Bargeldloses Bezahlen - hinkt Deutschland der Entwicklung hinterher? - Teil 1

Wie entwickelt sich das bargeldlose Bezahlen in Deutschland? Lassen sich Trends und Tendenzen erkennen? Im ersten Teil unserer Serie geben wir Einblicke in den Status Quo.

Deutsche lieben ihre Scheine und Münzen: Bargeld bleibt weiterhin die unangefochtene Nummer 1 

Schweden ist wohl das Vorzeige-Land, wenn es um die bargeldlose Bezahlung geht. Im gesamten Königreich steigt die Zahl jener Restaurants und Geschäfte, die Münzen und Scheine verweigern und nur noch die Kreditkarte oder das Smartphone für den Bezahlvorgang akzeptieren. Somit ist es keine große Überraschung, dass immer mehr Schweden kein Bargeld mehr eingesteckt haben und auf die klassische Kasse verzichten. Selbst in der Kirche sammelt man die Kollekte bargeldlos ein. Zustände, die in Deutschland (noch) undenkbar sind. Und auch wenn die Deutschen das Bargeld lieben, so sind es nicht nur alleine die Verbraucher, warum sich der bargeldlose Zahlungsverkehr noch nicht durchsetzen konnte. 

Wird das Bargeld verschwinden? 

Der Einkauf im Supermarkt wird mit der Kreditkarte bezahlt und der Kaffee im Restaurant mit dem Smartphone - für viele Bundesbürger mag vor allem der Bezahlvorgang mit dem Smartphone noch Zukunftsmusik sein, in manchen Ländern handelt es sich dabei aber schon um den gewöhnlichen Alltag. Vor allem in Skandinavien und auch in den angelsächsischen Staaten wird das bargeldlose Zahlen immer populärer. Die Boston Consulting Group (kurz: BCG), eine Beratungsgesellschaft, ist überzeugt, dass die Digitalisierung dafür sorgen wird, dass etwa in Indien ab dem Jahr 2022 keine Münzen oder Scheine mehr angenommen werden. Auch John Cryan, Chef der Deutsche Bank, ist überzeugt, dass das Bargeld in den kommenden zehn Jahren verschwinden wird, weil es „einerseits ineffizient und andererseits fürchterlich teuer“ sei. 

Die Deutschen haben rund 103 Euro eingesteckt - absoluter Spitzenwert 

Ist das überhaupt möglich, da die Deutschen ihr Bargeld lieben? Schlussendlich war bereits der Ärger groß, als der ehemalige Finanzminister Schäuble die Bargeldobergrenze ins Leben rief. Der Deutsche ist, auch wenn etwa für den Norden Europas unverständlich, verliebt in seine Münzen und Scheine. In keinem anderen Land wird so gerne mit Bargeld wie in Deutschland bezahlt. Schlussendlich wird, so das Beratungsunternehmen Barkow Consulting gerade einmal jeder zwanzigste Einkauf mit der Kreditkarte bezahlt. Folgt man zudem der Statistik, so hat jeder Deutsche um die 2.200 Euro daheim - die Angst, Opfer eines Einbruchs zu werden, ist nicht groß genug, um das Ersparte zur Bank zu bringen. 

Zudem hat der deutsche durchschnittlich 103 Euro eingesteckt - der europäische Durchschnitt liegt bei 65 Euro. Es ist die scheinbar nie enden wollende Liebe zu Bargeld, die mitunter der Grund ist, warum Deutschland im Bereich bargeldloses Zahlen hinterher ist. Zwischen den Jahren 2010 und 2016 konnte ein Anstieg bei den bargeldlosen Zahlungen um 7 Prozent verbucht werden - zu den Nachzüglern gehören auch Österreich (8,2 Prozent) und Portugal (9,8 Prozent).