehmen Standard Life Aberdeen verschmolzen. Eine entscheidende Rolle im Zuge dieser Verschmelzung spielt die Einbringung der 2014 erworbenen Scottish Widows Investment. Für dieses Unternehmen, welches zeitgleich der Versicherer von Llyods ist, besteht nun ein Achtjahresvertrag. Dieser Umfasst die Verwaltung der Vermögenswerte des Versicherers. Mit der Neuausschreibung möchte Lloyds nun vermeiden, dass das eigene Vermögen durch die Vermögensverwaltungstochter des Konkurrenten Standard Life verwaltet wird. Für Standard Life Aberdeen steht dahingegen fest, das es sich bei der Handlung von Lloyds um einen Vertragsbruch handelt. Aus diesem Grund fordert das Unternehmen eine Kompensationszahlung von 250 Millionen Pfund.

Insgesamt zeigt sich, dass Schroders aktuell die besten Chancen zur Gewährung des Mandats besitzt. Die Financial Times berichtet zudem, dass der Vermögensverwalter nun auch den Verkauf der Vermögensverwaltungstochter Cazenove Capital an Lloyds Banking Group in Erwägung zieht. Alternativ soll auch die Gründung eines gemeinsamen Joint Ventures im Raum stehen. Mittlerweile gaben beide Unternehmen auch bekannt, dass die Gespräche über eine gemeinsame Kooperation bereits geführt wurden. Allerdings wurde ein Zusammenschluss bisher nicht vereinbart. Zudem wurde ein Portfolio-Mandat bisher nicht erwähnt.


Blackrock steigt in Mandats-Poker ein

Der amerikanische Vermögensverwalter Blackrock soll sich laut Berichten von Bloomberg und Financial Times bereits für das Mandat beworben haben. Aus aktuellen Berichten geht zudem hervor, dass Lloyds im Zuge einer solchen Kooperation rund 50,1 Prozent der Unternehmensanteile halten könnte. Der Rest würde an den Kooperationspartner fließen.

Analysten sehen in der Kooperation eine Möglichkeit für Schroders zur Steigerung des Ergebnisses. Demnach soll dieses zwischen 5 bis 7 Prozent ansteigen. Zusätzlich würde das neue Angebot vor allem ältere Sparer ansprechen, denn rund 15 Prozent der Lloyds-Kunden sind älter als 70 Jahre. Dennoch konnte bisher nicht geklärt werden, ob eine neue Plattform namens Schroder-Lloyds auch die Kunden ansprechen wird. Schlussendlich würde diese Plattform durch ein Top-Asset-Management betreut werden. Vor allem die feste Verbindung zu einer Bank könnte Kunden abschrecken. Das klassische Geschäftsmodell von Finanzberatern sieht keine enge Verflechtung mit Banken vor.