Anlagestrategie: Private Equity auch in defensiver Struktur sinnvoll

Family Offices, Pensionskassen, Stiftungen und Versicherungen setzen sich als traditionell defensive Anleger seit vielen Jahren verstärkt mit Private Equity auseinander. Wichtig ist der Grundsatz der Diversifikation.

Das Schweizer Wirtschaftsmagazin „Bilanz“ hat sich im vergangenen Sommer in einer großen Geschichte mit der wachsenden Bedeutung von illiquiden Investments wie Private Equity für professionelle Investoren auseinandergesetzt. Wie groß die Rolle ist, zeigt beispielsweise eine Umfrage des weltgrößten Vermögensverwalters BlackRock unter 224 institutionellen Anlegern wie Pensionskassen mit einem Vermögen von 7,4 Billionen US-Dollar, die „Bilanz“ zitiert. Es heißt: „Bei den Profis auf den Finanzmärkten sind illiquide Anlagen besonders gefragt. So wollen 58 Prozent der Befragten ihr Engagement in Private Credits ausbauen. 60 Prozent planen, verstärkt in Infrastruktur und erneuerbare Energien zu investieren. Mehr als zwei Fünftel wollen sich stärker in Private Equity und Immobilien engagieren. Selbst Hedge Funds dürften wieder Zuflüsse verbuchen. Im Gegenzug wollen die Profis Aktien und Obligationen reduzieren.“

Warum das so ist? Weil es mit einer reinen Aktien- und Anleihenstrategie für professionelle Investoren kaum möglich erscheint, stabile Ausschüttungen zu erreichen. Damit kann möglicherweise die Erfüllung des jeweiligen Zwecks der Organisation gefährdet sein. Daher berichtet das Magazin, dass beispielsweise Pensionskassen ihre Engagements in illiquiden Anlagen von vier Prozent vor 20 Jahren auf zuletzt 25 Prozent erhöht hätten. Eine Zahl dazu: 2016 seien die 100 größten Vehikel für alternative Anlagen wie Immobilien- oder Private-Equity-Fonds erstmals mit über vier Billionen US-Dollar gefüllt gewesen.

Das mag verwundern, gelten doch Pensionskassen, Verbände, Stiftungen und Co. als ausgemacht defensive Anleger, denen der Kapitalerhalt bei einem Anlagerisiko nahe null über alles geht. Und auf den ersten Blick gehört Private Equity aufgrund der langen Kapitalbindung und der immer vorhandenen Insolvenzrisiken des Zielunternehmens bzw. der Zielunternehmen gerade nicht zu den risikoreduzierten Anlagenklassen.

 

Passt "Vermögenserhaltung" zu Private Equity?

Um das am Beispiel von gemeinnützigen Stiftungen zu verdeutlichen: Laut den Vorgaben des Gesetzgebers ist es zentrale Aufgabe der Stiftung selbst, eine Anlagestrategie zu entwickeln, die den Anlagezielen „Vermögenserhaltung“ und „Zweckverwirklichung“ ausreichend Rechnung trägt. Der genaue Wortlaut ist den jeweiligen Landesstiftungsgesetzen zu entnehmen. So heißt es beispielsweise in Art. 6 Abs. 1 S. 1 BayStG: „Das Vermögen der Stiftung ist sicher und wirtschaftlich zu verwalten“ und in Art. 6 Abs. 2 BayStG: „Das Vermögen ... (Grundstockvermögen), ist ungeschmälert zu erhalten.“ Das bedeutet: Dem Risikomanagement in der Stiftungs-Vermögensverwaltung kommt eine außerordentlich hohe Bedeutung zu.

Aber laut Naveed Arshad, Head of Private Banking Frankfurt bei der Privatbank Hauck & Aufhäuser, spielen Alternative Assetklassen in der Asset Allocation institutioneller Investoren eine wesentliche Rolle. „Family Offices, Pensionskassen, Stiftungen und Versicherungen setzen sich seit vielen Jahren verstärkt damit auseinander. Vor allem hat Private Equity in der letzten Dekade massiv an Bedeutung gewonnen. Eine defensive Grundausrichtung und Private Equity-Investments schließen sich also nicht aus. Selbst Stiftungsvorstände sollten sich damit auseinandersetzen und tun dies auch schon mehr und mehr, um Ausschüttungen für die Stiftungszwecke zu generieren.“

 

Über den Tellerrand schauen

Für ein krisenfestes Portfolio gelte aber auch hier der Grundsatz der Diversifikation, betont Naveed Arshad. Für den Privatbanker kommt es deshalb gerade für defensive Investoren darauf an, die richtigen Manager und Produkte zu finden, um ihr Kapital so breit wie möglich in Private Equity anlegen zu können. „Auch mit kleineren Tranchen sollte in mehrere Fonds investiert werden, die in unterschiedlichen Branchen und Regionen engagiert sind. Zwar gelten Nordamerika und Europa weiterhin als die Kernmärkte für Private Equity-Investments. Aber in anderen Regionen sind Unternehmen mit attraktiveren Bewertungen erhältlich, was im Sinne von Rendite und Risiko wiederum interessant sein kann.“

Das bestätigt auch Frank Dornseifer, Geschäftsführer des Bundesverbands Alternative Investments e.V. (BAI): „Die Private-Equity-Branche ist dabei, neue Geographien und Technologien zu erschließen. Die Nachfrage durch institutionelle Investoren ist ungebrochen. Jetzt heißt es, neue Werttreiber und Wachstumsstrategien zu erschließen. Asien, insbesondere China, ist bereits jetzt eine bedeutende Wachstumsregion für PE-Aktivitäten, und auch Afrika kommt langsam auf den Radar. Private Equity wird also auch in Zukunft eine interessante und attraktive Anlageklasse bleiben.“ Gleichzeitig sei die Branche aber auch gefordert, die Transparenz gegenüber Investoren zu erhöhen und mehr Daten zur Verfügung zu stellen, die bei der Fonds- beziehungsweise Manager-Selektion Benchmarking betreiben wollten.