Alternative Proteinquellen als Anlagechance im Anleihenbereich

Durch die beispiellose Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest in China sind die Rindfleisch- und Geflügelpreise in diesem Jahr stark gestiegen. Ariel Bezalel, Head of Strategy, Fixed Income bei Jupiter, erläutert, wie die enormen Versorgungsengpässe in China den globalen Proteinmarkt auf Jahre hinaus maßgeblich prägen dürften.

Dass 2019 in China das Jahr des Schweines ist, ist bittere Ironie. Seit August 2018 grassiert in China die Afrikanische Schweinepest, die für den Menschen ungefährlich, für die Tiere selbst aber tödlich, unheilbar und extrem ansteckend ist. Seither hat die Regierung viel unternommen, um die Krankheit unter Kontrolle zu bekommen, allerdings mit begrenztem Erfolg. Mittlerweile hat sich das Virus auch auf Schweinepopulationen in anderen Ländern der Region ausgebreitet. Im Mai meldete Vietnamdie Notschlachtung von 1,5 Millionen Schweinen, um die Epidemie einzudämmen.

 

Ariel Bezalel, Head of Strategy, Fixed Income

 

Im vergangenen Jahr deuteten offizielle Berichte aus China zunächst darauf hin, dass nur 1% der dortigen Schweinepopulation (1 Million Tiere) gekeult worden waren, um eine weitere Kontamination zu verhindern. Im Februar 2019 wurde dann ein Rückgang des Bestands an Schlachtschweinen und Sauen von 17% bzw. 19% gegenüber dem Vorjahr gemeldet.Auf absoluter Basis sind das rund 62 Millionen Tiere. Da diese Daten mit Verzögerung veröffentlicht werden und die Krankheit noch längst nicht unter Kontrolle ist, könnten die tatsächlichen Zahlen noch höher sein.

Schweinefleisch gehört in China zu den Grundnahrungsmitteln. Vor den Notschlachtungen belief sich der Schweinebestand in China auf rund 400 Millionen Tiere. Kein Land der Welt produziert – oder konsumiert – so viel Schweinefleisch wie China. Rund 47% der weltweiten Schweinefleischproduktion – 2018 waren das mehr als 54 Millionen Tonnen – entfällt auf China. Mit einem Gesamtverzehr von rund 55 Millionen Tonnen Schweinefleisch im vergangenen Jahr – fast die Hälfte des weltweiten Verzehrs – ist China ein Nettoimporteur von Schweinefleisch, auch wenn die Einfuhren nur etwas höher sind als die Ausfuhren.Analysten von BofAML schätzen die durch die Krankheit verursachte potenzielle Angebotslücke auf bis zu 17 Millionen Tonnen, was 30% der chinesischen Schweinefleischerzeugung und 15% der globalen Produktion entspräche.4

Angesichts der gravierenden Versorgungsengpässe in China und der gesamten Region sowie der Tatsache, dass es bis zu zwei Jahre dauern kann, bis die Schweinefleischproduktion wieder das frühere Niveau erreicht, übertrieb der CEO von Tyson Foods keineswegs, als er im Mai sagte, er habe „noch kein Ereignis erlebt, das die Produktions- und Konsummuster am globalen Proteinmarkt so stark verändern könnte wie die Afrikanische Schweinepest.“5

Die Angebotslücke in China hat bereits zu einer höheren Nachfrage nach und höheren Preisen für alternative Proteinquellen wie Hühner- und Rindfleisch sowie Schweinefleisch geführt. China hat im Mai dieses Jahres trotz Zöllen von 62% in nur einer Woche 106.000 Tonnen Schweinefleisch aus den USA importiert – ein Jahr zuvor waren es nur 1.300 Tonnen gewesen. Im Jahr 2019 wird mit einem Anstieg der Margen in der Schweinefleischverarbeitung von rund 300 Basispunkte gerechnet.Die Hühnerfleischproduzenten haben außerdem von der rückläufigen Nachfrage nach Sojabohnen (einem wichtigen Futtermittel in der Schweinezucht) in China profitiert, die zu einem Rückgang der Futtermittelkosten in der Geflügelproduktion beigetragen hat.


Chinas Versorgungsengpass ist größer als der gesamte Schweinebestand der USA


Die USA und Brasilien sind zwei der weltgrößten Produzenten tierischer Proteine, die über die natürlichen Ressourcen verfügen, um die Welt mit Hühner-, Rind- und Schweinefleisch zu versorgen. Den jüngsten Daten zufolge sind die Preise für Hühnerfleisch in den USA im Vergleich zum Vorjahr bereits um 4,3% gestiegen, bei einem Anstieg der Margen um 667 Basispunkte (die Hühnerfleischpreise profitieren vom kürzeren Lebenszyklus der Tiere, wodurch die Produzenten das fehlende Schweinefleischangebot leichter durch ein günstigeres Protein ersetzen können). Positive Auswirkungen sind auch bei Rindfleisch aus US-Produktion zu sehen, wo die Preise im Vorjahresvergleich um 4,0% gestiegen sind und sich die Margen um 184 Basispunkte gegenüber dem 2018 verzeichneten Zehnjahreshoch erhöht haben.7

Nach dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest im letzten Jahr hat mein Team bei Jupiter die potenziellen Auswirkungen auf die globalen Märkte frühzeitig erkannt. In unserer uneingeschränkten globalen Anleihenstrategie hielten wir bereits Wertpapiere von JBS USA, der US-amerikanischen Tochtergesellschaft der brasilianischen JBS S.A., des weltgrößten Rind- und Schweinefleischproduzenten. Durch unser Kreditresearch in diesem Bereich und unsere Gespräche mit der JBS-Unternehmensführung wurden wir der potenziell weitreichenden Folgen des Ausbruchs der Schweinepest auf die globale Proteinproduktion frühzeitig gewahr. Als JBS in diesem Jahr den größeren Anlegerappetit nutzte (die Anleihen des Unternehmens notieren auf dem höchsten Stand seit zwei Jahren und die Aktie auf einem Allzeithoch), um neue Anleihen zur Minderung seines Refinanzierungsrisikos zu emittieren, zögerten wir angesichts des Marktanteils, der geringen Verschuldung und des hohen Free Cashflows des Unternehmens nicht, die neuen Anleihen zu zeichnen.

Unser Engagement im Thema Proteinproduktion betrifft aktuell rund 2% der Anleihen in unserer Strategie. Neben den Titeln von JBS halten wir auch Anleihen von Pilgrim’s Pride, dem in den USA, Mexiko und Europa tätigen Geflügelspezialisten des JBS-Konzerns, der bereits über ein starkes Kreditprofil verfügt, sowie Marfrig, dem viertgrößten Rindfleischproduzenten der USA. Des Weiteren halten wir auch Anleihen von zwei Unternehmen in Sondersituationen – den Geflügelproduzenten Boparan (Großbritannien) und Simmons Foods (USA), die von der steigenden Exportnachfrage, den höheren Hühnerfleischpreisen und den geringeren Futtermittelkosten profitiert haben. Angesichts der Schwere des Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest, der Versorgungs-engpässe und der Zeit, die es braucht, bis sich die Herden erholt haben, könnte der Markt unseres Erachtens noch mindestens ein bis zwei Jahre gestört bleiben. Das sollte diesen globalen Proteinproduzenten zugutekommen.


China – weltgrößter Produzent und Konsument von Schweinefleisch

 

1Bloomberg, 20. Mai 2019

2Bank of America Merrill Lynch, Juni 2019

3USDA, Financial Times

4Bank of America Merrill Lynch, Juni 2019

5Noel White, Tyson Foods CEO, Analysten-Telefonkonferenz zu den Q1-Ergebnissen, 6. Mai 2019

6USDA, Bank of America Merrill Lynch, Jupiter-Research

7Bloomberg, Juni 2019

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