Banken müssen etwas tun: Basel III bringt neue Vorschriften beim Eigenkapital

Aktuell stehen die Basel III-Richtlinien vor der finalen Umsetzung. Bei den Banken könnte sich eine Kapitallücke von rund 135 Milliarden Euro auftun.

Die Folgen der Finanzkrise von 2008 verfolgen die Wirtschaft und die europäische Finanzindustrie noch immer. Das zeigt sich vor allem an den schärfer werdenden regulatorischen Rahmenbedingungen, die sich beispielsweise in den Vorschriften des Basler Ausschusses der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) zur Regulierung von Banken äußern – besser bekannt als Basel-Richtlinien mit konsequenten Kapital- und Liquiditätsvorschriften für Bankinstitute.

Aktuell stehen die Basel III-Richtlinien vor der finalen Umsetzung. Das Basel III-Regelwerk löst sukzessive die Vorläuferregelungen (Basel II) ab und soll identifizierte Schwächen in der bisherigen Bankenregulierung beheben. So weit, so gut, aber: Seit kurzem liegt die Auswirkungsstudie der europäischen Bankenaufsichtsbehörde EBA zum vor der Umsetzung stehenden finalen Basel-III-Regelwerk vor. Demnach könnte sich bei den untersuchten Banken eine Kapitallücke von rund 135 Milliarden Euro auftun, wenn die Vorschriften in europäisches Recht umgesetzt werden. Das hat bereits für Wirbel gesorgt: Tatsächlich dürfte der zusätzliche Kapitalbedarf noch deutlich höher liegen, und alle Kreditinstitute seien betroffen, unabhängig von ihrer Größe, heißt es beim Bankenverband. Die von der EBA vorgeschlagene Umsetzung der Baseler Reform gefährde die Wettbewerbsfähigkeit und den Wohlstand Europas.


Risiken adäquat unterlegen

Björn Wehling, Geschäftsführer und Bereichsleiter Revision & Regulatorik beim Finanz Colloquium Heidelberg, hingegen betont, dass die Finanzkrise gezeigt habe, dass viele Institute aufgrund mangelnder Eigenkapital- und Liquiditätsausstattung nicht in der Lage gewesen seien, ihre bestehenden Risiken adäquat zu unterlegen. „Vertrauensverluste auf dem Interbankenmarkt hatten dazu geführt, dass es zu Liquiditätsengpässen kam, sich die Refinanzierung der Banken mit hohem Fremdkapitalanteil zunehmend schwierig gestaltete und mit teilweise deutlichen Liquiditätsrisikoaufschlägen einherging. Die Umsetzung der Basel III-Vorgaben soll zu einer Stärkung der Liquidität der Institute und deren Eigenkapital führen und so zu einem höheren Vertrauen führen.“


Einführung der Liquiditätsdeckungsquote

Wesentliche Bestandteile des Basel III-Regelwerks seien die überarbeiteten Kapitalanforderungen zur Stärkung des Eigenkapitals sowie die Einführung bestimmter (Mindest-)Liquiditätsquoten. So sei es unter anderem zur grundlegenden Überarbeitung der Standardansätze für wesentliche Risiken sowie der Einführung der Liquiditätsdeckungsquote und der strukturellen Liquiditätsquote gekommen, erklärt Björn Wehling: Basel III verlangt weiterhin eine Mindesteigenkapitalquote von acht Prozent der risikogewichteten Aktiva. Sechs Prozent der zu unterlegenden Risiken sind mit Kernkapital, davon 4,5 Prozent mit hartem Kernkapital, zu unterlegen. Neu eingeführt wurde ein zusätzlicher Kapitalerhaltungspuffer in Höhe von 2,5 Prozent aus hartem Kernkapital, der Schwankungen ausgleichen soll. Drüber hinaus kann die Aufsicht im Rahmen von SREP-Zuschlägen weitere Kapitalzuschläge anordnen. Der Überprüfungs- und Bewertungsprozess (Supervisory Review and Evaluation Process – SREP) ist das Kernstück der Bankenaufsicht in der Europäischen Union: Dabei prüfen und beurteilen die nationalen Aufsichtsbehörden umfassend, welchen Risiken die Kreditinstitute ausgesetzt sind.


Kreditklemme nicht zu erwarten

Der Bankenverband kritisiert nicht nur die finanziellen und organisatorischen Herausforderungen gerade für kleinere und mittlere Institute, die mit der Umsetzung der Richtlinie verbunden sind. Er sieht sogar die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Kreditwirtschaft in Gefahr, weil Finanzierungen erheblich verteuert würden und schwieriger erhältlich seien. „Zudem wird es für kleine und mittelständische Unternehmen schwerer, eine gute Finanzierung zu erhalten. Denn hier schlägt die EBA unter anderem vor, den sogenannten KMU-Faktor zu streichen, mit dem bislang die besondere Bedeutung des europäischen Mittelstands berücksichtigt wurde“, heißt es.

Björn Wehling sieht diese Gefahr weniger. „Eine Kreditklemme, wie sie im Rahmen der Finanzkrise eingetreten ist und durch die die Unternehmensfinanzierungen – insbesondere im Mittelstand – stark eingeschränkt wurden, ist künftig durch die neuen Regelungen des Basel-III-Rahmenwerks nicht mehr zu erwarten. Dadurch wird eine stetige Bedienung der Unternehmen mit Krediten gewährleistet.

Ähnlich argumentiert auch der Düsseldorfer Wirtschaftsprüfer Helmut König (BBWP Wirtschaftsprüfungsgesellschaft). Er sagt: „Bislang wirkt sich Basel III nicht negativ auf Kreditvergabe an Mittelstand aus. Der Mittelstand hat allerdings in den zurückliegenden Wachstums-Jahren die Eigenkapitalquote etwas verbessern können, daher konnten und können Banken leichter Kredite geben.“ Die Kreditwürdigkeit des Mittelstands werde mit Blick auf die Zukunft wohl eher durch die derzeit verbreitete Unsicherheit an den Märkten und damit einhergehende Rezessionsängste gefährdet.