Altersvorsorge per App - warum der Markt für InsurTechs weiter wachsen wird

Sie heißen Vantik, Fourmore, myPension oder auch Vest4Later und haben sich zur Aufgabe gemacht, die private Altersvorsorge zu digitalisieren. Dazu wollen die InsurTechs in erster Linie im Umgang mit Kunden punkten und auf diese Weise vieles besser machen als klassische Lebensversicherungen. Angefangen von der rein digitalen Altersvorsorge per App, bieten die Altersvorsorge-Startups ihren Kunden in erster Linie Flexibilität. Beiträge aussetzen oder ändern ist mit Vantik und Co. einfach möglich. Im Gegenzug fallen gesetzlich garantierte Zinsen, die bei Lebensversicherungen aktuell 0,9 Prozent betragen, weg.

 

Mit Einfachheit beim Kunden punkten

Dennoch sehen sich die Anbieter konkurrenzfähig – was nicht zuletzt an geringeren Kosten liegt. So kostet die Altersvorsorge bei MyPension abhängig von Sparbetrag und Laufzeit effektiv zwischen 0,8 und 1,6 Prozent, beim Renten-Produkt des digitalen Vermögensverwalters VisualVest Vest4Later 0,6 Prozent und bei Vantik 1,18 Prozent jährlich. Lediglich bei Fourmore, der Lösung der Allianz, fallen neben 0,98 Prozent jährlich mit vier Prozent auf jede Einzahlung sehr hohe variable Gebühren an. Vergleicht man die Gebührenmodelle der Anbieter, glänzen vor allem Vest4Later von VisualVest und Vantik mit Transparenz und niedrigen monatlichen Sparraten. 

myPension fällt nur hinter die Konkurrenz zurück, weil jährliche Kontoführungsgebühren sowie eine einmalige Installationsgebühr  bei geringen Sparbeträgen besonders schwer wiegen. Im Gegenzug bietet myPension aufgrund des Versicherungsmantels Steuervorteile, da Steuern später anfallen. Andere Anbieter, wie beispielsweise Vantik, haben das bewusst nicht im Angebot: „Der Versicherungsmantel geht zu Lasten der Flexibilität, da das Kapital gebunden ist. Unsere Berechnungen haben gezeigt, dass sich diese kurzfristigen Vorteile letztlich für Kunden nicht rechnen“, erklärt Vantik-Gründer Til Klein und betont, wie wichtig seinen Kunden Einfachheit ist.

 

Verständlichkeit vor Flexibilität

Vantik ist seit nunmehr sechs Monaten am Markt. "Besonders viel positives Feedback erhalten wir für die Einfachheit. Kunden wollen heute kein Versicherungs-Sprech, sondern ein klares Produkt, das sie auch verstehen. Einfachheit ist für Kunden von heute noch wichtiger als Flexibilität“, so Klein. Einfach hält man es auch bei VisualVest und hat sein Vorsorge-Produkt Vest4Later um den beliebten digitalen Vermögensverwalter herumgebaut. Sowohl die wählbaren Anlageprodukte mit ihren Risikoklassen als auch die Kosten sind identisch. 

Für Mehrwert soll das Tool zur Berechnung der individuellen Rentenlücke sorgen. „Wir berechnen so genau wie möglich, wie unsere Anleger im Alter finanziell aufgestellt sind. Aus diesem Grund stellen wir viele Fragen – je mehr Fragen und je genauer diese beantwortet werden, desto treffsicherer ist unsere Berechnung. Ergänzend zu den Angaben des Anlegers, wie Arbeits- und Rentenbeginn, der aktuellen finanziellen Situation und privaten Vorsorgemaßnahmen, nutzen wir statistische Daten zur Ermittlung der potenziellen Rentenlücke“, erklärt Stephanie Settelmayer, Senior Prodic Manager bei Vest4Later. Der so ermittelte Sparbetrag kann mitunter sehr hoch ausfallen – schließlich lautet das Ziel, eine monatliche Rente in Höhe von 80 Prozent des letzten Bruttogehalts zu erzielen. „Gerade wenn ein Anleger noch einige Jahre bis zur Rente hat, kann die Zielrente dadurch höher sein als das jetzige Einkommen. Dadurch erscheint die Rentenlücke auf den ersten Blick recht hoch. Wenn die Inflation und der dadurch resultierende Kaufkraftverlust berücksichtigt werden, ist das nicht mehr so“, erklärt Settelmayer. Auch die anderen Anbieter unterstützen ihre Nutzer mit Rentenrechnern und machen den Blick in die Zukunft auf diese Weise ein wenig leichter.

 

Gute Entwicklung bei Altersvorsorge-Fonds

Unterschiede zwischen den InsurTechs gibt es bei den garantierten Zahlungen: Während bei Vest4Later der Zeitwert des jeweiligen ETF-Portfolios über das verfügbare Kapital bei Renteneintritt entscheidet, gehen Vantik, MyPension und auch Fourmore andere Wege. Die letztgenannten Anbieter garantieren ihren Kunden einen individuellen monatlichen Betrag, wie dies auch bei klassischen Lebensversicherungen üblich ist. MyPension schichtet darüber hinaus sein ETF-Portfolio je nach Restlaufzeit um. Kurz vor Renteneintritt ist der Anteil schwankungsarmer Anlageklassen größer als zu Beginn der Ansparzeit. Dies soll für zusätzliche Sicherheit sorgen. Einen anderen Weg geht Vantik. Hier fließt ein Prozent jeder Einzahlung in ein Stiftungsvermögen. Diese Stiftung garantiert, dass Kunden immer mindestens ihre Einlagen zurückerhalten – unabhängig vom Zeitwert des Fonds.

Dass Kunden von InsurTechs deutlich mehr Rendite erwarten können, zeigt die Entwicklung bei myPension, Vantik oder VisualVest. Sämtliche Fonds legten während der vergangenen Monate eine ordentliche Performance aufs Parkett. So erzielte das myPension LifeCycle Portfolio auf Sicht von fünf Jahren erst kürzlich in einem Vergleich unter 59 Portfolien den vierten Platz. Auch Newcomer Vantik liegt mit seinem Fonds mit einer Rendite von rund acht Prozent seit Marktstart deutlich über Plan. „Trotz der deutlichen Zuwächse in den vergangenen Monaten ist unser Vantik-Fonds auf den langfristigen Vermögenszuwachs ausgerichtet und daher bewusst konservativ konzipiert“, betont Klein.

 

Europaweite Regulierung belebt das Geschäft

Obwohl sich die digitalen Anbieter für Altersvorsorge in einigen Details unterscheiden, bieten doch vor allem Vantik, MyPension oder auch Vest4Later attraktive Lösungen je nach Gusto. Während VisualVest mit günstigen Konditionen und einem breiten Spektrum an Anlageprodukten eher auf die Selbstentscheider setzt, punkten Vantik oder myPension mit Angeboten zum Zurücklehnen. Lediglich Fourmore hat aufgrund der hohen Gebühren das Nachsehen. Doch schon bald dürften die Karten neu gemischt werden: Für zusätzliche Konkurrenz wird die jüngste EU-Entscheidung zur Regelung europaweiter Altersvorsorgeprodukte sorgen. Demnach sollen europaweite einheitliche Standards den Markt beleben und auch Verbrauchern zu Gute kommen. Der Trend hin zu digitalen Vorsorgeprodukten dürfte damit mittel- bis langfristig weiter Fahrt aufnehmen.