Binance ist dem Nasdaq dicht auf den Fersen

Kryptowährungen wie Bitcoin, Ether, Ripple und Co. sind volatil. Sie steigen teilweise rasant im Kurs, dann ist enorm viel Geld dadurch zu verdienen, dass sie Investoren kaufen und später wieder verkaufen. Jedoch fallen sie auch manchmal im Preis - das Geschäft gilt als hochriskant. Einen Gewinner des Hypes um die neue Technologie gibt es aber: die Kryptobörsen. Das stellt gerade Binance unter Beweis: Das blutjunge Portal verdiente im ersten Quartal 2018 fast so viel Geld wie die altehrwürdige Technologiebörse Nasdaq.

Der Vergleich ist angemessen, weil es sich um zwei Börsen mit sehr vielen Assets handelt. Der Nasdaq Composite listet 3.000 Werte, der Nasdaq-100 namensgemäß 100 Werte. Bei Binance gibt es sehr viele Paarungen von Kryptowährungen untereinander, allein gegen den Bitcoin sind es Anfang September 146 (ähnlich viele gegen den Ether und andere wichtige Währungen). Eine genaue Zahl lässt sich nicht ermitteln, weil laufend neue Kryptowährungen auftauchen und auch wieder verschwinden. Von Bedeutung sind im Herbst 2018 vielleicht 1.000 bis 2.000, es gibt aber noch viel mehr (wahrscheinlich über 4.500, sie sind praktisch nicht mehr zu zählen). Damit ist dieser Markt wesentlich vielfältiger als der Forexmarkt mit seinen höchstens 100 bedeutsamen Fiat-Währungen. Die meisten Forexbroker listen unter 100 Währungspaare (es gäbe natürlich mehrere Tausend, wenn 100 Währungen untereinander gepaart werden). Binance bietet damit ein mindestens so breites Spektrum wie der Nasdaq Composite und einen dementsprechend lebhaften Handel. Das wirkt sich auf die Gewinne der Kryptobörse aus.

 

Tweet zu den Gewinnen von Binance und Nasdaq

Dovey Wan hat sich als Geschäftsführer eines Finanzunternehmens im August 2018 die Gewinne verschiedener Börsen vorgenommen. Dabei stieß er auf die erstaunlich ähnlichen Gewinne der Nasdaq und der Kryptobörse Binance, die er auf Twitter veröffentlichte. Demnach wies Letztere einen Gewinn für das erste Quartal 2018 von 200 Millionen Dollar aus, bei der Nasdaq waren es 209 Millionen Dollar.

Das Ergebnis ist aus mehreren Gründen ein Schlaglicht für die aufblühende Krypto-Szene: Binance wurde erst im Herbst 2017 gegründet, das Unternehmen ist noch kein Jahr alt. Die Nasdaq blickt auf eine 47-jährige Firmengeschichte zurück. Sie beschäftigt rund 4.500 Mitarbeiter, bei Binance sind es gerade mal 200.

Doch Binance expandiert rasend schnell und widersteht auch allen Kritiken etwa zu den hohen Kosten bei der Aufnahme neuer Coins (nach Gerüchten im Millionenbereich) oder zu mangelhaften Bedingungen bei der Dezentralisierung. Die Profite werden reinvestiert: Aktuell will Binance eine neue Zweigstelle in Liechtenstein aufbauen. Der Hauptsitz des Unternehmens, das einst in China gegründet worden war, befindet sich derzeit in Japan, auch eine Niederlassung in Taiwan gibt es.

Die Chinesen waren Ende 2017 gegen Kryptobörsen vorgegangen und hatten sogar deren Verbot erwogen, daraufhin war Binance umgezogen. Der CEO der Kryptobörse Changpeng Zhao ist ein bekannter Entrepreneur der Szene, er hatte 2005 in Shanghai Fusion Systems gegründet, ein Spezialist für die technische Ausstattung beim Highfrequency-Trading. 2013 wechselte er zu Blockchain.info, außerdem war er für ein knappes Jahr der CTO von OKCoin. Diese Plattform bietet den Spot-Handel zwischen Krypto- und Fiatwährungen an. Binance verweist aktuell auf eine Marktkapitalisierung von rund 1,3 Milliarden Dollar. Die weltweite Expansion hat die Binance-Geschäftsleitung fest im Blick. Nicht nur in Liechtenstein, auch in Malta und Jersey sollen neue Dependancen entstehen.