Bargeldloses Bezahlen - hinkt Deutschland der Entwicklung hinterher? - Teil 2

In Großbritannien, in den USA und auch in Skandinavien werden selbst die kleinsten Beträge mit der Kreditkarte bezahlt. Es gibt kaum noch Geldbörsen, sondern vorwiegend das Visitenkartenetui, in dem sich die Kreditkarte und der Führerschein befinden. Die Zahlen zeigen beispielsweise, dass in Schweden gerade einmal jeder fünfte Einkauf mit Bargeld bezahlt wird. So haben auch die Ergebnisse einer Umfrage der Reichsbank belegt, dass auf die Frage, wie zuletzt bezahlt wurde, 70 Prozent mit „Karte“ und gerade einmal 15 Prozent mit „Bargeld“ geantwortet haben. 

Gibt es in Deutschland, etwa in Berlin, Restaurants, die nur Bargeld akzeptieren, so ist das in Schweden anders - hier gibt es Lokale, in denen ausschließlich nur mit der Karte bezahlt werden kann. Bargeldlos zu sein hat aber nicht nur Vorteile - die Zweifel werden nämlich immer lauter. „Schrumpft die Bargeld-Menge weiterhin, so ist es fast unmöglich, dass die Infrastruktur aufrecht bleibt“, so Ökonom Mats Dillen, der Vorsitzende jener Kommission, die sich mit den Auswirkungen des Bargeld-Schwunds befasst. Das größte Problem? 

Ältere Menschen würden weiterhin zu wenig Vertrauen in das Mobiltelefon oder Online-Banking haben und wollen mit „echtem Geld“, also Bargeld, ihre Einkäufe bezahlen. Da es aber immer mehr Einrichtungen gibt, die Bargeld nicht akzeptieren, so besteht natürlich die Gefahr, dass eine komfortable Versorgung älterer Menschen nicht mehr möglich ist. „Es ist eine Negativspirale“, so Dillen, „in Schweden sind es gerade einmal 25 Prozent, die mindestens einmal pro Woche Bargeld verwenden.“ 


Kann Paydirekt für den Umschwung sorgen? 

Während die Deutschen das Online-Banking bereits akzeptiert haben, scheint es dennoch noch eine zu große Abneigung gegen das Bezahlen mit Karte oder Smartphone zu geben. Der Umstand, dass sich das bargeldlose Bezahlen aber noch nicht in der Breite durchsetzen konnte, liegt aber nicht ausschließlich an den deutschen Verbrauchern. Es gibt einfach zu viele Geschäfte und Restaurants, die ausschließlich nur Bargeld akzeptieren. Zudem gibt es im Handel eindeutig zu wenige Terminals - auf einen Geldautomaten kommen in Deutschland 13 Terminals für die bargeldlose Bezahlung, in Schweden sind es 91. Auch die Bilanz von „Paydirekt“ zeigt, dass die Deutschen extrem skeptisch sind, wenn es um neue Bezahlmöglichkeiten geht: Zwei Jahre, nachdem Paydirekt gestartet wurde, gibt es in Deutschland gerade einmal 1,6 Millionen Kunden - PayPal nutzen hingegen 19 Millionen Menschen. 

Dass Paydirekt die deutsche Alternative zum US-Konzern PayPal sein soll, war von Anfang an kein Geheimnis - jedoch sieht es nach rund zwei Jahren so aus, als würde der Deutsche das Angebot nicht nutzen. Wohl auch, weil es nicht viele Online-Händler gibt, die die Option Paydirekt anbieten - derzeit sind es rund 20 Prozent. „Paydirekt ist das klassische Beispiel, dass die Banken einem Markt nachlaufen, der schon längst verteilt wurde. Man hat PayPal unterschätzt und muss jetzt weitaus mehr Energie und auch Geld investieren, wenn man den Anschluss nicht verlieren will“, so ein Sprecher des Beratungsunternehmens Barkow Consulting. 


Auf der Suche nach Alternativen 

Die Tatsache, dass die Deutschen das Bargeld lieben, hat natürlich dazu geführt, dass Unternehmen nach Alternativen Ausschau halten, um dennoch das Bezahlen per Karte schmackhaft zu machen. Denn auch wenn der Deutsche lieber mit Scheinen und Münzen bezahlt, so gibt es dennoch die Digitalisierung, die nicht ignoriert werden darf. Der Meinung war beispielsweise auch o2 und schuf das sogenannte o2 Banking. Nun können Kunden an den Supermarktkassen kostenlose Ein- und auch Auszahlungen vornehmen lassen. Eine Funktion, die in mehr als 11.000 Partnerfilialen zur Verfügung steht. Eine MasterCard ist nicht notwendig - der Vorgang funktioniert auch über eine App. Bezahlen per Smartphone soll so auch in Deutschland attraktiv werden. Jetzt stellt sich am Ende nur die Frage, ob die Deutschen das Angebot auch annehmen werden.