Bester Halbjahres-Absatz in der Geschichte von VW

Im Diesel-Skandal hat die Staatsanwaltschaft Braunschweig Aktien an die Anwälte der VW-Manager verschickt. Trotz der bevorstehendne Anklage und des angeschlagenen Vertrauens in VW konnte der Autobauer seinen Umsatz überraschend steigern. Gut läuft es vor allem in Südamerika und Brasilien.

Der Diesel-Skandal hatte für VW erhebliche Konsequenzen. Chef Martin Winterkorn musste zurücktreten und befand sich mehrere Monate in Untersuchungshaft und der Rückruf der betroffenen Fahrzeuge kostete den Konzern Milliarden. Alleine in den USA mussten rund 600.000 Fahrzeuge zurückgerufen werden. Insgesamt sind durch den Skandal und die damit verbundenen Sanktionen und Entschädigungen Kosten von mehr als 25 Milliarden Euro entstanden. Nach Abschluss der Umrüstungsmaßnahmen, Reparaturen und eines etwaigen Gerichtsverfahrens könnten Gesamtkosten von 100 Milliarden Euro stehen. Die Staatsanwaltschaft will demnächst über eine Anklage entscheiden.
Ermittelt wird unter anderem gegen den EX-VW-Konzernchef Martin Winterkorn und dessen Nachfolger Herbert Diess. Winterkorn könnte in den USA eine lebenslange Haftstrafe drohen. Auch der Aufsichtsratsvorsitzende Hans Dieter Pötsch könnte wegen möglicher Marktmanipulation bald vor Gericht stehen. 


Autobauer steigert Absätze

Trotz des Diesel-Skandals konnte der Konzern seinen Absatz deutlich erhöhen. Im Vergleich zum Vorjahr hat VW ein Plus von 4,1 Prozent gemacht und insgesamt 958.600 Fahrzeuge verkauft. Aktuell schwächelt der Autokonzern jedoch und liegt hinter der Konkurrenz von Seat und Skoda zurück, die im Juni einen besonders hohen Absatz verzeichnen konnten. Nur Audi hat mit 3,8 Prozent weniger veräußerten Autos mehr Verlust gemacht.
In der Region Asien-Pazifik musste VW einen Verlust von 1,2 Prozent verzeichnen. Dort waren zum 1. Juli die Einfuhrzölle auf Importwagen gesenkt worden, was bei den chinesischen Verkäufern zu einer spürbaren Zurückhaltung führte. In Südamerika konnte des Absatz um 11,2 Prozent auf 48.700 Fahrzeuge gesteigert werden. Das größte Plus gab es jedoch in Brasilien, wo der Autobauer mit 33.300 verkauften Fahrzeugen sein Geschäft um 29,6 Prozent steigerte


VW hat Aktionsplan erfüllt 

EU-Justizkommissarin Vera Jourova teilte mit, dass VW inzwischen 80 Prozent der betroffenen Fahrzeuge repariert habe. Fahrzeughalter, die ein defektes VW-Fahrzeug erworben haben, können dieses in den Vertragswerkstätten des Autobauers noch bis Ende 2020 kostenfrei zur Reparatur bringen.
Durch die jüngsten Maßnahmen strebt der Konzern eine Wiederherstellung des Vertrauens an, welches durch den Diesel-Skandal stark beschädigt wurde. Eine verbesserte Informationspolitik soll dazu beitragen, dass die Kunden über den Stand des Aktionsplanes aufgeklärt bleiben. Dieser soll indes zwar wie versprochen erfüllt worden sein, „aber das ist alles“, so Jourova. Es bleibt also abzuwarten, ob und wie VW in den nächsten Jahren agieren wird, um den schweren Skandal, der stark an dem Image des Traditionsunternehmens gerüttelt hat, vollständig zu überwinden.