Belastungsprobe Dieselskandal: Welcher Autobauer übersteht die Herausforderung?

Beim Autosalon in Paris sind die deutschen Modelle noch immer die größten Highlights der Show. Auch in diesem Jahr hat BMW sich nicht lumpen lassen und neben der X5er-Reihe und dem neuen 8er-Coupe auch noch die neue 3er-Reihe vorgestellt. Sie ist das wohl wichtigste Produkt, das BMW derzeit in seinem Portfolio hat und dafür zuständig, dass die Gewinne auch in diesen Zeiten den Aktionären zu steigenden Kursen verhelfen. Während man sich beim Autosalon zwar kritisch aber gleichzeitig relativ gelassen gibt, dürfte die Realität hinter den Kulissen in diesen Tagen anders aussehen. Die Dieselkrise hat die deutschen Autobauer fest im Griff und bisher ist keine endgültige Lösung abzusehen. Noch ungewisser sind höchstens die Kosten, die auf die Autobauer zukommen.

Die Gründe dafür sind vielfältig: Mit der Zinslage ist den Autobauern so wenig geholfen wie mit dem steten Anstieg der Handelsstreitigkeiten. Der Brexit wird den europäischen Markt verändern und BMWs immerhin viertgrößten Absatzmarkt auf ungewisse Zeit mit Belastungen konfrontieren. Darüber hinaus sind auch das Wachstum in China, das Umdenken bei den Konsumenten und die Konkurrenz aus dem Bereich der Elektronik-Autos wohl ausreichend Grund dafür, dass die eine oder andere Sorgenfalte bei den Entscheidern zu sehen sein dürfte.

Dazu kommen dann auch noch die Probleme in der Heimat: Noch während man sich beim Autosalon in Paris selbst feiern lässt, kommen die Spitzen der Regierung in Berlin zusammen und entscheiden, dass sich die Autobauer an den Kosten für die Umrüstungen der alten Diesle-Fahrzeuge beteiligen müssen.


Die Diesel-Problematik könnte die Autobauer in die Krise stürzen

Sowohl Daimler als auch BMW verweigern sich einer Umrüstung von Altfahrzeugen in Hinblick auf neue Filter. Daher wird man bei diesen Marken in den kommenden Jahren damit kalkulieren müssen, dass die Käufer eine entsprechende Prämie bekommen, wenn sie ihre alten Fahrzeuge umtauschen. Die Umtauschprämien können sich unter Umständen auf 4000 bis 6000 Euro pro Fahrzeug belaufen - und damit zu einer Belastung für die Bilanzen im heimischen Markt werden. Daimler wird sogar bis zu 10.000 Euro in den Regionen anbieten, die künftig von Fahrverboten bedroht sind.

Die Umrüstung ist nötig: Viele der Altdiesel sind eine ernsthafte Gefahr für die Umwelt. Mit den Umrüstungen bzw. den Umtäuschen soll dafür gesorgt werden, dass man Fahrverbote in den gefährdeten Regionen verhindert. Das ist der politische Wille und man kann recht sicher sein, dass Berlin den Druck auf die Hersteller aus dem Inland ebenso aufrecht erhalten wird, wie auf ausländische Marken, die mit ihren Autos weiterhin auf deutschen Straßen unterwegs sein wollen.

Während Experten die möglichen Kosten für die Hersteller in die Milliardenhöhe kalkulieren, verweisen andere Insider der Branche darauf, dass es sich hierbei auch um eine Chance für die Unternehmen handeln kann. Sie sind jetzt gezwungen, sich von einigen Fahrzeugen aus ihrem Portfolio zu trennen und gleichzeitig die Anstrengungen für die Entwicklung neuer und umweltfreundlicher Antriebe zu verstärken.


Die Automärkte brechen nach dem Boom ein

Die Entwicklung der Autobranche ist derzeit problematisch. Einzig in China ist überhaupt noch ein Wachstum bei den Marktanteilen zu verzeichnen. Die Kernmärkte in den USA und Europa sind gesättigt. Das liegt auch daran, dass nach der Einführung des neuen Standards WLTP VW und Audi beispielsweise viele Modelle auf den Markt geworfen haben und dafür sorgten, dass dieser einen kurzzeitigen Boom erfahren hat, der sich nun zum Ende des Jahres zu rächen droht. Um 30% ist der Markt für die Autos im September eingebrochen, die meisten Marken dürften mit einem Minus aus dem letzten Quartal hervorgehen und weitere Gewinnwarnungen sind quasi unumgänglich. Das steigert natürlich den Druck an den Börsen und im internationalen Geschäft.

Es bleibt abzuwarten, wie die Autobauer auf die neuen und vor allem unerwarteten Herausforderungen reagieren. Der Markt dürfte sich auch im Jahr 2019 nicht so verhalten, wie man es in den langfristigen und mittelfristigen Planungen vorgesehen hat. Das wird dazu führen, dass man vielleicht einige Pläne bei den Expansionen stoppen muss. So oder so müssen die Marken nun warten, ob es sich um eine dauerhafte Krise handelt oder nur eine kurze Diskrepanz in den eigenen Prognosen, die durch außergewöhnliche Umstände hervorgerufen wurde.