Amazon sagt Markenartikeln den Kampf an

Amazon gilt als Marktführer im E-Commerce und baut das eigene Geschäft weiterhin aus. Neben angebotenen Markenartikeln weist der Konzern die Nutzer auch auf eigene Amazon-Produkte hin und empfiehlt den Kauf.

Amazon gilt als Marktführer im E-Commerce und testet permanent neue Ansätze, um Kunden von der Nutzung des eigenen Dienstes zu überzeugen. Nun soll das Unternehmen US-Kunden auf die eigenen Produkte aufmerksam machen. Kunden, welche ein Produkt einer etablierten Marke kaufen möchten, werden direkt auf das entsprechende Amazon-Produkt hingewiesen. So werden neben den beliebten Pampers-Feuchttüchern direkt die vergleichbaren Produkte der Eigenmarken angezeigt. Hierbei handelt es sich um die sogenannten Amazon Essentials. Aus verschiedenen Berichten geht hervor, dass Amazon eine Einführung dieser Funktion auch für den deutschen Markt in Erwägung zieht.

Für die meisten Menschen mag dieses Tool zwar nur eine Randnotiz darstellen, doch bei genauerer Betrachtung offenbart sich dennoch eine enorme Auswirkung auf die anderen Anbieter. Amazon wird demnach mit dem Slogan „Similar item from our brands“. Der Slogan „vergleichbare Produkte von Amazon“ verlinkt auf die Produkte des E-Commerce-Riesen. Genutzt wird diese Verlinkung erst seit wenigen Wochen, doch bereits jetzt wird dieses Vorgehen kontrovers diskutiert. Der E-Commerce-Analyst Izzy Benoliel teilte auf dem Netzwerk LinkedIn mit, dass Amazon bei einer spezifischen Suche mehrfach eine entsprechende Verlinkung auf die eigenen Produkte platzierte. Beispielsweise neben den beliebten Produkten von Windelanbietern wie Procter & Gamble (Pampers) sowie Huggies (Kimberly-Clark) wurde die Verlinkung platziert.


Händler beschweren sich über das Vorgehen

Für Benoliel steht fest, dass Amazon die Suchergebnisse zugunsten der eigenen Produkte optimiert. Demnach vollzieht Amazon den nächsten Schritt, um beliebte Marken zu kapern. Die entsprechenden Verlinkungen zu den eigenen Privat-Label-Produkten sind fast immer auf der ersten Seite der Suchergebnisse integriert.

Bereits jetzt registrieren die Verkäufer das Vorgehen von Amazon und veröffentlichen entsprechenden Screenshots im Amazon Seller-Forum. Diese belegen, dass die Listings der eigenen Produkte teilweise mit einem entsprechenden Zusatz versehen werden. Für die Anbieter birgt dies die Gefahr, dass die Kunden stattdessen auf das Produkt von Amazon zurückgreifen. Wer Interesse an einer Rekonstruktion eines entsprechenden Beispiels hat, der kann mit der Google-Suche „Amazon.com similar item from our brands“ entsprechende Verweise finden. Wer einen genaueren Blick darauf wirft, dem wird auffallen, dass Amazon die Verlinkung nicht nur bei Produkten, sondern auch bei ganzen Kategorieseiten verwendet.


Brand-Keywords auch im Fokus von Amazon?

Es lässt sich jedoch nicht reproduzieren, ob Amazon auch auf die Eigenmarken verweist, wenn ein Kunde explizit nach dem Markenprodukt sucht. Sollte ein Kunde nach Pampers suchen und gleich neben dem Markenprodukt eine Verlinkung auf das entsprechende Amazon-Produkt erscheinen, so wäre dies ein harsches Vorgehen gegen den anderen Anbieter.

Ein Abruf des Amazon.com Marktplatzes über eine deutsche IP-Adresse lässt vorerst jedoch keinen Rückschluss auf dieses Verhalten von Amazon zu. Allerdings könnte dies auch an der IP-Adresse oder einem zeitlich begrenzten Testzeitraum liegen. Die Seiten aus dem Google-Cache lassen jedoch auf entsprechendes Vorgehen seitens Amazon erahnen. Mittlerweile sind diese jedoch nicht mehr auffindbar und somit auch nicht reproduzierbar. Ein offizielles Statement seitens Amazon gibt es bisher jedoch nicht. Allerdings zeigt sich, dass Amazon nicht davor zurückschreckt die eigene Marktmacht gegenüber den anderen Marken auszuspielen und den Profit durch die Eigenprodukte zu erhöhen.


Wird Amazon das Feature auch auf dem deutschen Markt ausrollen?

Die große Frage lautet nun, ob Amazon dieses Feature auch für den deutschen Markt vorsieht. Da es bisher keine Meldung seitens Amazon gibt, ist eine mögliche Implementierung reine Spekulation. Allerdings deutet eine Google-Suche mit den Stichworten „ähnliche Artikel unserer Marken“ eine Veröffentlichung des Features an. Die Google-Ergebnisse umfassen mehrere Links zu Amazon, die einen entsprechenden Link aufweisen. Doch neben der reinen Verlinkung gibt es auch Suchergebnisse im Google-Cache, welche einen Kasten mit den beliebtesten Amazon-Produkten zeigen und somit zusätzlich das gesamte Eigenmarkenportfolio des Unternehmens bewerben sollen. In den USA ist ein solches Feature bereits live, allerdings noch nicht bei jeder Suchanfrage auffindbar. Prominent ist das Beispiel „teeth whitening“, denn hier platziert Amazon sämtliche Produkte aus dem eigenen Portfolio, welche zur Mundpflege dienen.

Insgesamt ist das Vorgehen Amazons keine Überraschung, denn der Konzern beginnt mit der Forcierung des eigenen Produktportfolios. Die Anzahl der Amazon Privat-Label-Brands beläuft sich auf mehr als 70 Stück. Davon werden bereits 15 in Deutschland beworben. Der Marketingprofessor Scott Galloway belegte schon im vergangenen Jahr, dass das Unternehmen ein skrupelloses Vorgehen beim Wachstum verfolgt. Demnach schreckt der Online-Riese nicht davor zurück andere Marken von der eigenen Plattform zu vertreiben. Deutlich wurde dies beim Test der Sprachassistentin Alexa in Verbindung mit der US-Plattform von Amazon. Der Sprachbefehl „Alexa, buy batteries“ führte dazu, dass die Sprachassistentin den Kauf von Batterien initiierte. Dabei wurden jedoch nicht die günstigsten Batterien gekauft, sondern die Batterien von Amazon Basics. Eine Suche von Batterien bei der Amazon-Plattform führt allerdings zu mehreren Anbietern, sodass dem Konzern ein skrupelloses Verhalten unterstellt werden kann.