Apple Keynote: Dieses Jahr kein „one more thing“

Mit dem iPhone X durchbrach Apple die Schallmauer von 1.000 Euro für ein Smartphone. Noch im Frühjahr gingen deshalb viele Analysten davon aus, das Jubiläums-Handy sei ein Ladenhüter. Bloß: Die Verkaufszahlen belehrten sie eines Besseren. Laut Tim Cook war das iPhone X in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres stets das meistverkaufte Smartphone mit Apfellogo. Das Marktforschungsunternehmen Strategy Analytics schätzt, dass weltweit im ersten Quartal rund 16 Millionen Stück von Apples Spitzenmodell über den Ladentisch gingen. Das meistverkaufte Android-Smartphone – das Redmi 5A des aufstrebenden chinesischen Herstellers Xiaomi – brachte es nur auf 5,4 Millionen Stück.

 

Keine Überraschung beim iPhone   

Unter diesen Vorzeichen erstaunt es nicht, dass Apple für das kommende Jahr keine großen Experimente wagt. Das zeigt sich schon daran, dass der Nachfolger des iPhone X, das iPhones Xs, ebenfalls die römische Zehn im Namen trägt. Auch optisch unterscheidet sich das Gerät kaum von seinem Vorgänger. Abmessungen und Gewicht bleiben unverändert. Das rahmenlose 5,8-Zoll-Display wird an seinem oberen Rand weiterhin durch eine "Notch" unterbrochen, die Lautsprecher, Selfie-Kamera und Sensoren enthält.

Lange hat sich Apple dem Trend zu immer größeren Displays verweigert. Doch nun scheint sich in Cupertino die Erkenntnis durchgesetzt zu haben, dass auch bei Apple-Kunden ein Bedürfnis nach sogenannten "Phablets" besteht. Das iPhone Xs erhielt daher einen großen Bruder. Das iPhone Xs Max zeichnet sich durch ein 6,5-Zoll-Display und einen größeren Akku aus.

Mit dem iPhone Xr will Apple erstmals seit dem Flop mit dem iPhone 5c wieder eine preisbewusstere Kundschaft ansprechen. Statt eines OLED-Displays verfügt das Einsteigergerät über einen niedriger aufgelösten LCD-Bildschirm. Zudem müssen die Nutzer bei der Hauptkamera auf das Teleobjektiv mit optischem Zweifach-Zoom verzichten. Dafür ist das Handy in verschiedenen bunten Farbvarianten erhältlich.

Alle neuen iPhones enthalten Apples neu entwickelte A12-Bionic-CPU. Marketing-Chef Phil Schiller erklärte an der Keynote, es handle sich um den ersten Prozessor, der in einem Sieben-Nanometer-Prozess gefertigt werde. Allerdings erhob Konkurrent Huawei vor zwei Wochen bei der Vorstellung seines Kirin-980-Prozessors dieselbe Behauptung. Viel Energie haben Apples Ingenieure in die Weiterentwicklung des AI-Chips gesteckt, der unter anderem bei der Nutzeridentifizierung über FaceID oder bei Augmented-Reality-Anwendungen zum Einsatz kommt. Der "Next-Generation Neural Engine" genannte Chip kann pro Sekunde fünf Billionen Rechenoperationen ausführen, achtmal so viele wie sein Vorgänger.

Als einer der ersten Hersteller verbaut Apple neben einem Nano-SIM-Einschub einen embeddedSIM-Chip. Dieser macht – sofern die Telekom-Anbieter die Technologie unterstützen – die SIM-Karte überflüssig. Power-User dürfen sich bei der neuen iPhone-Generation außerdem über eine längere Akkulaufzeit freuen. So sollen das iPhone Xs eine halbe Stunde und das Xs Max gar eineinhalb Stunden länger durchhalten als die Vorgängerversion.

 

Apple Watch mit EKG

Über eine Steigerung der Ausdauer wären auch die Nutzer der Apple Watch froh. Deren Akkulaufzeit beträgt nämlich bei durchschnittlicher Nutzung weniger als einen Tag. Leider konnten die Verantwortlichen bei der Vorstellung der vierten Generation der Apfel-Uhr in dieser Hinsicht nichts Neues vermelden. Immerhin wächst die Bildschirmfläche sowohl beim größeren als auch beim kleineren Modell um über 30 Prozent. Die Series 4 wird von einem 64-Bit-Prozessor angetrieben, der angeblich doppelt so rasch ist wie sein Vorläufer.

Besonders stolz ist der Hersteller mit dem Apfellogo auf die EKG-Funktion. Mit einem elektronischen Sensor misst die Apple Watch die Herzfrequenz des Trägers und warnt ihn bei einer Herzrhythmusstörung. Hierzulande steht das Feature beim Verkaufsstart indes nicht zur Verfügung. Die EKG-Funktion hat zwar die Zulassung der US-Gesundheitsbehörde FDA. Ob das Bundesgesundheitsministerium diese Funktion ebenfalls genehmigen wird, steht derzeit allerdings in den Sternen.

 

iPhone Xs: Preis unverändert

Gleichwohl wird die Apple Watch teurer. War die Series 3 im letzten Herbst noch ab 369 Euro erhältlich, schlägt die vierte Generation mit mindestens 429 Euro zu Buche. Bei der aktuellen iPhone-Serie bleiben die Preise hingegen auf Vorjahresniveau. Das iPhone Xs geht in der günstigsten Version für 1.149 Euro über die Ladentheke, das Xs Max für 1.249 Euro. Für die teuerste Variante, das Xs Max mit 512 Gigabyte Speicher, werden stattliche 1.649 Euro fällig. Auch das iPhone Xr, das in der 64-Gigabyte-Variante 849 Euro kostet, ist wahrlich kein Budget-Handy.

Bleibt noch etwas: das "one more thing" nämlich, die Überraschung, mit der Steve Jobs seine Anhänger zu elektrisieren pflegte. Doch darauf mussten Apfelfreunde und Marktbeobachter an der Keynote 2018 verzichten.