Auswahlprozess: Entscheidungsgrundlage für die Verwaltung des Vermögens schaffen

Die Vermögensausschreibung ist für Family Offices und die Mandanten das zentrale Instrument bei der Suche nach passenden Asset Managern. Genauso aber sind persönliche Gespräche wichtig, um die konkreten Wünsche an die Kapitalanlage deutlich zu machen.

Family Offices stellen bekanntermaßen für ihre Mandanten die zentrale Instanz dar, wenn es um die individuellen Vermögensangelegenheiten geht. Eine typische Aufgabe von Family Offices ist es daher, die richtigen Partner für die Vermögensverwaltung zu finden – denn in der Regel führt das Family Office diese nicht selbst durch. Die Ansprüche dafür können, gerade bei größeren Vermögen, sehr komplex sein, wenn verschiedene Asset Manager für die unterschiedlichen Anlageklassen beziehungsweise Strategien eingesetzt werden sollen. Diese Frage ist eine weitere Stufe in der Gestaltung der Gesamtanlagestrategie.

Aber: Wie findet ein Family Office für die jeweiligen Belange des Kunden den oder die richtigen Vermögensverwalter? „Das ist gar nicht so leicht zu beantworten, denn die Auswahl sollte nicht Meister Zufall überlassen werden, sondern nach festen Prinzipien erfolgen. Anleger, die die Zusammenarbeit mit einem externen Vermögensverwalter planen, benötigen eine gut begründete Entscheidungsgrundlage, um die Verwaltung ihres Vermögens beauftragen zu können“, sagt Alexander Etterer, Partner der Wirtschaftsprüfungskanzlei Rödl & Partner und verantwortlich für das Team „Wealth, Risk & Compliance“, das verschiedene Dienstleistungen rund um das Vermögen für Unternehmer, Familien und Institutionen anbietet.


Mandate professionell und langfristig strukturieren

Dazu gehört unter anderem die Vermögensausschreibung. „So wird das Instrument genannt, in dem der oder die Vermögensverwalter für das jeweilige Mandat in einem systematischen Auswahlprozess ermittelt werden. Was zählt, ist die reine Qualität und Leistungsfähigkeit der Vermögensverwalter, die sie detailliert nachweisen müssen.“ Hintergrund einer Vermögensausschreibung sei laut Alexander Etterer, die richtigen Vermögensverwalter für ganz bestimmte Aufgaben zu finden und mit den Ergebnissen ein Mandat professionell und langfristig zu strukturieren. „Durch diesen Prozess erhält der Anleger das Rüstzeug, seine Entscheidungen auf Basis echter Erkenntnisse zu treffen, nicht auf Basis von Empfehlungen Dritter oder geschicktem Marketing. Der Gesamtprozess beinhaltet eine intensive Auseinandersetzung mit der zukünftigen Gestaltung der Vermögensanlage und erschöpft sich nicht einfach in der Übertragung der Verwaltung des Vermögens an externe Asset Manager“, betont Etterer.

Das ist dementsprechend auch für Family Offices ein wichtiges Werkzeug, um die Bedürfnisse der (in der Regel sehr anspruchsvollen Kundschaft) optimal zu erfüllen. Natürlich, jeder Family Officer verfügt über ein starkes Netzwerk an Vermögensmanagern. Aber oftmals muss speziellen Anforderungen begegnet werden, die diese Partner nicht bearbeiten können oder wollen, oder aber der Mandant wünscht sich eine andere Zusammensetzung der Asset Manager, als durch das Netzwerks gegeben wäre.


Anforderungen des Mandanten verstehen

Wie das konkret funktioniert? Im Rahmen der Vermögensausschreibung wird ein Fragenkatalog entwickelt, den Vermögensverwalter beantworten müssen, um sich für die engere Auswahl beim Vermögensinhaber – beziehungsweise dem Family Office – zu qualifizieren. Damit weisen Vermögensverwalter nach, dass sie die originären Wünsche und Anforderungen des Mandanten verstehen und gewillt sind, diese auch in der Praxis umzusetzen. Durch die Vermögensausschreibung erkennen die Investoren die Ausrichtung der angefragten Vermögensverwalter und können diese dann mit ihren Zielen abgleichen.

Der Düsseldorfer Vermögensverwalter Dr. Martin Stötzel (Rhein Asset Management) verdeutlicht aber in dem Zusammenhang mit der Vermögensausschreibung die Bedeutung persönlicher Gespräche. Diese sieht er auch in der Zusammenarbeit mit professionellen Dienstleistern wie Family Offices als ein entscheidendes Kriterium an. „Bei den Gesprächen komme es darauf an, dass die Anleger ihre konkreten Wünsche an die Kapitalanlage deutlich machen. Es gilt, viele Fragen im Gespräch mit dem potenziellen Vermögensverwalter zu klären, beispielsweise nach den Lösungen im Risikomanagement. Nur so kann dieser verdeutlichen, wie er mit dem Vermögen umzugehen gedenkt und ein Vermögensverwaltungskonzept vorschlagen, das dann Eingang in die sogenannten Anlagerichtlinien findet“, sagt Stötzel, dessen Haus regelmäßig Kontakt zu Family Offices und institutionellen Anlegern hat und somit auch an Vermögensausschreibungen teilnimmt. Ebenso begleitet Rhein Asset Management Mandanten auch bei der Fonds- und Managerselektion für spezielle Fragestellungen.