Absolute Return: Von Könnern und Glücksspielern

Auf der Suche nach risikoarmen Renditen gehen viele Investoren neue Wege und landen bei Absolute-Return-Produkten oder Strategiefonds. Warum bei diesen Instrumenten Fluch und Segen nahe beieinander liegen.

Absolute Return - für Anleger klingt das Konzept gerade in schwierigen Marktphasen verlockend, verspricht es doch Renditen unabhängig vom Gesamtmarkt. Auch verbinden viele Investoren mit dem Begriff Absolute Return Sicherheit, da der marktneutrale Ansatz Rendite oberhalb der Nulllinie suggeriert.

Doch ist das wirklich so? „Wer in Aktien investiert, muss sich immer darüber im Klaren sein, dass Verluste möglich sind – ob das Produkt nun Absolute Return heißt oder nicht“, sagt Klaus-Dieter Erdmann, Geschäftsführer des Analysehauses MMD ANALYSE & ADVISORY GmbH. Dies zeigt auch der Blick auf die Renditen der Produkte: Während der ersten zwei Monate 2019 war zwischen satten Gewinnen von 24 Prozent und Verlusten bis zu 30 Prozent alles möglich. Dies zeigt die monatliche Erhebung Kepler Absolute Hedge. „Die Tatsache, dass es Anfang 2019 für Strategiefonds neben deutlichen Drawdowns auch attraktive Zuwächse gab, zeigt, dass Absolute-Return-Produkte keine homogene Gruppe sind. Es ist für Investoren wichtig, das zu verstehen“, betont Georg Reutter, Managing Partner bei Kepler Europe und einer der Initiatoren der Studie.

Überhaupt scheint beim Thema Absolute Return einiges durcheinander zu gehen. Dies fängt bereits bei den Begrifflichkeiten an. „Absolute Return ist ein irreführender Begriff, der zudem mehrere Bedeutungen hat. Wir bei MMD präferieren daher den Begriff Strategiefonds. Dadurch wird klar, dass es um Strategien geht, die Alpha generieren sollen“, erklärt Erdmann. Wie vielschichtig die Gruppe der Strategiefonds aufgestellt ist, zeigt auch ein Blick in die Untersuchung aus dem Hause Kepler: Die Autoren unterscheiden zwischen den Strategien Credit, Equity Long /Short, Event Driven, Macro, Managed Futures, Multi Asset, Multi Strategy und marktneutralen Ansätzen.

 

Bei Strategiefonds kommt es auf die Allokation an

Angesichts der vielfältigen Strategien sollte für Investoren im Bereich Strategiefonds und Absolute Return doch eine Menge dabei sein, sollte man meinen. Doch die Experten auf diesem Gebiet halten wenig davon, Fonds aus dieser Kategorie nur deswegen zu kaufen, weil sie gerade gut laufen: „Auch wenn Absolute Return für viele Investoren Sinn macht, sollten sich Anleger nicht zu stark von Stimmungen leiten lassen. Diese Produkte sind zwar immer nach Rückschlägen an den Börsen gefragt, sind aber kein Allheilmittel. Langfristig entscheidend ist die solide Depotstruktur“, betont Erdmann. Und Reutter ergänzt, dass auch bei Strategiefonds Chance und Risiko immer zwei Seiten einer Medaille seien. Man müsse Absolute-Return-Produkte auch an den Renditezielen des Managers im Verhältnis zum Risiko messen.

Hier kommen quantitative Analysen ins Spiel, die das Chance-Risiko-Verhältnis mehrerer Produkte transparent machen.  Obwohl sowohl Erdmann als auch Reutter mit ihren Unternehmen Strategiefonds regelmäßig unter die Lupe nehmen, ist man sich in der Branche darüber einig, dass es mehr Transparenz brauche, um die Anlageinstrumente für noch mehr Investoren  attraktiv zu machen.

Zwar lassen sich Strategiefonds je nach Anlagestrategie unterscheiden, doch trotzdem sind daraus keine allgemein gültigen Regeln ableitbar. Welche Strategie in welchem Marktumfeld denn nun wirklich gut abschneidet, lässt sich schwer bestimmen. „Es ist schwierig, aus Beobachtungen über bestimmte Zeiträume allgemeingültige Regeln abzuleiten.  Long-Bias-Strategien korrelieren beispielsweise oftmals stark mit dem Gesamtmarkt. Alternative-Beta-Strategien bieten ebenfalls ein sehr heterogenes Bild - manchmal hängt der Ertrag davon ab, wie stark eine Strategie vom Markt nachgefragt wird“, erklärt Reutter und rät Investoren dazu, grundsätzlich nur die Strategien zu kaufen, die sie auch verstehen. Es komme bei der Produktgattung entscheidend darauf an, wie sie im Portfolio allokiert werde.

 

Geringe Transparenz als Hemmschuh für Privatanleger

Um Strategiefonds besser einschätzen zu können, kommt es auch auf die weichen Faktoren an: „Da Absolute-Return-Fonds stark vom Geschick des jeweiligen Managers abhängen, sollten Investoren neben Performancekennzahlen auch den persönlichen Kontakt in ihre Entscheidung einfließen lassen. Neben den Fähigkeiten entscheidet auch der Charakter darüber, ob ein Manager eine Strategie auch in schweren Marktphasen verlässlich umsetzen kann“, betont Erdmann, der diesen Juni professionelle Investoren und Manager alternativer Strategien zu einem Kongress nach Frankfurt eingeladen hat.  „Das direkte Gespräch mit Fondsmanagern hilft dabei, die Glücksspieler von Könnern zu unterscheiden“, glaubt Erdmann.

Für Privatanleger bleiben die Türen solcher Branchentreffs in der Regel geschlossen. Überhaupt stellt sich die Frage, ob die Produkte für diese Anlegergruppe überhaupt geeignet sind. Neben der Komplexität der umgesetzten Strategien und der großen Unterschiede bei Absolute-Return-Fonds könnte auch das größere Manager-Risiko ein Hemmschuh für Privatanleger sein. Die Idee von Absolute Return als unkompliziertem Krisen-Investment mit garantierten positiven Renditen ist nicht haltbar.