Arbeitsplätze aus London werden von Fondsbranche abgezogen

Für Arbeiter im Bereich des Fondsmanagements wird es eng in London. Asset Manager ziehen vermehrt aus der Stadt an der Themse. Grund dafür ist der Brexit.

Vermögensverwalter ziehen ab

Wie Zahlen aus dem Karrierenetzwerk LinkedIn belegen, finden sich als Fondsmanager immer weniger Stellen in London. Mittlerweile ist die Zahl der Jobangebote für die Vermögensverwaltung auf die Hälfte geschrumpft im Vergleich zur Zeit vor dem Brexit. Bislang wurde oft über die Banken gesprochen, wenn es darum geht, welche Folgen der Brexit für die britische Finanzwelt haben wird. Gerne verwies man dabei auf die Schweiz, welche nicht der EU angehört und trotzdem wirtschaftlich erfolgreich ist. Allerdings fällt dabei selten ein Wort über die Schweizer Fondsgesellschaften. Diese arrangierten sich mehr schlecht als recht mit der Situation, was ihnen teuer zu stehen kommt. Sie müssen zusätzliche EU-Standorte eröffnen und manche Märkte bleiben ihnen gänzlich verschlossen.

Ähnliche Probleme werden wohl auch auf London zukommen. Vom Brexit profitieren mitunter Paris und Luxemburg. Hier sucht man nach zweimal so vielen Fondsmanagern, wie noch vor dem Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union. In der Londoner City stehen damit rund 8.100 Milliarden Pfund auf dem Spiel. Das sind Investmentfonds im Wert von etwa 9.226 Milliarden Euro, die in der Londoner City verwaltet werden. 20 Prozent davon stammen von Kunden aus Europa.


Fondsgesellschaften verlagern sich immer mehr auf das Festland

Zwar liegt London noch immer vorne, wenn es um Investitionsfonds geht. Trotzdem überlegen sich diverse Fondsgesellschaften bereits, ihre Geschäfte auf andere EU-Staaten zu verlegen. Eine Untersuchung der Beratung EY hat ergeben, dass derzeit 51 Prozent der großen Fondsgesellschaften planen, sich stärker auf andere Länder innerhalb der EU zu konzentrieren. Nach dem Referendum waren es gerade mal 35 Prozent.


Großbritannien als Drittstaat

Die Verhandlungen um den Brexit sind noch lange nicht abgeschlossen. Nach jetzigem Stand wird aus dem Vereinigten Königreich wahrscheinlich ein Drittstaat. Das bedeutet, dass für ihn andere Regeln gelten als für Mitgliedsstaaten der Europäischen Union. Mittlerweile hat der Internationale Verband für alternatives Asset-Management, kurz Aima, ein Positionspapier veröffentlicht, in dem Probleme, welche auf die Asset-Manager, die EU und Großbritannien zukommen, genannt werden. Bislang konnten die Fondsmanager mit den EU-Regelwerken AIFMD, Mifid II, Mifir, UCITS und Emir auf dem EU-Markt ihre Fondsprodukte verkaufen. 

Aima verlangt, dass in der Übergangsfrist schon Lösungen gefunden werden und die britische Regierung die Weichen dafür stellt, dass die britische Regulierung von der EU als äquivalent angesehen wird. Kooperationsabkommen für die britischen Regulatoren mit den europäischen Gegenparts müssen her. Nach Aima soll ein „Grandfathering-Agreement“ dazu führen, dass bestehende Geschäftsbedingungen vorläufig weiterbestehen können. Auch gilt es sich darüber Gedanken zu machen, ob nicht nach Schweizer Vorbild der britische Markt für die EU-Konkurrenz offen gehalten werden sollte.