3 Fragen zum Handelskonflikt: Potenzielle Chancen in den Emerging Markets bleiben gut

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China belastet auch die Emerging Markets. Sukumar Rajah und Jason Zhu von Franklin Templeton Emerging Markets Equity erläutern im Interview, warum die chinesische Wirtschaft langfristig imstande ist, die Handelsprobleme wegzustecken.

Der Ton im Handelskonflikt zwischen den USA und China wird immer schärfer. Wie lautet Ihre Einschätzung dazu?

Der Streit zwischen den USA und China griff vom Handel auf die Technologiebranche und nun auf die Finanzbranche über. Mit den Anschuldigungen der Währungsmanipulation scheint das Risiko einer tiefergehenden, langfristigen Konfrontation zu steigen. Auf kurze Sicht verlangsamt sich die chinesische Konjunktur. Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) war im zweiten Quartal so niedrig wie seit 27 Jahren nicht mehr. Die anhaltende Unsicherheit um den Handel veranlasste einige Produzenten, ihre Fertigung von China weniger abhängig zu machen. Zu den längerfristigen Folgen eines verschärften Handelsdisputs gehört aber die schnellere wirtschaftliche Öffnung und Deregulierung in China, die durch die Verlangsamung bei den Bemühungen zum Schuldenabbau wettgemacht werden, da die Regierung versucht, das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Zu den politischen Veränderungen der vergangenen Jahre, die die Folgen des Handelsstreits zwischen den USA und China abmildern, gehören ein flexiblerer Wechselkurs, die Reform der staatseigenen Betriebe zusammen mit der Förderung der Privatunternehmen und eine lockerere Geld- und Haushaltspolitik. Zusätzliche Infrastrukturinvestitionen könnten für die chinesische Konjunktur ebenfalls eine wichtige kurzfristige Stütze sein. Wir erwarten, dass die Kosten der Zölle über Lieferketten, Marken und den Endverbraucher aufgefangen und die Folgen für die einzelnen Unternehmen so abgemildert werden. Dies könnte jedoch durchaus in einer Abschwächung von Konsumnachfrage und Umsätzen sowie in der Aufschiebung von Investitionen resultieren.

 

Was bedeutet das für die Emerging Markets insgesamt?

Die immer feindseligere Haltung der beiden Länder zueinander bedeutet für uns, dass der Handelskrieg über die US-Präsidentschaftswahlen im Jahr 2020 hinaus andauern könnte und dass sich die Anleger auf anhaltende Marktvolatilität gefasst machen sollten. In Anbetracht der langwierigen Handelsspannungen rückten viele Unternehmen noch vor den Entwicklungen der ersten August-Woche die Diversifizierung der Lieferketten in den Vordergrund. Dieser Trend scheint zwar für China negativ zu sein, er könnte in anderen Märkten Asiens und anderen Regionen jedoch zu höheren Investitionen führen. Beispielsweise könnten Mexikos traditionelle Verzahnung mit den US-Lieferketten, seine geografische Lage und die wettbewerbsfähigen Löhne Investitionen anlocken, und chinesische Vergeltungsmaßnahmen gegen US-Farmer dürften die Exporte aus Südamerika als Ausweichlieferant steigern. Gleiches gilt für einige asiatische Länder, wie zum Beispiel Indien, Taiwan und Vietnam, denn während der Handel Chinas mit den USA rückläufig war, stieg ihr Handelsvolumen 2019, und sie kletterten in den vergangenen Jahren in der Wertschöpfungskette empor. Die jüngste Zinssenkung der US-Notenbank verringert außerdem den Aufwärtsdruck auf den US-Dollar, den die Zölle ansonsten steigern könnten. Sie hilft den Schwellenländer-Währungen und ermöglicht zudem größere geldpolitische Flexibilität, etwa zu Zinssenkungen in Südkorea, Indonesien und Thailand. Überdies zeigte die Vergangenheit, dass Lockerungszyklen der Fed die Schwellenländer im Allgemeinen stützen.

 

Wie reagieren Sie in Ihren Portfolios auf die jüngsten Entwicklungen?

Während dieser ganzen Phase handelsbezogener Volatilität beobachten wir kontinuierlich unsere Portfoliorisiken. Aus unserer Sicht bleiben neben den kurzfristigen Folgen für die Gewinne vor allem die Wettbewerbsvorteile der von uns bevorzugten Unternehmen intakt. Wir sind bestrebt, in Unternehmen mit nachhaltigen, hochwertigen Gewinnströmen sowie robusten Cashflows und Bilanzen anzulegen, die nach unserem Dafürhalten unsichere makroökonomische Bedingungen aushalten können. Dennoch beeinflussen die schwelenden, unvorhersehbaren Handelsspannungen – verschärft durch tägliche Schlagzeilen – die Stimmung von Verbrauchern und Unternehmen. Sie schwächen den Konsum und zögern Investitionsentscheidungen hinaus. Es ist schwierig, Risiken zu vermeiden, doch wir sind nach wie vor zuversichtlich, dass in dieser breiten Anlageklasse Anlagechancen zu finden sind. Nach unserem Dafürhalten sind die potenziellen Chancen weiterhin sehr gut und die Bewertungen sehr attraktiv.