Allianz oder Axa? Wer hat die digitale Vorherrschaft?

Die Allianz macht bereits jetzt klar, dass noch einige innovative Produkte in der Pipeline sind und der Kampf um die digitale Vorherrschaft in der Versicherungsbranche noch nicht beendet ist.

Die Versicherungsgiganten Allianz und Axa kämpfen um die Vorreiterrolle bei der Digitalisierung. Während insbesondere Axa-Chef Thomas Buberl die Digitalisierung beim Versicherer vorantreibt, hält nun auch Oliver Bäte, der Chef der Allianz dagegen. Dieser Machtkampf sorgt dafür, dass die Position des Vorreiters noch längst nicht geklärt ist.

 N26 – Hashtag Nobullshit 

Der Hashtag „Nobullshit“ ist mittlerweile nicht nur in der digitalen Welt bekannt, sondern findet auch im analogen Marketing Anwendung. Hierbei handelt es sich um den Werbeslogan der Smartphone-Bank N26, welches als eines der einzigen großen und erfolgreichen Fintechs den Markt aufmischt. Die Werbeplakate von N26 finden sich in U-Bahnhöfen und anderen Werbeflächen von einigen Großstädten wieder und sollen bei der Akquisition von Neukunden helfen. Einer der größten Geldgeber ist nun die Allianz, die sich in vor einigen Wochen an einer Finanzierungsrunde über 160 Millionen Euro an N26 beteiligte. Durch diese Investition möchte der Dax-Konzern ein Zeichen setzen, denn bei der Digitalisierung in der Versicherungsbranche führt nun kein Weg mehr an der Allianz vorbei.

Die Idee hinter der Beteiligung ist logisch, denn Kunden, die ein Konto bei einer Onlinebank haben, werden zu einem späteren Zeitpunkt auch Versicherungen benötigen. Zudem soll das Investment eine Kampfansage an die Axa darstellen, denn der französische Versicherungskonzern gab bisher im Alleingang das Tempo der Digitalisierung in der Versicherungsbranche an. So existieren bereits viele der Geschäftsmodelle, welche bei der Allianz nun entwickelt werden, bei der Axa.

Wettlauf um die digitale Vorherrschaft gewinnt an Fahrt 

Der Angriff der Allianz soll in den kommenden Jahren den Kampf um die digitale Vorherrschaft anheizen. Bereits im vergangenen Jahr investierten die Versicherer rund 2,3 Milliarden Euro in sogenannte Insurtechs. Diese Investitionen entsprachen einem Wachstum von 36 Prozent, wenn die Ausgaben des Vorjahreszeitraums als Vergleichswert herangezogen werden.                                                                                 

Die Nachricht dieser Investitionen ist klar, denn die großen Versicherer möchten weiterhin eine entscheidende Rolle bei der technologischen Entwicklung einnehmen. Für Nazim Cetin, dem Geschäftsführer der Wagniskapitaleinheit der Allianz, welche unter dem Namen Allianz X bekannt ist, begründet den Strategiewechsel des Versicherers in der hohen Relevanz der Digitalisierung. So sollen keine Investitionen in junge Startups veranlasst, sondern bestehende Unternehmen mit einem funktionierenden Geschäftsmodell erworben werden. Wichtigstes Auswahlkriterium ist ein Mehrwert für das Versicherungsgeschäft.                                 Für diese Zukäufe erhielt Cetin bisher 430 Millionen Euro. Mittlerweile wurden rund 50 Prozent dieses Geldes reinvestiert. Doch die Mittel sollen weiter ausgebaut werden, sodass zeitnah weitere Millionen für Investitionen zur Verfügung stehen könnten.

Neue Möglichkeiten für die Kunden 

Bäte gilt in der Branche als Sympathisant digitaler Innovationen, wobei der Umbau des Konzerns und die mangelnde Profitabilität eine Bremse für den Wandel waren. Doch auch die Schaffung neuer Digitalposten bezeugen den Willen zur Veränderung. Die Digitalisierung ist bereits so reif, dass Kunden diese bei der Gestaltung der Dienste fordern. So sollen bei der Axa Innovationen schneller im Kerngeschäft des Versicherers implementiert werden, die Kunden sollen neue Dienstleistungen und Interaktionsmöglichkeiten erhalten und Möglichkeiten zum Testen neuer Produkte wahrnehmen können.

Auch die Allianz setzt auf einen Kundenfokus, welcher bisher nur in der Beratung verfolgt wurde. Insbesondere neue Produktpakete, die für Kunden verständlich seien, sollen beim Wandel helfen. Solche smarten Produkte werden durch den Bereich Allianz Partners vermittelt. Hier merkt der Kunde erst beim zweiten Blick, dass die Produkte zur Allianz gehören, werden sie doch über andere Anbieter wie BMW vermittelt.

Ein starkes Wachstumspotenzial soll auch der Gesundheitssektor bieten. Eine alternde und anspruchsvollere Gesellschaft fordert einen höheren Einsatz der Versicherer. Die Axa bietet seit neustem etwa Telemedizin an. Hierbei wird der Kunde auf dem digitalen Weg über medizinische Lösungen beraten. Die Allianz macht bereits jetzt klar, dass noch einige innovative Produkte in der Pipeline sind und der Kampf um die digitale Vorherrschaft in der Versicherungsbranche noch nicht beendet ist.