Digitalisierung überfordert Banken

Die deutschen Finanzinstitute möchten die Digitalisierung in Angriff nehmen, doch vor allem alte IT-Systeme und konservative Kunden bereiten den Unternehmen Probleme. Neben dem erschwerten digitalen Aufbruch wachsen auch die internen Zweifel der Belegschaft.


Digitalisierung in den Kinderschuhen


Die mangelnde Digitalisierung macht sich im Grundsatz bereits bei Präsentationen innerhalb des Unternehmens bemerkbar. Die Steuerung der Präsentation per Smartphone scheitert bereits an der nicht funktionierenden Bedienung. Die Alternative sind ausgedruckte Präsentationen, welche per Dokumentenkamera an die Wand projiziert werden und aufzeigen soll, wie digital das Unternehmen unterwegs ist.

Das als „Mainincubator“ bezeichnete Projekt soll die Zukunft der Commerzbank bestimmen. Die Abteilung findet sich im Frankfurter Bahnhofsviertel wieder und umfasst rund 40 Mitarbeiter, die die Geschäftsmodelle von Startups sichten und bewerten. Zum aktuellen Zeitpunkt wurden mehr als 760 Konzepte von der Abteilung gesichtet, die in einer innovativen Arbeitsumgebung beheimatet ist. Zur Büroausstattung gehört beispielsweise die obligatorische Carrerabahn sowie ein Billiardtisch und die Gin-Bar. Diese Arbeitsumgebung soll die Kreativität der Mitarbeiter steigern und beim Sichten der passenden Ideen unterstützen.

Doch die Commerzbank ist nur ein Beispiel für den aktuellen Stand der Digitalisierung, denn auch bei vielen anderen Finanzinstituten gleicht die EDV-Landschaft einem Puzzle, das wild zusammengesetzt wurde. Digitale Innovationen werden mühsam in die bestehende IT-Infrastruktur eingebaut, da für eine Grundsanierung das Geld oder gar das Know-How nicht reicht. Vielmehr sei der moderne Unternehmensauftritt nur eine Fassade hinter der sich die Unternehmen verstecken.


Digitalisierungsansätze in der Bankenszene


Durch die Digitalisierung sollen vor allem unterschiedliche Bereiche des Kerngeschäfts optimiert werden. Insbesondere die Kundenansprache soll sich durch die Digitalisierung verbessern. So soll beispielsweise das Kundenverhalten in den verschiedenen Vertriebskanälen ausgewertet und somit der beste Ansatz für die Kundenansprache gefunden werden. Dies sorgt für eine optimale und bedarfsorientierte Kundenansprache. Doch auch die Kundengewinnung an sich soll durch die Digitalisierung optimiert werden. Denn die Neugewinnung von Kunden ist besonders kompliziert und teuer geworden, sodass Banken innovative Geschäftsmodelle bieten müssen, die Kunden vom Angebot überzeugen und langfristig an das Unternehmen binden.

Des Weiteren konzentriert sich die Digitalisierung auch auf die verschiedenen Vertriebskanäle. Durch das Erschließen neuer Umsatzkanäle soll auch langfristig das Wachstum des Geschäfts stimuliert werden. Gleichzeit muss zudem ein digitales Ökosystem aufgebaut werden. Hierbei ist vor allem die Kooperation mit branchenfremden Unternehmen relevant. Doch auch FinTechs spielen eine wichtige Rolle und helfen den Banken beim flexiblen und schnellen Entwickeln neuer Ansätze. In Deutschland herrscht zudem eine hohe Fehlerintoleranz, sodass Unternehmen das Fehlermachen als Scheitern interpretieren. Doch dieses Denkmuster muss durchbrochen werden und das Begehen von Fehlern als Chance für einen Neustart verstanden werden, denn nur wer Fehler macht, kann aus diesen auch lernen.

Viele Banken möchten mithilfe der Digitalisierung auch einen neuen Kundenservice etablieren. Wurden bisher viele Sachbearbeiter für stupide Aufgaben beschäftigt, so können diese einfachen Prozesse automatisiert bearbeitet werden und ein stärkerer Fokus auf die wichtigen Kundenbedürfnisse gelegt werden.


Das aktuelle Problem der Digitalisierung


Am Beispiel der Commerzbank zeigt sich, dass insbesondere die Arbeitnehmervertreter an der Idee der Digitalisierung zweifeln. Insbesondere die Geschwindigkeit und die eingeschlagene Richtung stimmen laut den Aussagen eines Aufsichtsratsmitgliedes nicht. Dabei sind die Kommunikation und das richtige Projektmanagement eine grundlegende Voraussetzung, um eine erfolgreiche Umsetzung zu realisieren. Vor allem im Zuge von geplanten Entlassungen sollte ein besonderer Fokus auf die richtige Kommunikation gelegt werden, da ansonsten das Vertrauen der Belegschaft verloren geht. Für die Arbeitnehmer bedeutet eine langsam voranschreitende Digitalisierung einen geringen Stellenabbau, doch auch die geplanten Zukunftsarbeitsplätze werden somit fehlen und das wichtige Fachpersonal kann nicht akquiriert werden.

Laut den Aussagen der Commerzbank schreite die Digitalisierung ständig voran und bereits 65 % des Kerngeschäfts sollen bis zum Ende des Jahres digitalisiert sein. Die komplette Abwicklung eines Vertrages kann somit bereits heute digital vorgenommen werden, einzig die Unterschrift muss analog passieren. Doch insbesondere dieser Systembruch stellt laut den Experten eine große Herausforderung dar, denn viele Deutsche sind bereits mit dem Einscannen von Dokumenten überfordert. Doch auch simple Themen wie die Abwicklung einer Überweisung per App sind zum aktuellen Zeitpunkt nur schwer möglich. Zudem sind Zahlungsanbieter wie PayPal technologisch mehrere Jahre voraus. Auch stellt die Finanzierbarkeit neuer Ideen oft eine Herausforderung dar, denn die Barreserven der Banken sind aufgrund der Niedrigzinsphase und der zurückliegenden Eurokrise recht gering. Inwiefern die deutschen Finanzinstitute die Digitalisierung meistern und ob diese erneut eine wichtige Marktposition einnehmen können, bleibt ungewiss.