Bayer-Aktie: Absturz mit Ansage

Schon am frühen Vormittag musste die Bayer-Aktie einen Einbruch von über 11 Prozent verbuchen - mit einem Wert von 83,07 Euro befand man sich zu Beginn der Woche am tiefsten Stand seit dem Mai 2016. Der Grund für die Talfahrt war das Urteil eines kalifornischen Geschworenengerichts: Monsanto, der von Bayer übernommene Agrarkonzern, muss einem an Krebs erkrankten Hausmeister 254 Millionen Euro Entschädigung bezahlen. Laut Urteil waren es nämlich die glyphosathaltigen Herbizide aus dem Hause Monsanto, die am Ende für den Lymphdrüsenkrebs verantwortlich waren. Ein Urteil mit einer möglichen Signalwirkung.

Das hat sich der deutsche Konzern Bayer wohl anders vorgestellt: Nachdem das Geschworenengericht Monsanto zu einer Geldstrafe von 254 Millionen Euro verdonnerte, stürzte der im DAX gelistete Titel um über 11 Prozent ab. Zudem wurde auch das Kursziel des Bayer-Papiers korrigiert - statt 135 Euro liegt man nun bei 90 Euro. In weiterer Folge wurde das Wertpapier auch von „Outperform“ auf „Neutral“ abgestuft. „Das Urteil hat extreme Auswirkungen auf das Papier von Bayer. Ob richtig oder falsch spielt hier keine Rolle mehr“, so die Mehrheit der Analysten. Ob der Abwärtstrend nun vorprogrammiert ist? „Man darf jetzt nicht in Panik verfallen“, so Stephen McGarry, ein Analyst der britischen Bank HSBC. „Wichtig ist, dass man bei der Präsentation der Zahlen im September darauf achtet, wie viel Geld das Unternehmen für die Risiken zurückgestellt hat, die in Verbindung mit Glyphosat stehen.“

 

Geschworene entschieden zugunsten des Klägers Johnson

Dewayne Johnson, ein Hausmeister einer Schule in Kalifornien, zog gegen Monsanto vor Gericht, weil er ständig mit den Unkrautvernichtern Ranger Pro oder Roundup zu tun hatte, die aus dem Hause des Agrarkonzern sind. „Monsanto hat die Risiken bewusst verschwiegen“, so der Hausmeister, der an Lymphdrüsenkrebs erkrankte. „Ich hätte die Produkte nie an der Schule eingesetzt, wenn ich die Gefahren gekannt hätte.“ Nach einem vierwöchigen Prozess kamen die Geschworenen zu dem Ergebnis, Monsanto müsse Johnson eine Entschädigung in Höhe von 254 Millionen Euro zahlen. „Das Unternehmen hat eindeutig mit Vorsatz gehandelt“, so die Begründung der Geschworenen.

 

Auch Bayer erleidet durch das Urteil einen Imageschaden

Auch wenn es erstmals nur um einen Einzelfall geht, so bildet der Prozess dennoch den Anfang einer Reihe zahlreicher anderer Fälle, die allesamt noch anhängig sind und nun natürlich auch von der Öffentlichkeit ganz genau verfolgt werden. Dass natürlich ein Imageschaden eingetreten ist, das mag anhand der Tatsache, dass Monsanto von einem Geschworenengericht verurteilt wurde, kein Geheimnis mehr sein. Wohl auch ein Grund, warum Bayer nach dem kompletten Vollzug der Übernahme den Namen auch endgültig verschwinden lassen will - denn schon vor dem Urteil des Gerichts kämpfte Monsanto mit einem ausgesprochen fragwürdigen Image.

 

Verweis auf über 800 Studien

Fakt ist: Der Fall Johnson bleibt einer von vielen Fällen, die demnächst vor einem Gericht behandelt werden - zudem kann man davon ausgehen, dass die anderen Fälle auch allesamt wie der erste Fall abgehandelt werden. Am Ende dreht sich jetzt alles um die Verteidigungslinie von Bayer und Monsanto, die auf „mehr als 800 Studien“ verweisen, die belegen sollen, dass es keinen Zusammenhang zwischen Glyphosat und Krebs gibt. Und auch wenn man dabei auf die US-Umweltbehörde EPA verweisen kann, so gibt es dennoch die Internationale Krebsforschungsagentur der WHO, die 2015 zu dem Ergebnis kam, der Unkrautvernichter sei „wahrscheinlich krebserregend“.