Beim Sparen machen die Deutschen nahezu alles falsch

Die Lebenserwartung der Deutschen steigt deutlich und natürlich möchten die Bürger ihren Lebensabend so angenehm wie möglich verbringen. Damit das gelingt, brauchen sie das notwendige Kapital. Betriebsrenten und die durch die Einzahlung in das Rentensystem abgeführten Beiträge sichern ein angenehmes Rentnerdasein nicht mehr ab. Der Aufbau eines eigenen Kapitalstocks ist daher notwendig.

Doch die Bundesbürger begehen dabei jede Menge Fehler. Durch diese entgehen ihnen hohe Erträge und zusätzlich müssen sie mehr ihres Gehalts für die Alterssicherung aufbringen.


Es beginnt schon bei der Auswahl der geeigneten Produkte. Die Anleger sind konservativ und vertrauen alten Finanzanlagen, die schon seit Jahrzehnten auf dem Markt sind. Diese erlebten bis jetzt keine Veränderung und passen daher nicht mehr ins heutige Umfeld. Die Renditen sind minimal und liegen zumeist sogar unterhalb der Teuerungsrate. Folgerichtig fährt der private Investor Verluste ein, ohne dass er diese bemerkt.


Die eigene Zukunftsplanung und die Realität stimmen in den meisten Fällen ebenfalls nicht überein. Große Anschaffungen und eine Verbesserung der Lebensumstände verlegt der Deutsche ins Rentenalter. Er vergisst dabei aber, dass er dafür das notwendige Kapital braucht. Dieses bekommt er nur, wenn er sich um seine Altersvorsorge kümmert und sein Vermögen gewinnbringend anlegt. Eine Studie des Instituts „Fidelity“ belegt diese These.


Ein genauerer Blick auf die Zahlen und Daten

21 Prozent des Bruttogehalts müssen Arbeitnehmer statistisch in der Bundesrepublik für die Altersvorsorge zurücklegen. Diese Gelder fehlen ihnen im Alltag und stellen somit eine Einschränkung dar. Die Kaufkraft sinkt, weshalb weniger Anschaffungen möglich sind.


Ein Blick in andere Länder ist daher lohnend. In Japan und Kanada fallen diese Belastungen mit 16 Prozent wesentlich geringer aus. Auch US-Amerikaner nutzen nur ungefähr 15 Prozent ihres Gehalts für Altersrücklagen. In Großbritannien liegt diese Quote sogar nur bei 13 Prozent.


Warum fällt die notwendige Rücklagenhöhe unterschiedlich aus

Deutsche Angestellte, die bis zum 67. Lebensjahr tätig sind, müssen das Zehnfache ihres jährlichen Bruttoeinkommens bis dahin angespart haben. Wer 40.000 € pro Jahr verdient, benötigt nach diesen Berechnungen ein Vermögen von 400.000 €, damit ein schöner Lebensabend gewährleistet ist. Im Vereinigten Königreich und in Japan herrschen deutlich bessere Bedingungen. Das Siebenfache ist dort ausreichend, was in diesem Beispiel 280.000 € entspricht. Da es in diesen Ländern weniger Einschränkungen gibt, erreichen die Bewohner dieses Ziel leichter. Dabei muss der Betrachter aber berücksichtigen, dass die Sozialleistungen wesentlich geringer sind. Arbeitslosengelder fallen niedriger aus, oder eine solche Absicherung ist gar nicht vorhanden.


Gründe für diese Schwierigkeiten

Die zurückhaltende Herangehensweise ist das größte Problem. Eine reale Wertsteigerung von nur zwei Prozent wird durchschnittlich erzielt. Hierbei ist die Inflation schon eingerechnet. Amerikaner hingegen dürfen sich über 3,5 Prozent freuen. Aus den für die Daten berücksichtigen Wirtschaftsnationen schneidet nur Japan schlechter als Deutschland ab. Doch die Lebensvoraussetzungen und -einstellungen sind anders. Japaner sind allgemein bescheidener, weshalb sie weniger Ersparnisse angewiesen sind.
So benötigen sie nur 72 Prozent des letzten Nettoeinkommens für ein erfülltes Leben nach dem Beruf. 86 Prozent sind es dagegen in der Bundesrepublik. Ab diesem Prozentsatz sind die ehemaligen Berufstätigen mit ihrer Einkommenslage zufrieden, weshalb diese Zahlen einen wichtigen Referenzpunkt darstellen.


Schlussfolgerungen

Folgerichtig ist es für deutsche Arbeitnehmer schwer, die Lücke, die sich zwischen den zugesagten Altersmitteln und der eigentlich notwendigen Summe, zu schließen. Jeder ist dazu aufgerufen, dass er mehr Verantwortung übernimmt und die Initiative ergreift. Das liegt auch daran, dass die staatliche Unterstützung deutlich sinkt. Die garantierte Rentenhöhe ist dabei ein ausschlaggebender Punkt. Immer kleiner fällt dieser Prozentsatz aus, weshalb mehr Anstrengungen in Eigenregie nötig sind. Wer sich nicht selbst um eine angemessene Lösung kümmert, dem droht die Altersarmut. Falsche Wege des Geldvermehrens und ein zu später Start beim Aufbau der Rücklagen sind häufige Aspekte, die dabei eine Rolle spielen.


Die von Fidelity verwendete Rechengrundlage

Für ihr Zahlenbeispiel gingen die Experten von einer Person aus, die im Alter von 25 Jahren mit dem Sparen fürs Alter beginnt und sich mit 67 Jahren vom Arbeitsalltag verabschiedet und noch 24 Jahre von seiner Rente leben muss. Hier ist die betriebliche Vorsorge ein interessanter Gesichtspunkt, denn sie führt zu deutlichen Entlastungen. Wer in einem Unternehmen arbeitet, das für seine Mitarbeiter vorsorgt und 10 Prozent der Gesamtlast übernimmt, der muss nur 16 Prozent selbst investieren. Bei 20 Prozent sind es sogar nur noch 12 Prozent der eigenen Gelder, die für die Altersvorsorge gebraucht werden.