„Äpfel mit Birnen“: Fünf Argumente gegen den Vergleich von Bitcoin und Gold
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2021-06-15

„Äpfel mit Birnen“: Fünf Argumente gegen den Vergleich von Bitcoin und Gold

Es liegt in der Natur des Menschen permanent Vergleiche aufzustellen. Er versucht auf diese Weise, sich neue Phänomene zu erklären. Insofern ist es naheliegend, dass Bitcoin (BTC) gerne mit Gold verglichen wird. Bei beiden Assets handelt es sich um erschöpfliche Güter, denen ein monetärer Wert zugesprochen wird. Warum dieser Vergleich dennoch stark hinkt.

Aus den folgenden fünf Gründen macht es keinen Sinn, Gold und Bitcoin auf eine Ebene zu stellen: 


1. 20% des Goldes auf der Welt ist nicht verloren, bei Bitcoin sind mindestens 20% unwiderruflich weg. 

Bestimmt ist die eine oder andere Goldmünze hinter einem Sofa oder anderswo verschollen. In Summe sind jedoch bestimmt nicht 40.000 Tonnen oder ein Fünftel der Gesamtmenge Gold verloren gegangen. Dagegen dürften viele Mitglieder des Bitcoin-Netzwerks, die anfangs spaßeshalber auf Ihrer CPU tausende von Bitcoins gemined haben – der Block Reward lag zunächst bei 50 BTC –, Ihre Private Keys vergessen haben. Sie konnten ja nicht ahnen, dass diese simple Rechenoperation zwölf Jahre später zwei Millionen Euro wert sein wird. 


2. Gold bekommt keine Updates 

BTC könnte sich durch Layer-2-Solutions oder Hard Forks in der Blockchain als fälschungssicheres globales Zahlungsmittel etablieren. Allerdings sind auch alternative Szenarien denkbar. Denn hinter der Kryptowährung steht ein Netzwerk aus Menschen, die demokratisch über die Zukunft des BTC bestimmen können. Diese Community könnte sich auch irgendwann an dem digitalen Zahlungsmittel langweilen und damit aufhören, das Netzwerk zu unterstützen. Die Folge wäre ein Einbruch der BTC-Infrastruktur und damit des Preises. Die erste Digitalwährung ist nach wie vor sehr jung und hat noch sehr viel Entwicklung vor sich. 

Der Versuch, Gold als Zahlungsmittel zu verwenden, ist seit der Abkehr vom Goldstandard in der westlichen Welt nicht wieder aufgegriffen worden. Möglicherweise werden für Gold neue Industrieanwendungen gefunden, die zu einer Änderung der Nachfrage führen könnten. Vielleicht findet jemand mit einem Teilchenbeschleuniger einen Weg künstliches Gold herzustellen, was die Angebotsseite beeinflussen könnte.  Verschwinden oder sich verändern kann physisches Gold rein chemisch gesehen aber nie. Gold war, ist und bleibt einfach Gold.


3. Die Preisfindung funktioniert 

Die Welt beschäftigt sich seit ein paar tausend Jahren mit der Preisfindung für Gold. Um das wichtigste Edelmetall wurden Kriege geführt. Im Lauf der Zeit hat sich ein solides Handelssystem für Gold entwickelt. Dagegen brechen Kryptobörsen bei hoher Marktliquidität einfach zusammen oder verschwinden als Teil eines ausgeklügelten Betrugssystems auch mal gänzlich. Der Handel mit Kryptowährungen existiert in Wirklichkeit erst seit fünf Jahren und hat noch eine lange Entwicklungsphase vor sich. Als einen Meilenstein könnte sich dabei der Übergang zu DeFi Börsen herausstellen. Noch gibt es im Kryptobereich zu viele Arbitragemöglichkeiten. 


4. Stock to flow ratio

Stock to flow beschreibt allgemein das Verhätnis von Lagerbeständen (Stock) eines Assets und der Produktionsmenge (Flow) über beliebige Zeiträume, um Aussagen über Preisentwicklungen treffen zu können.  

Sobald sich die Goldnachfrage erhöht, fördert der Bergbausektor größere Mengen des gelben Metalls. Die Expansion hält an, bis der Markt wieder befriedigt oder sogar überversorgt ist – dann nimmt die Produktion wieder ab. Es handelt sich hier um ein zyklusförmiges auf und ab.

Bei Bitcoin kann dagegen – unabhängig von der Nachfrage – maximal alle zehn Minuten ein neuer Block mit entsprechendem Reward geschürft werden. Die Menge an BTCs pro geschürftem Block reduziert sich auch durch Halvings sukzessive. Allein deswegen macht es eine steigende Nachfrage kostspieliger, die BTC-Gesamtmenge auszubauen respektive Transaktionen zu bearbeiten. 


5. Bitcoin ist im Vergleich zu Gold unschlagbar praktisch

Um Bitcoin zu kaufen und sicher zu verwahren, braucht es ein technisches Gerät und etwa zwei Minuten Zeit. Daneben muss nur noch die frei bestimmbare Transaktionssumme festgelegt werden. Bitcoin tatsächlich zu kaufen ist einfacher, als ein Derivat auf die Cyberdevise zu erwerben. 

Bitcoin ist grundsätzlich bis in die achte Nachkommastelle divisibel. Um die Kryptowährung derart teilbar zu gestalten, genügt es, die entsprechenden Transaktionskosten zu bezahlen. Bei Layer-2-Lösungen hält sich dieser Obolus in Grenzen. 

Im Vergleich dazu ist der physische Erwerb von Gold deutlich aufwendiger. Interessenten benötigen eine international funktionierende Logistik, einen vertrauenswürdigen Goldhändler mit festgelegten Öffnungszeiten sowie einen Tresor zur sicheren Verwahrung. Vor diesem Hintergrund ist es nur allzu verständlich, wenn Anleger zu einem Gold-Derivat greifen und auf die Absicherung in Form der physischen Hinterlegung verzichten. Der Marktwert von Gold-Derivaten ist mitunter höher als der Wert des physisch verfügbaren Goldes.

Das gesamte Goldvorkommen passt in einen Würfel mit einer Kantenlänge von rund 20 Metern. Es wiegt etwa 200.000 Tonnen. Dagegen passt der gesamte Bitcoin der Welt theoretisch auf ein Blatt Papier. 


Obwohl sich die Auflistung weiter verlängern ließe, führen bereits die skizzierten fünf Punkte zu einem eindeutigen Schluss: Bitcoin und Gold unterscheiden sich grundlegend voneinander. Passend zum alten Bonmot „Äpfel mit Birnen“ sollten Anleger gar nicht erst mit einer Abwägung zwischen den beiden Assets beginnen. Investitionen in dieses Duo dienen völlig verschiedenen Zielen.

Bei Bitcoin wird die technische Weiterentwicklung der Blockchain in den kommenden Jahren entscheidend für den zukünftigen und dauerhaften Erfolg sein. Eine maßgebliche Rolle dürfte zudem der Wille der Teilnehmer des Bitcoin-Netzwerks spielen, dieses aufrecht zu erhalten: Es werden nur so lange Bitcoins geschürft und damit Transaktionen bearbeitet, wie der Block Reward einen höheren Wert hat als die erforderlichen Kosten für das Betreiben der Mining Computer. 

Mit Bitcoin kauft man als Anleger die Hoffnung auf Weiterentwicklung und -verbreitung des Bitcoin Netzwerks bzw. des Assets. 

Als Anleger in Gold kauft man den Glauben an einen sicheren Hafen. 

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