Europäischer Gegenentwurf zu Facebook

Nach seinen Aussagen braucht Europa eine eigene digitale Infrastruktur, die von den USA unabhängig funktioniert. Er ist der Meinung, dass es genügend Anbieter gibt, die ein vielfältiges Angebot sicherstellen, dass eine solche Plattform mit Inhalten füllen könnte. Private und öffentlich-rechtliche Sendeanstalten oder Verlage wären gute Partner, da sie selbst nach Alternativen suchen, um junge Zielgruppen sich zu gewinnen. Auch Organisationen sowie Einrichtungen aus den Bereichen Kultur und Wissenschaft sind Ansprechpartner, die Beiträge liefern können.

Wilhelm hat schon genaue Vorstellungen über das Angebot. Ein einheitliches Anmeldesystem ist für ihn die Grundvoraussetzung. Selbstverständlich muss ferner eine Suchfunktion vorhanden sein, durch welche die User schnell auf die gewünschten Inhalte und Informationen Zugriff haben. Damit die Plattform eine Vielzahl von Interessenten anspricht, muss die Angebotsvielfalt garantiert sein. Auf diese Weise könnte man viele Europäer zusammenführen und auf diesem Weg zu einer engeren Bindung der einzelnen Staaten beitragen. Außerdem entsteht ein neues Forum für den Meinungsaustausch und zur Interaktion. Daher ist es wichtig, dass möglichst viele Unternehmen und Verantwortliche sich an diesem Projekt beteiligen und ihre Inhalte hier präsentieren. 

Die Kosten sind nach Ansicht von Wilhelm dabei im Vergleich zur Wirksamkeit minimal. Schon 50 Millionen Euro reichen, nach seiner Meinung, dafür aus. Banken und Stiftungen können dieses zur Verfügung stellen. Die Möglichkeiten auf große Gewinne überwiegen, weshalb die Risiken minimal sind. Je mehr Institution dabei mitmachen, umso kleiner fallen die Beträge aus. Sobald das Startkapital vorhanden ist, soll es zur Entwicklung eines ersten Musters kommen. Die Regierungen sind wichtig, wenn es um die Inhalte und die Anbieter geht. Diese sollen als Moderatoren auftreten und Eckpfeiler entwickeln, an die sich alle Partner halten müssen. Ist dieser Schritt vollzogen, müssen sich die Staaten aus dem Projekt zurückziehen und dieses sich nun frei weiterentwickeln lassen. Für Ulrich Wilhelm ist es wichtig, dass man den amerikanischen Plattformen nicht das Feld überlässt.

Doch er möchte, dass es bei der Regulierung zu Fortschritten kommt. Bewusste Falschmeldungen und das institutionelle Beeinflussen von Meinungen stellen Schwierigkeiten dar, für die es die richtigen Abwehrmechanismen geben muss. Geschäftsbedingungen, welche die Unternehmen für ihre Mitglieder festgelegt haben, sind dabei keine Richtlinie. Für ihn sind feste Vorschriften und Gesetze, die von Regierungen kommen, ein Herausstellungsmerkmal gegenüber den amerikanischen Plattformen.

Zusätzlich haben Europa und die USA unterschiedliche Ansichten, wenn es um den Datenschutz und die Privatsphäre geht. Ein europäischer Anbieter ist gezwungen, sich an diese zu halten. Das Verbrauchervertrauen steht dabei im Fokus. Beim Recht auf freie Meinungsäußerung gibt es ebenfalls deutliche Unterschiede. Amerikaner genießen hier größere Freiheiten. Viele Aussagen, die Bürger der Vereinigten Staaten tätigen, würden in Europa und Deutschland zu strafrechtlichen Ermittlungen und einer möglichen Verurteilung führen.

Es bleibt abzuwarten, ob ein solches Netzwerk zu diesem Zeitpunkt noch eine ernstzunehmende europäische Konkurrenz zu den amerikanischen Riesen werden kann.