Aldi-Süd - als Luxusanbieter in China?

Innerhalb eines Jahres konnte sich Aldi-Süd als Premiumanbieter in China etablieren.

Vor einem Jahr startete Aldi Süd mit einem Online-Shop auf dem chinesischen Markt und konnte dort ein Luxusimage etablieren. Durch dieses Vorgehen ist das Unternehmen so erfolgreich, dass es nun auch die Eröffnung eigener Filialen in China plant.

 

Erfolgreicher Neuanfang in China

Dem Grundsatz nach hat jeder eine zweite Chance verdient, so auch Aldi Süd. In China hat das Unternehmen diese zweite Chance wahrgenommen und einen erfolgreichen Neuanfang realisiert. Innerhalb eines Jahres konnte sich der deutsche Discounter als Premiumanbieter etablieren. Dieses Vorgehen ist vor allem für deutsche Kunden überraschend, denn in Deutschland fällt das Unternehmen insbesondere durch desolate Filialen auf.

Chinesischen Kunden sind diese Umstände jedoch nicht bekannt, sodass Ao-Li-Qi – der Name unter dem Aldi auf dem chinesischen Markt auftritt – als deutsches Unternehmen mit einem guten Ruf wahrgenommen wird. Dies liegt vor allem am guten Ruf, den deutsche Firmen auf dem chinesischen Markt genießen, denn Deutsche Produkte werden mit einer besonders hohen Qualität und einer hohen Verlässlichkeit assoziiert. Ein Großteil der angebotenen Produkte tragen den Schriftzug „Yuanzi deguo“, was wortwörtlich „ursprünglich aus Deutschland“ bedeutet.

 

Made in Germany – die Marke

Dass Aldi die meisten Produkte in Australien produzieren lässt, ist für die Kunden dabei uninteressant. Denn das Unternehmen suggeriert erfolgreich, dass die Produkte in Deutschland erfunden wurden und somit die typische, deutsche Qualität aufweisen. Als besonders erfolgreiches Produkt zählt Knoppers. Diese Schokowaffeln werden für 3,90 Euro vertrieben, wobei lediglich 45 Cent auf die Importzölle entfallen. In Deutschland kostet eine Packung Knoppers lediglich 1,89 Euro. Generell treiben Schokoladenprodukte die Marge. So wird beispielsweise die Billigmarke Choceur für 5,66 Euro angeboten, während die Produkte in Deutschland 99 Cent kosten. Die Markenschokolade von Merci wird für 9,40 Euro verkauft. Hierbei entfallen 1,10 Euro auf die Importzölle.

Besonders verblüffend an diesen Preisen ist der Umstand, dass das Durchschnittsgehalt in Deutschland dreimal höher als in China ist. Aufgrund anhaltender Lebensmittelskandale sind die Chinesen jedoch bereit diese Preise zu zahlen. Vor allem Gammelfleisch und Spuren von Giftstoffen sorgen für ein sinkendes Vertrauen in die eigene Lebensmittelindustrie.

Wenn die Lebensmittelsegmente differenziert betrachtet werden, dann stechen vor allem Kinderprodukte hervor. Hier investiert die chinesische Mittelschicht überdurchschnittlich viel. Die Ursache hierfür liegt beim Melaminskandal, der 2008 für den Tod von mindestens sechs Säuglingen sorgte. Zusätzlich wurden hunderttausende Kinder vergiftet.

Anschließend kauften viele chinesische Händler die Waren in Deutschland und nahmen diese mit nach China. Diese Entwicklung war ein Grund zur Rationierung von Lebensmittelmengen in deutschen Supermärkten.

 

Holpriger Start hatte keinen negativen Einfluss

Der Start von Aldi auf dem chinesischen Markt war dabei etwas holprig, denn im Rahmen von Produkttests teste die Verbraucherplattform OKOer 11 Schokoladen des deutschen Unternehmens. Drei dieser Produkte erhielten das Ergebnis „ungenügend“, während drei weitere sogar als „mangelhaft“ bewertet wurden. Doch das Qualitätsversprechen „Handverlesen für dich“ überzeugte die Kunden. Nun sollen rund 50 Filialen folgen, welche die Gewinne des Unternehmens weiter befeuern sollen. Offizielle Bestätigungen gab es bisher nicht, doch als größter Markt der Welt ist diese Entscheidung sehr wahrscheinlich. Dabei würde die Komplexität jedoch enorm steigen, da neben den Importen auch die Qualität des Geschäfts sichergestellt werden muss.