Argumente für Investments in das Thema Mobilität

Von vernetzten Autos über Elektrofahrzeuge, Fahrgemeinschaften bis hin zu autonomen Fahrsystemen – die Innovationen im Bereich Mobilität haben nach wie vor grundlegende Veränderungen zur Folge. Für George Saffaye, Stratege der jüngst von The Boston Company aufgelegten Mobility Innovation Strategy, ist der Hype gerechtfertigt. Die heute stattfindenden Entwicklungen verfügen über das Potenzial, die Anlagelandschaft für Jahrzehnte zu verändern. Nachfolgend legt er fünf Gründe dar, warum jetzt der richtige Zeitpunkt für ein Engagement in diesem äußerst wichtigen Segment gekommen ist.

Was ist Mobilität? Das Mobilitätsthema der The Boston Company umfasst den disruptiven, umwälzenden Wandel in der Art und Weise, wie Fortbewegungsmittel genutzt, angetrieben und gesteuert werden, der sich wesentlich auf Unternehmen, Staaten und Verbraucher auswirkt

 
BNY Mellon Mobility Innovation Strategy, The Boston Company1,2 


Punkt 1: Erstausrüster schalten einen Gang hoch

Die traditionellen Automobilhersteller haben mittlerweile beinahe alle erkannt, dass elektrische Antriebsformen die Zukunft darstellen. Volkswagen, der nach Umsatz weltweit größte Automobilbauer3,  hat beispielsweise nach den Folgen des Skandals um manipulierte Emissionswerte bei Dieselfahrzeugen rund 10 Mrd. EUR für die Entwicklung von Elektrofahrzeugen (Electric Vehicles, EV) bereitgestellt. Das Unternehmen strebt nun 30 reine Elektromodelle bis 2025 an, die rund 20-25% des Umsatzes ausmachen sollen. Dies entspricht zwei bis drei Millionen Fahrzeugen pro Jahr.
Auch andere Hersteller folgen diesem Beispiel. Im Dezember kündigte Toyota, der nach Volkswagen nach Umsatz zweitgrößte Automobilhersteller weltweit, an, bis 2025 elektrische Versionen aller seiner Fahrzeugmodelle anbieten und bis 2030 ein Verkaufsziel von 5,5 Millionen Elektrofahrzeugen erreichen zu wollen.

Selbst Ferrari, das einst als letzte Zuflucht für Liebhaber benzinbetriebener Automobile galt, sieht nun in Elektrofahrzeugen die Zukunft. Im Januar gab das Unternehmen bekannt, einen batteriebetriebenen Supersportwagen bauen zu wollen, um mit Tesla im Luxussegment des Marktes für Elektrofahrzeuge zu konkurrieren. Bei Ankündigung des Vorhabens gab CEO Sergio Marchionne zu verstehen: „Sollte ein elektrischer Supersportwagen gebaut werden, dann wird Ferrari das erste Unternehmen sein, dies zu erreichen.“

Für Saffaye deutet dies alles auf eine wachsende Einsicht seitens der Automobilhersteller hin, dass sie einen Weg zum Übergang in diesen neuen Bereich finden müssen, falls sie nicht auf der Strecke bleiben wollen. Ebenso wichtig ist seiner Meinung nach aber auch die Entstehung völlig neuer Unternehmen, die zuvor keinen Bezug zum Automobilsektor hatten. Dies könnte nach Ansicht von Saffaye ein ganz neues Ökosystem aus wachstumsstarken Lieferanten und Erstausrüstern zur Folge haben, welches sich für Investments eignet.


Liste an Ankündigungen von Seiten der Automobilherstellern zu Bestrebungen in Verbindung mit Elektroautos


Quelle: Internationale Energieagentur, Global EV Outlook 2017, April 2017. Hinweis: Zu den chinesischen Erstausrüstern zählen BYD, die Werke von BJEV-BAIC in Changzhou und Qingdao, JAC Motors, SAIC Motor, Great Wall Motor, die Werke von GEELY Auto in Yiwu, Hangzhou und Nanchong, Chery New Energy, Changan Automobile, GAC Group, Jiangling Motors, Lifan Auto, MIN AN Auto, Wanxiang Group, YUDO Auto, Chongqing Sokon Industrial Group, ZTE, National Electric Vehicle, LeSEE, NextEV, Chehejia, SINGULATO Motors, Ai Chi Yi Wei und WM Motor.

 

Punkt 2: Ein Angebots/Nachfrage-Ungleichgewicht

Ein wichtiger Aspekt des Themas Mobilität betrifft dessen Tendenz, eine neuerliche Nachfrage nach ausgewählten Rohstoffen zu generieren. Lithium, ein wesentlicher Bestandteil jener Batterien, welche die Elektrofahrzeug-Revolution antreiben werden, ist dafür ein Paradebeispiel. Die aktuelle globale Lithium-Produktion ist stark konzentriert, sowohl aus geografischer als auch aus Sicht der produzierenden Unternehmen. Auf lediglich fünf Unternehmen – drei in Chile und jeweils eins in Argentinien und Australien – entfallen 85% des weltweiten Lithium-Angebots4.  Angesichts des erwarteten Nachfrageanstiegs nach Batterien – nicht nur für den Einsatz in Fahrzeugen, sondern auch in Smartphones und anderen elektronischen Geräten – könnte sich dieser Angebotsengpass auf den Preis, den Vertrieb und die Verfügbarkeit dieses bedeutenden Rohstoffs auswirken.

Strom ist ein weiterer wichtiger Rohstoff, der betroffen sein könnte. Die zunehmende Verbreitung von Elektrofahrzeugen könnte sich umfassend auf die Art und Weise auswirken, wie Elektrizität erzeugt und gespeichert wird. Dazu Saffaye: „Dies ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Themas ‚Elektrifizierung‘. Mit steigenden Absatzzahlen bei Elektrofahrzeugen kommt dem Energie-Management eine immer entscheidendere Rolle zu. Die Batterien eines einzigen Autos aufzuladen, ist machbar – bei 50-60 Fahrzeugen gleichzeitig sieht die Sache aber schon ganz anders aus. Dies stellt das Stromnetz vor eine Herausforderung, wodurch sich unserer Meinung nach künftig Chancen für Investoren im Bereich Batteriespeicher zur Deckung des Spitzenstrombedarfs, bei intelligenten Zählern zur Regulierung des Energieverbrauchs und bei erneuerbaren Energien ergeben.“

Prognostizierte Zahl der in Betrieb befindlichen autonomen Fahrzeuge (in Millionen)


 

Hinweis: USA. Quelle: Statista. Bestimmte hierin erhaltene Informationen stammen von Drittanbietern, die für zuverlässig erachtet werden. Trotzdem wurden die Informationen von BNY Mellon nicht in unabhängiger Weise verifiziert. BNY Mellon leistet keine Zusicherung hinsichtlich der Genauigkeit oder Vollständigkeit solcher Informationen.

 

Punkt 3: Es dreht sich alles um Daten

In der Zwischenzeit könnte die starke Verbreitung von Sensoren und Fahrzeugkonnektivität die Dateninfrastruktur in den nächsten Jahren umfassend wachsen lassen. Laut einer Schätzung generieren vernetzte Kraftfahrzeuge pro Stunde rund 25 GB an Daten. Zum Vergleich: Um einen hochauflösenden Spielfilm zu streamen, sind lediglich 869 MB/Stunde erforderlich.

Und Saffaye legt nach: „Bedenkt man, in welchem Ausmaß Infrastrukturen aufzurüsten sind, um autonomes Fahren zu unterstützen, bieten sich in Bereichen wie Datenmanagement, Halbleiter, Cloud-Computing sowie der künftigen 5G-Datenübertragung mit niedriger Latenz bzw. hoher Bandbreite beträchtliche Anlagechancen.“
Weiter führt er aus: „Selbst unter Berücksichtigung der aktuellen Fortschritte haben wir im Hinblick auf Datengenerierung und -management nur einen Bruchteil dessen erreicht, was uns in Zukunft erwartet.“


Zukunft der Mobilität durch Datengenerierung-, -übertragung und -nutzung bestimmt
 

1: Megabit pro Sekunde und Gigabit pro Sekunde.
2: Teraflops (TFLOPS) – Eine Trillion Floating Point Operations per Second (Eine Trillion Gleitkomma-Operationen pro Sekunde)
Quelle: Delphi Automotive PLC. Bestimmte hierin erhaltene Informationen stammen von Drittanbietern, die für zuverlässig erachtet werden. Trotzdem wurden die Informationen von BNY Mellon nicht in unabhängiger Weise verifiziert. BNY Mellon leistet keine Zusicherung hinsichtlich der Genauigkeit oder Vollständigkeit solcher Informationen.


Punkt 4: Heutige Investitionen sind Investitionen in die Zukunft

Nicht nur die Automobilhersteller haben das Potenzial intelligenter Mobilität erkannt, auch Regierungen und Aufsichtsbehörden sind sich dessen zunehmend bewusst. Im September 2017 kündigte die chinesische Regierung an, dem Beispiel Großbritanniens und Frankreichs folgen und nach Möglichkeiten suchen zu wollen, die Herstellung von Verbrennungsmotoren bis 2040 gänzlich einzustellen5.  Da das Land den weltweit größten Produktionsstandort für Automobile darstellt (2016 wurden dort rund 28 Millionen Fahrzeuge hergestellt), wäre dies ein bedeutender Meilenstein. Auch Indien verfolgt dieses Ziel, obwohl mit ambitionierteren Vorgaben: Das Land strebt eine schrittweise Einstellung der Produktion von Verbrennungsmotoren bis 2030 an.

In der Praxis hingegen werden die konzeptionellen Vorteile der Mobilität dank Pilotprojekten immer mehr zu Realität. Singapur erprobt beispielsweise einen autonomen Shuttlebus für Pendler, von dem man hofft, dass er sich vor allem für ältere Menschen, Familien mit Kleinkindern und mobilitätseingeschränkte Menschen, die den Bus per Mobiltelefon rufen können, als nützlich erweisen wird6.  In Frankreich werden sowohl in Paris als auch in Rouen die europaweit ersten Mobility-on-Demand-Systeme (AMoD) auf offener Straße getestet7.

Das Konzept der Lkw-Züge(„Platooning“) – d. h. autonome Lkws, die zusammen mit einem Leitfahrzeug als schlangenförmiger Zug aus „Drohnenfahrzeugen“ unterwegs sind – ist ebenfalls auf dem Vormarsch und wird seit 2011 erfolgreich in Deutschland, den USA, Schweden und Japan erprobt. Weitere Tests dürften 2019 in Großbritannien im Rahmen des von der Europäischen Kommission finanzierten Projekts „Safe Road Trains for the Environment“ (SARTRE) erfolgen.

All dies bedeutet, dass das Thema Mobilität, das bereits für zahlreiche Schlagzeilen gesorgt hat, eindeutig kein kurzfristiges Phänomen mehr ist. Die heute getätigten Zusagen und erreichten Innovationen werden die weitere Entwicklung noch jahrzehntelang beeinflussen.
Für Anleger ist dies eine entscheidende Erkenntnis und bietet potenziell die Möglichkeit, in Branchen zu investieren, die noch in den Kinderschuhen stecken. Dazu Saffaye: „Angesichts der Tatsache, wie jung einige der Unternehmen in diesem Segment sind und wie schnell sie wachsen, besteht eindeutig Potenzial, künftige Gewinner auszuwählen. Wer jetzt nicht aufspringt, hat unserer Ansicht nach später das Nachsehen.“


Mobilität: eine Welle an Innovationen
  
Quelle: The Boston Company


Punkt 5: Eine sicherere Welt

Mit zunehmender Vernetzung von Fahrzeugen und der steigenden Zahl der Sensoren in einzelnen Fahrzeugen dürften die Straßen auch sicherer werden.
Natürlich bedeutet dies nicht, dass der Bereich der selbstfahrenden Fahrzeuge frei von Rückschlägen ist - wie sich in den letzten Monaten gezeigt hat. So gerieten die selbstfahrenden Systeme von Tesla und Uber nach tödlichen Unfällen in diesem Jahr heftig in die Kritik. Dennoch ist Saffaye davon überzeugt, dass immer stärker vernetzte und die Straße selbstständig erkennende Fahrzeuge, die die Sicherheit im Straßenverkehr langfristig revolutionieren dürften, künftig der Normalfall sein werden. In diesem Zusammenhang verweist er darauf, dass von den 35.000 Verkehrstoten im Jahr 2015 in den USA über 90% auf menschliches Versagen zurückzuführen waren. Und er ergänzt: „Fahrerunterstützungssysteme (ADAS), Sicherheitsausstattungen und die Intelligenz selbstlernender Autopilot-Systeme könnten viele solcher Unfälle künftig zweifellos vermeiden. In Fahrzeugen, die den höchsten Grad an Autonomie aufweisen, sind über 28 separate Sensoren verbaut, darunter Lidar (Detektion mittels Licht- und Abstandsmessung), äußere und innere Kamerasensoren, Sensoren geringer und hoher Reichweite sowie Domänencontroller für autonomes Fahren. Dies ist eine wichtige Kategorie, die meiner Meinung nach die größte Rolle innerhalb des gesamten Themas spielen wird. Sie dürfte sich auf zahlreiche Industriesektoren auswirken und unser Alltagsleben grundlegend beeinflussen.“


Zahl der ADAS-Sensoren steigt mit zunehmendem Grad an Autonomie 
 

Quelle: Maxim Integrated. Bestimmte hierin erhaltene Informationen stammen von Drittanbietern, die für zuverlässig erachtet werden. Trotzdem wurden die Informationen vom Unternehmen nicht in unabhängiger Weise verifiziert. Das Unternehmen leistet keine Zusicherung hinsichtlich der Genauigkeit oder Vollständigkeit solcher Informationen.

Wichtige Information
Der Wert von Investments kann sinken. Das bedeutet, dass ein Anleger unter Umständen den ursprünglich angelegten Betrag nicht zurückerhält.
Nur für professionelle Kunden und in der Schweiz nur für qualifizierte Investoren. Hierbei handelt es sich um eine Produktinformation und nicht um Investmentberatung.
Sämtliche Ansichten und Meinungen sind diejenigen des Investment-Managers, sofern nicht anderweitig angegeben. Es handelt sich nicht um Finanzanalysen oder Analyseempfehlungen für regulatorische Zwecke.
 
1The Boston Company ist eine Marke der BNY Mellon Asset Management North America Corporation. Am 31. Januar 2018 fusionierten The Boston Company und Standish zu Mellon Capital und die durch den Zusammenschluss gebildete Geschäftseinheit benannte sich in BNY Mellon Asset Management North America um.
2Die Investmentmanager werden von BNY Mellon Investment Management EMEA Limited (BNYMIM EMEA) oder daran angeschlossenen Fondsanbietern mit dem Portfoliomanagement für Produkte und Dienstleistungen für Kunden von BNYMIM EMEA oder der BNY Mellon-Fonds beauftragt.
3FT: „Volkswagen sees 4% sales increase in 2017“, 17. Januar 2018.
4Orocobre, Lithium-Angebot, Zugriff am 30. Mai 2018.
5Financial Times: „China eyes eventual ban of petrol and diesel cars“, 10. September 2017.
6OpenGovAsia: „Singapore moves ahead on smart mobility – Autonomous scheduled and on demand public transport by 2022“, 22. Dezember 2017.
7Transdev: Pressemitteilung, 7. Juni 2017.


Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite von BNY Mellon Investment Management.