Dr. Guido Krüger
Fachanwalt für SteuerrechtNachricht senden

Asset Protection: Vermögen hinter die Brandmauer bringen

Unternehmen und Person des Inhabers sind ein und dasselbe, selbst wenn das Unternehmen als Kapital- oder Personengesellschaft organisiert ist. Für den Schutz der privaten Vermögenssphäre ist es aber wichtig, feste Trennlinien zu vereinbaren.

„L'État c'est moi“, „Der Staat bin ich“: Dieser Leitsatz des Absolutismus wird dem französischen „Sonnenkönig“ Ludwig XIV. zugeschrieben und verkörpert die wesentlichen Merkmale der politischen Ausrichtung des Absolutismus. Dieser fußt darauf, alle Angelegenheiten des Staates auf eine (adlige) Person zu konzentrieren.

Das Prinzip kennen auch viele Unternehmer. Unternehmen und Person des Inhabers sind ein und dasselbe, selbst wenn das Unternehmen als Kapital- oder Personengesellschaft organisiert ist. Eine Trennung ist zwar rechtlich gegeben, aber letztlich fallen die Rollen aus Privatmann, Gesellschafter und Geschäftsführer so gut wie immer an einer Stelle zusammen. Gewiss, dies erleichtert die Entscheidungsfindung und Ausrichtung, weil die private und unternehmerische Sphäre immer parallel bedacht werden. Aber genauso groß wie die Vorteile sind auch die Risiken, wenn nicht bei bestimmten Themen feste Grenzen gezogen werden.

 

Absicherung des aufgebauten Vermögens

Kurz gesagt ist der ungetrennte Zusammenfall von privater und unternehmerischer Sphäre auf der einen Seite mit dem Wunsch nach einer Absicherung des aufgebauten Vermögens auf der anderen Seite nur sehr schwer miteinander in Einklang zu bringen. Das bedeutet: Der im Rahmen der sogenannten Asset Protection gewünschte Schutz des Privatvermögens ist ohne eine echte Trennung nicht möglich.

Deshalb ist es für Unternehmer – also für Berater und Verwalter und deren Mandanten – wichtig, gerade bei größer werdenden privaten und betrieblichen Vermögenswerten, eine professionelle Strategie dafür zu finden, Risiken für die private Sphäre bestmöglich zu vermeiden. Schließlich soll das aufgebaute Vermögen nicht riskiert werden – das folgt dem Prinzip, Assets hinter der Brandmauer zu sichern.

 

Nutzung privater Vermögenswerte für das Unternehmen

In der Praxis zeigt sich aber immer wieder, dass dies bei vielen Unternehmern schon daran scheitert, dass ihnen der Überblick über ihr Vermögen im Allgemeinen und viele Details im Speziellen fehlen. Daher stehen vor der Gestaltung der Asset Protection Fragen wie: Über welche Vermögenswerte verfüge ich und welche will ich unbedingt schützen, sprich: hinter die Brandmauer bringen? Wie ist mein Vermögen strukturiert (Bargeld, Immobilien etc.), und nutze ich private Vermögenswerte für das Unternehmen oder umgekehrt? Wie sind meine Bankverbindlichkeiten organisiert – wurden die private Immobilie und/oder die Lebensversicherung als Absicherung für den Firmenkredit eingebracht? Und habe ich Gesellschafterdarlehen vergeben, vielleicht ohne diese mit konkreten Regelungen hinsichtlich der Rückzahlung abzusichern?

Das sind nur einige der Fragen, die ein Unternehmer im ersten Schritt beantworten sollte, um sich auf diese Weise einen echten Überblick über die Situation und die tatsächlichen Notwendigkeiten in der anschließenden Gestaltungsberatung zu verschaffen. Nur wer seine tatsächlichen Verhältnisse kennt, kann entscheiden, wie die zukunftsfähige Struktur aussehen soll und welche Fehler aus der Vergangenheit ausgemerzt werden müssen.

Entscheidend dabei ist, mit viel Weitsicht vorzugehen, um eine hohe Schutzfunktion für die privaten Vermögenswerte herzustellen. Es lohnt sich, schnellstmöglich bestimmte Werte wie die private Immobilie oder auch ein Wertpapierportfolio aus dem Risiko einer Haftungsforderung zu nehmen. Darin besteht eine große Gefahr für Unternehmer, die ihr privates Vermögen zu eng mit der Gesellschaft verknüpft haben. Ein Beispiel kann dies verdeutlichen: Da Gläubiger und Insolvenzverwalter Vermögensübertragungen an nahestehende Personen über einen mehrere Jahre umfassenden Zeitraum anfechten können, ist es essenziell, frühzeitig zu handeln. Das bedeutet, dass es beispielsweise mit Blick auf eine drohende Insolvenzsituation nicht funktionieren wird, eine Immobilie an ein Kind oder eine eigene Stiftung zu übertragen, um sie „aus dem Feuer“ zu nehmen. Das wird in der Regel zu einer Rückforderung durch den Insolvenzverwalter führen. 

Ein durchdachtes Konzept zum umfassenden Vermögensschutz bedarf einer gründlichen Vorbereitung. Wer frühzeitig die Sphären trennt, verhindert Probleme, bevor sie überhaupt auftauchen können.