Auf heißen Kohlen – Stromversorger und das Kohle-Problem

Unternehmen, die auf Kohle ausgerichtet sind, wissen, dass fossile Brennstoffe - wie Kohle - im 21. Jahrhundert eine ungewisse Zukunft haben. Im Gegensatz zu Kohlebergbauunternehmen haben Stromversorger eindeutig bessere Chancen, auf andere Sparten auszuweichen, da erneuerbare Energien immer wirtschaftlicher werden. Dennoch hat der Sektor diverse Probleme zu bewältigen, insbesondere da Strommärkte ihrem Wesen nach stark reguliert sind und auf Ausgewogenheit zwischen Emissionskontrolle, Zuverlässigkeit und Bezahlbarkeit achten müssen.

Ein wesentliches Merkmal des Stromversorgungssektors ist, dass er streng reguliert ist. Regierungen und Aufsichtsbehörden auf nationaler und/oder kommunaler Ebene machen Vorgaben, um für Ausgewogenheit zwischen ökologischen Überlegungen zum Klimawandel und Luftverschmutzung vor Ort zu sorgen. Ebenfalls wird das Augenmerk auf soziale Fragen wie Zugang und Bezahlbarkeit sowie Energiesicherheit gelegt. In manchen Ländern sind Stromversorger nach wie vor in staatlicher Hand oder zumindest unter staatlicher Kontrolle. In den USA ergibt sich zum Beispiel ein komplexes Bild der Regulierung auf bundesstaatlicher Ebene, wie wir zum Beispiel im Februar in den Problemen des Texas Stromnetzes gesehen haben. Manche Stromversorger arbeiten auf einem offenen Wettbewerbsmarkt, während anderen ihre zulässigen Renditen von Regulierungsbehörden vorgeschrieben werden. Naturgemäß unterhalten sie alle intensive Beziehungen zu ihren Aufsichtsbehörden.

Im Rahmen unseres internationalen Dialogs fragten wir nach, wie Unternehmen mit Staat und Aufsichtsbehörden interagieren. Die Antworten fielen unterschiedlich aus.

  • Manche Unternehmen sind eher passiv und richten sich nach den politischen Vorgaben – sie schauen auf das aktuelle Regulierungsumfeld und ergreifen entsprechende Maßnahmen. Veränderungen lehnen sie ab.
  • Andere sind dagegen aktiv – sie unternehmen Schritte, die ehrgeiziger sind als aufsichtsbehördlich vorgeschrieben und versuchen, den politischen Diskurs in diesem Sinne zu beeinflussen.
  • Im Rahmen unseres Dialogs hoben TEPCO und Chubu aus Japan und KEPCO aus Südkorea gleichermaßen hervor, dass sich ihr Ansatz mit den nationalen politischen Zielen decke. In beiden Fällen wurden diese nationalen Ziele im Anschluss heraufgesetzt, sodass die Unternehmen nachziehen müssen.


Welche Alternativen bietet Technologie?

Ein zweites häufiges Hindernis, auf das sich Stromversorger bisher berufen haben, ist die Verfügbarkeit von technischen Alternativen zu fossilen Brennstoffen. Die Kosten von Windkraft und Sonnenenergie sind in den letzten Jahren drastisch gesunken – und die Alternativen können mittlerweile auch auf eigenständiger Basis bei den Kosten mit fossilen Energieträgern mithalten. Doch örtliche Voraussetzungen sind sehr unterschiedlich geeignet, was auf Faktoren wie die Verfügbarkeit von nutzbarer Fläche oder das lokale Klima zurückzuführen ist. Zudem sind Leistungsschwankungen und Netzstabilität Sorgenthemen.

Aus unserem Dialog mit US-Versorgungsunternehmen wird deutlich, wie sich diese mit solchen Problemen auseinandersetzen. Vistra Corp, einer der größten Treibhausgasemittenten des Landes aus diesem Sektor, wollte erst gar kein Netto-Null-Ziel einführen und verwies auf Bedenken bezüglich der technischen Machbarkeit. Als wir den CEO des Unternehmens nach dem seiner Ansicht nach größten Hindernis für die Entkarbonisierung des Stromsektors fragten, nannte er den dringenden Bedarf an bezahlbaren Batteriespeichern mit einer Nutzungsdauer von mehreren Stunden, um die Spitzen und Täler der Produktion von erneuerbarer Energie zu glätten. Das Unternehmen hat im Anschluss zu unseren Dialogen jedoch ein Nettonullziel eingeführt und geht damit mit seiner US-Vergleichsgruppe konform. Zur Implementierungsstrategie gehören auch Investitionen in erneuerbare Energie und Batteriespeicher.

Duke Energy hat als erster großer US-Versorger eine Klimaszenario-Analyse veröffentlicht. Der jüngste Bericht enthält immer noch unspezifizierte Null-Emissions-Technologien, auf die in den illustrativen Szenarien für 2050 ein erheblicher Anteil an der zukünftigen Stromerzeugung entfallen soll, weil zurzeit noch unklar ist, welche Technologien zur Verfügung stehen könnten, um den nicht durch erneuerbare Energien zu deckenden Bedarf aufzufangen.

Proaktive Unternehmen gestalten die Entwicklung von Zukunftstechnologien mit, statt abzuwarten, bis sie auf den Markt kommen. Ein US-amerikanisches Beispiel dafür ist AES Corp – der erste US-Versorger, der die Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) unterstützt. Wir traten 2018 in den Dialog mit AES Corp ein. Das Unternehmen betreibt ein Joint Venture mit Siemens, das auf die Entwicklung von Energiespeichersystemen fokussiert ist.

Der Fortschritt auf dem chinesischen Markt ist deutlich begrenzter. Zwar investiert kein anderes Land mehr in Technologien für erneuerbare Energien als China, doch die meisten Stromversorger weigern sich bisher, langfristige Ziele oder Pläne für den Kohleausstieg festzuschreiben. Unseres Erachtens war mangelnde politische Klarheit in der Vergangenheit der Hauptgrund für fehlende langfristige Zusagen, da viele dieser Versorger staatseigene Unternehmen sind. Das neue landesweite Ziel dürfte die Dinge in Bewegung bringen. Die in Hongkong ansässige CLP Holdings dagegen hat sich verpflichtet, keine neuen Investitionen in Kohle zu tätigen und die bestehenden Kohlekraftwerke bis 2050 auslaufen zu lassen.


Gesellschaftliche Wirkung

Nach den Kohlebergbauunternehmen im vorherigen Artikel haben wir auch die Stromversorger gefragt, wie sie mit den Auswirkungen des Kohleausstiegs auf ihre Belegschaft und die örtlichen Kommunen umgehen.

Manche wie Drax verfolgen den Ansatz, bestehende Anlagen weiter zu betreiben, doch so umzubauen, dass umweltfreundlichere Brennstoffe eingesetzt werden können. Drax verwendet Biomasse aus Abfällen aus der Papierproduktion und anderen Quellen. JERA, das Joint Venture von TEPCO und Chubu, erklärte vor Kurzem seine Absicht, bis 2030 (zunächst parallel zur Kohle) auch Ammoniak als Brennstoff für seine Wärmekraftwerke zu verwenden. Solche Ansätze können erfolgreich sein, erfordern jedoch äußerste Sorgfalt, da sie auch unbeabsichtigte Konsequenzen haben können. Andere Unternehmen schließen ihre Anlagen komplett. In solchen Fällen haben wir Unterstützung für die Arbeitnehmer bei der Umschulung und bei der Suche nach neuen Arbeitsplätzen und für die Kommunen zur Sicherung eines reibungslosen Übergangs eingefordert.


Nächste Schritte für den Dialog

2021 wird ein entscheidendes Jahr für den Klimawandel. Wir haben vor, unser Engagement im Zusammenhang mit dem Kohleausstieg zu verstärken. Wir wollen bei Unternehmen nachfassen, die Ziele für 2050 angekündigt haben, um auf deren Umsetzung zu drängen – und auch auf die Festlegung eines endgültigen Termins für den Kohleausstieg. Dabei werden wir uns weiterhin vornehmlich auf China und die USA fokussieren, da die jüngsten und anstehenden politischen Veränderungen dafür sorgen, dass es für die Spätzünder unter den Unternehmen dringend wird, zu reagieren. Außerdem wollen wir mit Nachzüglern auf schwierigeren Märkten, wie bspw. Indien, in den Dialog eintreten.

Lesen Sie auch die ersten Teile dieser Serie sowie Artikel zu weiteren Themen rund um ESG, Klimaschutz und Ressourcenknappheit. 

Zum BMO Global Asset Management (EMEA) Firmenprofil



Risikowarnungen Der Wert von Anlagen und daraus abgeleiteten Erträgen kann sowohl steigen als auch fallen, und Anleger erhalten möglicherweise nicht den ursprünglich investierten Betrag zurück. Im schlimmsten Fall droht vollständiger Kapitalverlust. Die in diesem Dokument enthaltenen Informationen, Meinungen, Schätzungen oder Prognosen stammen aus Quellen, die nach vernünftigem Ermessen als zuverlässig angesehen werden, und können sich jederzeit ändern. Die Ansichten und Meinungen stammen von BMO Global Asset Management und sind nicht als Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Unternehmen zu verstehen, die möglicherweise erwähnt werden. © 2021 BMO Global Asset Management. Werbung für Finanzprodukte wird zu Marketing- und Informationszwecken angeboten; in der EU von BMO Asset Management Netherlands B.V., einem von der niederländischen Finanzmarktaufsicht (AFM) regulierten Unternehmen, und in der Schweiz von BMO Global Asset Management (Swiss) GmbH, einem von der Schweizer Finanzmarktaufsicht (FINMA) zugelassenen und regulierten Unternehmen. 1202564 (2/21). Dieses Dokument ist zugelassen für die folgenden Länder; DE, AT, CH.