Adidas will auf Plastik verzichten - ohne Einbußen für die Kunden

Der Global Player bei Sportbekleidung Adidas geht den nächsten Schritt in Sachen Nachhaltigkeit. Am Montag kündigte das Unternehmen aus Herzogenaurach an, bis 2024 ausschließlich auf recycelten Kunststoff zu setzen. Diese Selbstverpflichtung, auf neu hergestellte Kunststoffe zu verzichten, sorgt für Aufsehen in der Branche. Nicht zuletzt, da gerade Polyester ein beliebtes Material für Sportbekleidung ist. Es trocknet schnell, ist sehr leicht und wird daher gern und viel eingesetzt. Vom T-Shirt bis zum Sport-BH findet sich Polyester bei allen Herstellern ganz oben auf der Liste. Wie Adidas den hohen Verbrauch kompensieren möchte, ist noch nicht ganz klar.

Weiterhin heißt es bei der Adidas AG (ADDDF) auch, dass der Verzicht auf die Verwendung von neu produzierten Kunststoffen nicht nur für die Produkte selbst gelten solle. Auch in den Stores, Büros, Lager und Vertriebszentren des Unternehmens soll ausschließlich auf recycelte Materialien gesetzt werden. Laut Schätzungen von Adidas wird hierdurch eine geschätzte Einsparung von 40 Tonnen Plastik im Jahr erreicht und das schon ab 2018.

Auch wenn dieser Schritt zu mehr Nachhaltigkeit bei manchen Kunden für Verwunderung sorgen mag, so steht Adidas damit gar nicht alleine da. Das Unternehmen ist lediglich das jüngste in einer ganzen Reihe globaler Unternehmen, die sich zu einer reduzierten Verwendung von Kunststoffen verpflichtet haben. So plant beispielsweise auch Starbucks (SBUX), Plastikstrohhalme aus seinen Geschäften zu verbannen. Die FastFood-Kette McDonald's (MCD) wiederum erprobt zurzeit in Großbritannien und Irland, wie ihre Kunden auf den Verzicht auf Strohhalme reagieren. Hinzu kommt auch Ikea, welches Einwegplastik gleich ganz aus seinen Geschäften und Restaurants raus nimmt.

Die weltweite Verwendung von Kunststoff hat sich in den letzten 50 Jahren um das 20-Fache erhöht und wird sich in den nächsten 20 Jahren voraussichtlich noch einmal verdoppeln. Gerade in den Ozeanen zeigt sich das Ausmaß des weltweiten Plastikverbrauchs. Hier gehen Forscher davon aus, dass - gemessen am Gewicht - mit dem Jahr 2050 mehr Plastik als Fisch in den Meeren zu finden sein wird. Doch das Material ist billig herzustellen und vielseitig einsetzbar. Für das Recyceln von Plastikabfällen werden momentan nur etwa 14 % des Mülls gesammelt. Der Rest wandert entweder ins Meer, wird verbrannt oder auf Halden gelagert. Die Wiederverwendungsrate ist im Vergleich zu anderen Materialien miserabel. Bei Papier sind es immerhin 58 % und bei Eisen und Stahl bis zu 90 %. Sowohl Verbraucher als auch Politik erkennen immer öfter den langfristigen Schaden, den Kunststoffe an der Umwelt anrichten. Unternehmen, die ihre Kunden nicht verlieren möchten, suchen daher gezielt nach ökologischen Alternativen.

Bleibt die Frage, wie genau Adidas ihre Ziele erreichen möchte. Hier liefert das Unternehmen bereits erste Zahlen. So soll etwa die Bekleidungslinie für den Frühling und Sommer 2019 rund 41% recyceltes Polyester enthalten. Schritt für Schritt werde dieser Anteil bis 2024 erhöht werden. Dass dieses Konzept durchaus aufgehen könnte, zeigt bereits das Schuhmodell Parley. Hier hat Adidas ein Produkt entworfen, welches aus Kunststoffabfällen gefertigt wird, die von Stränden und Küsten aufgesammelt wurden. So wurde verhindert, dass diese Plastik ins Meer gelangen konnte. Gerade für die Parley-Schuhe erwartet der Sportbekleidungshersteller einen weiteren Umsatzanstieg. In Herzogenaurach geht man davon aus, dass 2018 der Verkauf auf 5 Millionen Paare ansteigen wird. Im Vergleich dazu: Im Vorjahr waren es „nur“ 1 Millionen Paare.