Auch der zweite WhatsApp-Mitbegründer kehrt Facebook den Rücken

Facebook bleibt in den Schlagzeilen: Jan Koum, Mitbegründer des zu Facebook gehörenden Messaging-Dienstes WhatsApp, verlässt den Konzern und tritt aus dem Verwaltungsrat zurück. Das hat der 42-Jährige am Montag, 30. April, auf Facebook angekündigt. Es sei Zeit, weiterzugehen, erklärte er. Der Rücktritt kommt inmitten des Datenskandals um das Unternehmen Cambridge Analytica überraschend, hatte sich der enge Führungskreis um Facebook-Chef Mark Zuckerberg bisher doch loyal und geschlossen gezeigt. Die Erklärung erfolgte kurz vor Facebooks Entwicklerkonferenz F8.

Unstimmigkeit über die Zukunft von WhatsApp

Zuckerberg persönlich reagierte mit einer Antwort auf Koums Posting, in welcher er sich für die Zusammenarbeit bedankte. Doch so harmonisch, wie dieser Beitrag es erscheinen lässt, ging es laut Insidern nicht mehr zu: So soll Koum zuletzt immer seltener in der Zentrale des Messaging-Dienstes mit weltweit etwa 1,5 Milliarden monatlichen Benutzern gesehen worden sein. Uneinigkeit gab es insbesondere über die zukünftige Ausrichtung von WhatsApp: Während für die Gründer der Datenschutz im Vordergrund stand, macht man sich beim Mutterkonzern zunehmend Gedanken um die Monetarisierung des Dienstes. Die Schöpfer von WhatsApp hatten immer Wert darauf gelegt, dass die Anwendung werbefrei bleibt.

Auch dass Facebook Zugriff auf die Telefonnummern von WhatsApp hat (nach eigenen Angaben, um Spam vorzubeugen), war nicht in ihrem Sinne. Ein weiterer Streitpunkt sollen Pläne von Facebook gewesen sein, WhatsApp als Plattform zur Kommunikation zwischen Unternehmen und Kunden einzusetzen, wofür man die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung der App aufweichen müsste. Diese war 2016 eingeführt worden und ermöglicht den Benutzern Nachrichten auszutauschen, die nicht von Dritten eingesehen werden können — auch nicht von WhatsApp selbst.

Von Sozialhilfe zur Milliarde

Mit Koums Rücktritt ist nun keiner der beiden WhatsApp-Gründer mehr bei Facebook. Bereits im September 2017 hatte sich Brian Acton vom Mutterkonzern zurückgezogen. Anschließend hatte er Facebook wegen dessen Datenschutzpolitik heftig kritisiert und sogar dazu aufgerufen, sein Facebook-Profil zu löschen.

Der in Kiew geborene Jan Koum war als Einwanderer in die USA gekommen und hatte dort von Sozialhilfe gelebt. 2009 gründeten Acton und er WhatsApp, bevor sie es schließlich 2014 für rund 19 Milliarden US-Dollar an Facebook verkauften. Ein konkretes Datum für den Rücktritt hat Koum, der als öffentlichkeitsscheu gilt, nicht genannt. In seinem Posting verkündete er, er wolle sich in Zukunft seinem Privatleben widmen.