Ausblick DAX: Zwischen Handelskrieg und Eurokrise

Gleich vorab: politische Kurse sind sehr flüchtig, am Ende zählt die reale Wirtschaftslage. Und die ist, entgegen vieler Befürchtungen, optimistisch einzuschätzen. Um dies zu erläutern, betrachten wir die Strafzölle der US-Amerikaner auf europäische Stahlprodukte. Diese werden derzeit von den Herstellern in den USA zu den gerade aktuellen Preisen gekauft. Hätte Stahl aus den USA die gleiche Qualität und den gleichen Preis, dann wäre dieser wegen der fehlenden Transportkosten günstiger. So aber werden von den europäischen Stahlschmieden Stahl angeboten, welches im Vergleich zum Preis hochwertiger ist. Nun wird Stahl „künstlich“ verteuert, damit die einheimischen Stahlwerke mehr verkauft bekommen. Das erscheint auf den ersten Blick gut für die Wirtschaft der USA und schlecht für die der Europäischen Union zu sein. Jedoch werden nun die Produkte in den USA teurer oder die Qualität wird zurückgehen. Das liegt daran, dass die im Verhältnis zur Qualität günstigen Stähle nicht mehr verfügbar sind, weil der Erwerb künstlich erschwert wurde.

Die Hersteller haben genau genommen zwei Alternativen. Entweder sie halten die Qualität und bezahlen mehr für die benötigten Rohstoffe. Das ist die erste Alternative, die aber die Endprodukte verteuert und somit den Absatz schwächt. Die zweite Möglichkeit wäre, dass sie nun den qualitativ schlechteren Stahl verwenden, was aber die Qualität der Erzeugnisse schmälert und darum den Export erschwert. 

Aus diesen Betrachtungen erschließt sich, dass die Zölle am Ende der Wirtschaft in den USA deutlichen Schaden zufügen werden. Entweder verkaufen sich die produzierten Waren wegen des höheren Preises schlechter, oder die Kunden bevorzugen europäische Produkte wegen der höheren Qualität. Das alles wird den Euro stärken und die hiesige Wirtschaft flüssig halten, während die Entwicklung in den USA geschwächt wird.

Auch eine Erhöhung der Steuern auf Endprodukte wird daran nicht viel ändern. Diese Verzollung hebt den beschriebenen Prozess eine Stufe höher und wird zwangsläufig mit Gegenzöllen sanktioniert. Das wäre schlecht für beide Seiten, weil nun keiner der Handelspartner einen Vorteil hätte. Aus diesem Grunde ist das Szenario zwar denkbar, aber unwahrscheinlich. Dazu kommt, dass Europa auch mit anderen Partnern Handel treibt. Der Verlust durch die Zölle wäre zwar schmerzhaft, aber hinnehmbar. China, Russland, Kanada und viele andere Länder werden die Waren der Europäischen Union weiterhin zu schätzen wissen. Weil die Güter aus den USA im Verhältnis zur Qualität zwangsläufig zu teuer sein werden, ist damit zu rechnen, dass der Absatz in diese Länder deutlich steigen wird. 


Fazit: Anleger können der Wertentwicklung des DAX optimistisch entgegensehen. Zwar sind kurzfristige Kurskorrekturen möglich, aber die sollten eher als Möglichkeit zum günstigen Nachkauf gesehen werden. Am Ende wird die deutsche Wirtschaft deutlich gestärkt aus dem Handelskrieg gehen, was sich dann auch in wohltuend hohen Notierungen niederschlagen wird.