Aggressive Investoren: Strategien von Hedgefonds

Hedgefonds haben schon immer gern Firmen gekauft und dann die Filetstücke herausgepickt. Der unwerte Rest wurde billig verkauft oder zerschlagen. Das vernichtet Arbeitsplätze und kann die Nachhaltigkeit beschädigen, es kann aber auch kurz-, mittel- und langfristig sehr profitabel sein. Während die Belegschaft fast immer leidet und protestiert, bemerkte die Öffentlichkeit dieses Geschäftsgebaren bei Mittelständlern kaum. Doch nun nehmen sich die aggressiven Heuschrecken auch Traditionsfirmen wie Thyssenkrupp, ABB oder den AC Mailand vor. 

 

Der Fall AC Mailand 

Silvio Berlusconi, damaliger Eigentümer des Klubs AC Mailand, verkaufte diesen 2017 an einen chinesischen Investor - das war für die Fans nur schwer zu ertragen. Doch im Juli 2018 wurde der AC Mailand schon wieder verkauft, dieses Mal an den US-Hedgefonds Elliott. Dessen Gründer und Chef Paul Singer (73) ist als aggressiver Aufkäufer bekannt. Der Milliardär wurde mit dem Zerschlagen und der Brutal-Sanierung von Firmen reich. Sein Fonds verwaltet derzeit 34 Milliarden Dollar und ist damit mächtig. Es gibt Stimmen, die Singer nachsagen, er habe einst die Staatspleite von Argentinien ausgelöst. Der "Geier" gilt als einer der gefürchtetsten Aufkäufer der Welt. Er ist ein sogenannter “aktivistischer” Investor, der nach einer Firmenübernahme die Aufspaltung oder Neuorganisation vorantreibt. Filetstücke bleiben übrig, sie sind mehr wert als eine Traditionsfirma. Was hat Singer mit dem AC Mailand vor? Die Fans erwarten böse Überraschungen. 

 

Auf Einkaufstour in Europa 

Europäische Konzerne stehen noch nicht lange auf der Einkaufsliste der Hedgefonds, doch sie orientieren sich gerade diesbezüglich. Das Schema ist dabei klar: Die Aufkäufer suchen nach soliden Unternehmen mit Marken und einem guten Namen, die aber derzeit schlecht geführt werden und daher unterbewertet sind. Ein derartiger Fall ist ThyssenKrupp. Dort war die schwedische Investmentgesellschaft Cevian 2013 als Aktionär eingestiegen, 2018 folgte nun Singer mit seinem Fonds Elliott. Die beiden Investoren halten zusammen rund 20 Prozent am Konzern und drängen jetzt gemeinsam auf Veränderungen. Unter ihrem Druck erklärte Mitte Juli 2018 der ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger (58) seinen Rücktritt. Es habe ihm an Rückhalt gefehlt, erklärte der Spitzenmanager zum Abschied. Das stürzte seinen Konzern in die Krise. Interne Konflikte werden bei Dax-Unternehmen in der Regel nicht so offen ausgetragen. Die beiden Fälle AC Mailand und Thyssenkrupp ähneln sich, aus so unterschiedlichen Geschäftsfeldern sie auch stammen mögen. Beide Firmen waren einmal groß und leben immer noch von ihren Namen, doch beide schwächeln. Aus diesem Szenario generieren die Heuschrecken ihre Chancen. 

 

Zermürbte Manager beim Psychiater 

Ein Manager, der einen großen Konzern führt, braucht dafür absolutes Engagement und entsprechendes Commitment. Anders ist der Job nicht zu bewältigen. Wenn er durch einen Investor in die Enge getrieben wird, kostet das Nerven - manchmal zu viele Nerven. Denn die aktivistischen Investoren lassen nicht locker, sie arbeiten mit Nadelstichen, Zermürbungstaktik und überraschenden, schwer zu verkraftenden Wendungen. Das hält nicht jeder Firmenchef aus. Es gibt Manager, die auf der Abschussliste von Investoren standen, weil sie eine grundsätzlich andere Strategie als jene verfolgten. Da sie über langfristige Verträge verfügen, ist es nicht einfach, sie loszuwerden. Es gelingt offenbar nur nach einem Nervenkrieg, in dessen Folge sie hinwerfen - wie jetzt Hiesinger. Einige von ihnen begeben sich anschließend in psychiatrische Behandlung. Darüber sprach ausgerechnet Ulrich Lehner als Aufsichtsratsvorsitzender von Thyssenkrupp unlängst mit der “Zeit”.