Trumps Protektionismus und seine Folgen für Europa

Die Lage zwischen der EU und den USA ist angespannt, denn Donald Trump möchte Strafzölle auf importierte Produkte einführen und somit die beheimatete Wirtschaft schützen. Doch dieser Protektionismus birgt laut der IWF-Chefin Christine Lagarde einige Risiken für das Wirtschaftswachstum der EU-Staaten.

 

Gegenwind für das europäische Wirtschaftswachstum


Auf einer Veranstaltung des DIW sagte Lagarde, dass das prognostizierte Wirtschaftswachstum des Euro-Raumes laut den Auswertungen des IWF bei 2,2 Prozent liegen wird. Doch dieses Wachstum wird nun mit einer starken Gegenbewegung konfrontiert, welche sich vor allem im Protektionismus der USA begründet. Um negative kurz- und mittelfristigen Auswirkungen zu vermeiden, muss die Euro-Zone einer Führungsrolle übernehmen. Des Weiteren macht die IWF-Chefin auf die Idee einer „Fiskalkapazität“ aufmerksam, die zur Stabilisierung der Euro-Zone dienen soll. Ziel ist die Schaffung eines Fonds, in den die Mitgliedsstaaten in ertragsreichen Jahren einzahlen, um im Falle einer Rezession ausreichend Kapitalreserven zu besitzen. Anschließend erhalten die Länder Geldtransfers, welche die entstehende Finanzierungslücke schließen sollen. In Extremsituationen könnten sogar Kredite an Mitgliedsstaaten vergeben werden, wobei diese über kommende Beitragszahlungen ausgeglichen werden. Laut Lagarde würde die Fiskalkapazität zwar auch nicht die Lösung für die nächste Krise darstellen, allerdings könnten die negativen Effekte besser bekämpft werden.

 

Risikobewertung deutscher Unternehmer


Wird die Stimmung bei den deutschen Unternehmen erfragt, so herrscht unter den Unternehmensleitungen eine positive Stimmung. Ein Großteil der Unternehmen erwartet geringe Auswirkungen der möglichen Handelsbarrieren für das Kerngeschäft, wobei dies vor allem an der starken Fokussierung auf den asiatischen Markt liegt. Somit erwarten rund drei Viertel der befragten Unternehmen, dass auch in diesem Jahr ein Wachstum realisiert wird.

Laut einer Studie von Oxford Economics, welche im Auftrag von HSBC durchgeführt wurde, gehören die deutschen Unternehmen zu den optimistischsten weltweit. Die Studie umfasste eine Befragung von Unternehmen aus 26 Ländern, wobei rund 61 Prozent der befragten Unternehmen angaben, dass sie mit steigendem Protektionismus in den Zielmärkten rechnen. Die geringsten Ängste auf protektionistische Maßnahmen hat Tschechien, denn nur 33 Prozent der Unternehmen erwarten Strafzölle in den Zielmärken. Deutschland und Polen belegen den zweiten Platz, da nur 47 Prozent der befragten Unternehmen negative Auswirkungen erwarten.

 

Deutsche Unternehmen besonders optimistisch


Insbesondere im Europavergleich weisen die deutschen Unternehmen eine positive Grundstimmung auf, wenn es um das internationale Geschäft geht. 73 Prozent der deutschen Unternehmen erwarten für dieses Geschäftsjahr ein weiteres Wachstum auf den internationalen Märkten. Diese Erwartungen hängen mit der starken Marktposition in Asien zusammen, welche auch die Ausnutzung des bestehenden Freihandelsabkommens erlaubt. Zudem wurde erst am 8. März das Freihandelsabkommen CPTTP von elf Ländern des transpazifischen Raumes unterschrieben, sodass es keinerlei Gründe für Strafzölle in dieser Region gäbe. Dieser Umstand mag auch dazu führen, dass deutsche Unternehmen keine und nur geringe negative Auswirkungen aufgrund des Protektionismus erwarten. Eine hohe Bedeutung wird den Initiativen „neue Seidenstraße“ und ASEAN 2025 zugesprochen, denn rund 30 Prozent der befragten Unternehmen verknüpfen positive Erwartungen mit diesen Initiativen. Insbesondere China nimmt eine Schlüsselrolle für das deutsche Exportgeschäft ein, denn laut Schätzungen wird das Land der Mitte bis zum Jahr 2030 der wichtigste deutsche Exportpartner werden. Laut Schätzungen werden rund 9 Prozent der Exporte nach China gehen, während die USA und das Vereinigte Königreich auch weiterhin eine wichtige Rolle beim Außenhandel einnehmen werden.