Auch Influencer müssen Steuern zahlen

Bei vielen ist es zunächst Interesse, bestenfalls ein Hobby, was sich da nach und nach zu einem echten Einkommen mausert. Gemeint sind zum Beispiel Werbebanner, gesponserte Beiträge oder Produktplatzierungen, die Blogger, YouTuber und Influencer wie selbstverständlich „mitnehmen“.

Doch das Bloggen ist längst zu einem lukrativen Geschäft avanciert, weiß auch der Staat, der sehr gern auch alle „Online-Sternchen“ zur Kasse bittet. Der YouTube-Star Julien Bam brachte es auf den Punkt, als er zugab, den Spitzensteuersatz in Höhe von 45 Prozent zahlen zu müssen. Nun verdient nicht jeder so gut im und mit dem Netz, aber ab welcher Größenordnung ist man eigentlich steuerpflichtig?

 

Wer Einkommensteuer zahlen muss


In diesem Jahr 2018 liegt der Grundfreibetrag für einen Alleinstehenden bei 9000 Euro. Wer dieses Jahr mehr verdient, muss eine Einkommensteuererklärung bei seinem Finanzamt abgeben. Dies gilt auch für Minderjährige. Dabei sind Fristen einzuhalten. Wer zu spät einreicht, zahlt einen Verspätungszuschlag, im schlimmsten Fall ergeben sich sogar strafrechtliche Konsequenzen.

In der Sache sind unsere Finanzverwaltungen knallhart, denn unter Einkünften verstehen sie so ziemlich alles: Bar-Einnahmen aus Werbeverträgen oder durch Abonnenten, Warenmuster wie Bücher, Lebensmittel, Kosmetik sowie Einladungskarten zu Events. Wer nun denkt, „aber das weiß doch niemand“, irrt gewaltig, da die zuwendenden Unternehmen ab und an eine Finanzprüfung erfahren und spätestens dann fliegt so ein Blogger auf. Dennoch gibt es bei solchen Zusendungen Ausnahmen von der Einkommensteuerpflicht:

  1. Sie verzichten darauf, das zugesandte Produkt zu konsumieren beziehungsweise zu nutzen und schicken es nach einer angemessenen Zeit zurück an den Absender. In diesem Fall kann Ihnen kein wirtschaftlicher Vorteil nachgewiesen werden. Dies gilt übrigens auch dann, wenn Sie dieses Produkt vor der Rücksendung sogar auf Ihrem Kanal präsentiert haben.
  2. Sogenannte „Werbe- und Streuartikel“, deren Wert zehn Euro nicht übersteigt, sind steuerfrei.
  3. Mit der Pauschalierung ist gemeint, dass das zusendende Unternehmen pauschal gemäß § 37b EStG 30 Prozent des Geschenkwerts plus Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer abführt. Voraussetzung ist hierbei, dass der Wert der einzelnen Zusendung unter 10.000 Euro liegt. Falls Sie von einem Unternehmen innerhalb eines Wirtschaftsjahres mehrere Sendungen erhalten, dürfen diese in Summe ebenfalls die 10.000 Euro Grenze nicht überschreiten.

Muss jeder Blogger Gewerbesteuer zahlen?

Hinsichtlich der Gewerbesteuer liegt der Freibetrag für eine natürliche Person bei 24.000 Euro pro Jahr. Noch wurde es nicht höchstrichterlich entschieden, ob auch Blogger darunter fallen. Mit Blick auf die Steuerpflicht ist grundsätzlich zu klären, ob ein Internet-Unternehmen Gewinneinkünfte aus einem Gewerbebetrieb gemäß § 15 EStG beziehungsweise aus selbstständiger Arbeit gemäß § 18 EStG erzielt. Damit ist klar, ob es sich formal um eine freiberufliche oder um eine gewerbliche Tätigkeit handelt. Das heißt: Nicht jeder Blogger braucht einen Gewerbeschein.

Der Journalist oder der Künstler ist nach deutschem Recht zum Beispiel ein Freiberufler und führt daher kein Gewerbe, es ist also kein Gewerbeschein erforderlich und es fällt keine Gewerbesteuer an. Erst wenn Geld, beispielsweise für den Verkauf von Anzeigeformaten, von einem Unternehmen eingenommen wird, deutet dies gemäß § 15 EStG auf eine gewerbliche Arbeit hin. Insofern wird die Tätigkeit als Influencer in manchen Fällen vom Finanzamt als gewerblich eingestuft.

Tatsächlich kann eine falsche Einstufung der Tätigkeit weitreichende Konsequenzen nach sich ziehen. Daher sollte man sich von einem Steuerberater aufklären lassen, falls die Situation nicht klar zu sein scheint. Fakt ist, dass Influencer, YouTuber und Blogger meistens als Gewerbetreibende eingestuft werden.

 

Wer muss Umsatzsteuer abführen?

Wenn mehr Umsätze als ein „Kleinunternehmer“ gemacht werden, unterliegen diese der Umsatzsteuer-Regelung. Die Grenzziehung liegt hier bei 17.500 Euro pro Jahr. Wenn die Blogger oder Influencer noch zu den Kleinunternehmern gehören möchten, was vieles sicherlich einfacher macht, können diese Umsatzsteuer, die diese an andere Unternehmen zahlen, nicht durch einen Vorsteuerabzug zurückfordern. In dem Moment, wenn größere Investitionen vorgenommen werden möchten, könnte sich daher die Kleinunternehmerregelung als großer Nachteil erweisen.

 

Sozialleistungen nicht zu vergessen

Es gibt viele Menschen, die in einer gesetzlichen Krankenversicherung bei ihrem Partner kostenlos mitversichert sind. In dem Moment, wenn man beispielsweise als Blogger mehr als 430 Euro pro Monat verdient, braucht man die eigene Krankenversicherung. Ähnliche Einschränkungen liegen für beihilfeberechtigte Angehörige von Beamten vor. Wer Hartz IV bezieht, muss sich die Einnahmen aus seiner Blogger-Tätigkeit anrechnen lassen.