Dr. Guido Krüger
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Besitz im Ausland: Besondere Herausforderungen bei der Vermögensnachfolge

Inhaber von Auslandsvermögen tun gut daran, sich frühzeitig mit den steuer- und erbrechtlichen Implikationen zu befassen. Diese können weitreichend sein.

Auf Deutschland rollt eine wahre Erbschaftswelle zu. Schätzungen des Deutschen Instituts für Altersvorsorge gehen davon aus, dass von 2015 bis 2024 rund 3,1 Billionen Euro vererbt werden. Zum Abgleich: 2017 wurde in Deutschland ein Vermögen von insgesamt etwa 97 Milliarden Euro vererbt und verschenkt. Darunter befindet sich auch ein gewichtiger Teil an Auslandsvermögen: Kein Land hat so hohe Auslandsvermögen wie die Bundesrepublik. Daten der Deutschen Bundesbank ergeben, dass sich die Vermögenswerte der Deutschen im Ausland auf zwei Billionen Euro netto belaufen.


Immobilien, Beteiligungen, Wertpapiere: Assetklassen, die in Deutschland üblicherweise zur Kapitalanlage genutzt werden, besitzen natürlich auch im Ausland eine hohe Attraktivität. Dadurch sollen Risiken und Chancen international diversifiziert werden, weitere starke Währungen kommen ins Portfolio, und Vermögende erlangen eine gewisse Unabhängigkeit von politischen Entwicklungen in Deutschland und je nach Streuung vielleicht auch von der Europäischen Union.

Diese internationale Allokation führt aber gleichzeitig zu besonderen Herausforderungen bei der Vermögensnachfolge. So birgt Auslandsvermögen beispielsweise die Gefahr einer doppelten Besteuerung im Erb- beziehungsweise Schenkungsfall. Dies wird insbesondere vor dem Hintergrund deutlich, dass Deutschland lediglich sechs Doppelbesteuerungsabkommen für Erbschaft- beziehungsweise Schenkungsteuerzwecke abgeschlossen hat. Doppelbesteuerung besagt zunächst nichts anderes, als dass ein Vermögenswert innerhalb eines identischen Zeitraums in der Regel in zwei Jurisdiktionen (also Deutschland und ein weiterer Staat) einer gleichartigen Besteuerung unterliegt.

Um die Folgen der Mehrfachbesteuerung von ein und demselben Vermögensübergang zu mildern, sehen sowohl die nationalen Steuergesetze als auch die internationalen Doppelbesteuerungsabkommen entsprechende Regelungen vor. Im Kern geht es darum, dass entweder durch Freistellung oder Anrechnung der ausländischen Erbschaftsteuer eine Doppelbesteuerung vermieden wird. Aber: Im Gegensatz zum Ertragsteuerrecht besteht im Erbschaftsteuerrecht kein umfassendes DBA-Netz. Deutschland hat bisher nur mit Dänemark, Frankreich, Griechenland, Schweden, Schweiz und den USA ein Doppelbesteuerungsabkommen für Zwecke der Erbschaftsteuer (ErbSt-DBA) geschlossen.

Ein zentrales Instrument ist zudem die Anrechnungsmöglichkeit nach § 21 Erbschaftsteuergesetz. Dies besagt, dass bei unbeschrankter Erbschaftsteuerpflicht auf Antrag die auf den Auslandserwerb entfallende deutsche Erbschaftsteuer um den anrechnungsfähigen Betrag der ausländischen Steuer gekürzt wird. Das führt aber letztlich auch dazu, dass die Steuerbelastung auf dem höheren Steuerniveau der beiden Staaten verbleibt. Und: Eine ausländische Steuer kann nur dann angerechnet werden, wenn es sich im Ausland um eine der deutschen Erb- beziehungsweise Schenkungsteuer entsprechende Steuer handelt. So sind beispielsweise die auf die Aufdeckung von stillen Reserven erhobenen Wertzuwachssteuern wie die kanadische „Capital Gain Tax“ nicht anrechenbar.

Der steuerlichen Planung und Gestaltung bei der Übertragung von Auslandsvermögen kommt daher große Bedeutung zu. Schließlich geht es bei diesen Überlegungen um den strategischen Vermögensschutz, für den es möglicherweise teure Fehler bestmöglich zu vermeiden gilt. Je eher die Überlegungen hinsichtlich der Übertragung starten, desto länger ist Zeit, die passenden Regelungen zu finden.

Mit dem Steuerrecht eng verbunden ist innerhalb der Europäischen Union auch die Europäische Erbrechtsverordnung. Diese regelt, welches nationale Erbrecht anzuwenden ist, wenn Vermögen in mehreren EU-Staaten zu vererben ist, um einen Rahmen für die einheitliche Behandlung von Erbfällen schaffen. Damit besteht Wahlfreiheit für den Vermögensnachfolger, er kann sich aussuchen, welches Erbrecht für ihn gelten soll, wenn er Auslandsvermögen wie eine Immobilie besitzt.

Er sollte sich aber aller Konsequenzen bewusst sein. Zum Beispiel ist das Berliner Testament als eine in Deutschland gängige Sonderform des gemeinschaftlichen Ehegattentestaments in Spanien unbekannt und wird nicht zwingend von den Gerichten anerkannt, und grundsätzlich sind die in Deutschland durchaus gehobenen Freibeträge bei Schenkung und Erbschaft in einigen EU-Staaten deutlich reduziert. Eigentümer tun also gut daran, sich frühzeitig mit den steuer- und erbrechtlichen Implikationen zu befassen.


Dr. Guido Krüger, Fachanwalt für Steuerrecht, ist Partner der Wirtschaftskanzlei Beiten Burkhardt und Mitglied des weltweiten Leitungsausschusses. Er berät Familienunternehmen bei sämtlichen steuerlichen und gesellschaftsrechtlichen Fragestellungen und begleitet Familienunternehmer dabei, wirksame Modell für den privaten Vermögensschutz und die langfristige Entwicklung des Privatvermögens zu entwickeln. 

Mehr Informationen unter www.beiten-burkhardt.com