Auf diese Branchen haben es die chinesischen Investoren abgesehen

Das Wirtschaftswachstum der Volksrepublik China kennt kaum Grenzen und so möchte das Land der Mitte nun auch zum globalen Industriegiganten werden. Um die Zielerreichung zu ermöglichen, kaufen sich immer mehr chinesische Investoren in deutsche Firmen ein. Im Rahmen einer Studie wurden nun die wichtigsten Branchen für chinesische Investoren und deren Einfluss in diesen Branchen analysiert.

Industriekonzerne sind im Fokus der Chinesen 

Die chinesische Regierung veröffentlichte vor drei Jahren das Strategiepapier „Made in China“. Im Rahmen dieses Papiers wurde das Ziel offenbart, dass China der größte Industriestandort der Welt werden soll. Hierzu gehören zehn Branchen, in denen China die Technologieführerschaft übernehmen soll. Exemplarisch wurden E-Fahrzeuge, Roboter und computergesteuerte Maschinen genannt. Zur Zielerreichung sind Beteiligungen an etablierten Firmen als Teil der Strategie vorgestellt worden. Zudem verdeutlichen die Investitionen von chinesischen Firmen in Unternehmen wie Daimler, Kuka oder die Deutsche Bank, dass das ausgesprochene Ziel nun in Angriff genommen wird.

Unter den deutschen Unternehmen und Bürgern wächst nun die Sorge, dass es chinesische Firmen auf die deutschen Schlüsseltechnologien angelegt haben, um die eigene technologische Entwicklung voranzutreiben. Im Fokus dieser Debatte steht der Staatsbesuch von Angela Merkel im Land der Mitte. Insbesondere das schützende Verhalten der chinesischen Regierung in Bezug auf die Schlüsseltechnologien wird kritisch beobachtet, denn in Europa gibt es keine Limitierungen bezüglich den Investitionen in Unternehmen.


Studie belegt Investitionen in Schlüsseltechnologien 

Wie eine Studie der Bertelsmann-Stiftung belegt, investieren vor allem chinesische Investoren in deutsche Schlüsselunternehmen. Im Rahmen der Studie wurde chinesische Investitionen mit einem Anteil von mindestens zehn Prozent analysiert, welche in den Jahren 2014 bis 2017 stattfanden. Das Ergebnis dieser Studie ist eindeutig, denn rund zwei Drittel aller Investitionen werden in den Schlüsselbranchen getätigt. Hierbei sind vor allem jene Branchen betroffen, in denen laut der chinesischen Regierung die Technologieführerschaft übernommen werden soll.

Wie die Studie hervorhebt, verfügen deutsche Unternehmen dort über entscheidende technologische Vorteile. Unter den Beteiligten herrscht aus diesem Grund die Angst des technologischen Ausverkaufs, wobei insbesondere der ausländische Kapitalfluss positiv betrachtet werden sollte. Dieser schafft ausreichend Kapitalreserven für weiteres Wachstum und somit die Chance auf neue Arbeitsplätze. Zudem weisen die Investoren ein langfristiges Interesse auf und haben sogar Standortgarantien gegeben. Außerdem erhalten auch Bereiche, welche vorher eher von Investoren gemieden wurden, frisches Kapital. So spielte etwa der Bereich der Biomedizin in der Vergangenheit keine Rolle für chinesische Investoren. Seitdem das Strategiepapier im Jahr 2015 veröffentlicht wurde, wurden nunmehr 18 Akquisitionen aufgezeichnet. Auch bei der Verteilung des frischen Kapitals gibt es eine klare Konzentration. Demnach fließt ein Großteil des Kapitals nach Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Bayern. Hierbei handelt es sich um Regionen, die über sogenannte Hidden Champions verfügen. Diese zeichnen sich mit einer technologischen Führerschaft in einem bestimmten Sektor aus.



Deutschland in das europäische Hauptziel für Investitionen aus China 

Werden die Investitionen in Deutschland nach dem Herkunftsland sortiert, so fällt auf, dass China nur für einen kleinen Anteil des Kapitalflusses verantwortlich ist. Demnach entfielen im Jahr 2016 lediglich 0,4 Prozent der Direktinvestitionsbestände auf chinesische Investoren. Allerdings berichtet die Bundesbank, dass diese Investitionen im Zeitraum von 2013 bis 2016, eine Verdoppelung hinlegten und somit überdurchschnittlich stiegen. 

Ein Blick auf die Investitionen chinesischer Investoren verdeutlicht zudem, dass aktuell ein Großteil des Geldes in Asien investiert wird. Der europäische Markt nimmt lediglich einen kleinen Anteil des Investitionsvolumens ein. Dabei gilt Deutschland jedoch als wichtigstes europäisches Land, sodass rund 2,4 Milliarden US-Dollar flossen. Dieses Volumen entspricht lediglich 1,2 Prozent der Gesamtausgaben. Dennoch geben die Autoren der Studie zu, dass die Zahlen verfälscht sein könnten, denn es existiere ein sogenannter Hongkong-Effekt. Demnach investieren chinesische Unternehmen auch über Beteiligungen in Hongkong. Dieses Vorgehen führe dazu, dass die Investitionsquote durchaus höher ausfallen sollte.