Bike-Sharing - der einstige Zukunftsmarkt für Investoren in China

Der einstige Hoffnungsmarkt China mit mehr als einer Milliarde potentiellen Fahrradfahrern entwickelt sich nicht nur für Leihfahrrad- Investoren zu einem Trauerspiel.

Was für die Deutschen das Auto ist, ist für die Chinesen seit jeher das Fahrrad. Wie in vielen asiatischen Ländern gilt der Drahtesel besonders in den Metropolen als eine günstige und einfache Möglichkeit, wie man recht schnell durch den Verkehr kommt. Angesichts der zunehmenden Anzahl von Verkahrsstaus auf den Straßen von Städten wie Peking oder Hongkong bietet es sich auch für Touristen an, die Fahrräder auf dem Weg zum nächsten Ziel zu nutzen. Daraus erwuchs vor einigen Jahren die Bike-Sharing-Branche. Was einst als Hoffnungsmarkt für Investoren begann, trägt nun aber geradezu groteske Folgen mit sich.

 

Bike-Sharing - der einstige Zukunftsmarkt für Investoren in China

Vor etwa zwei Jahren hat sich mit der Bike-Sharing-Branche ein neuer Wachstumsmarkt in China entwickelt, der auch die Investoren anzog. Über eine Milliarde US-Dollar wurde in Unternehmen investiert, die in den Großstädten Chinas Fahrräder zur Leihe angeboten haben. Angesichts dessen, dass sich noch immer rund 90 Prozent der Einwohner in Chinas Städten mit dem Fahrrad durch den Verkehr bewegen, schien dieses Konzept mehr als sinnvoll zu sein. So war es nicht mehr nötig stets ein eigenes Fahrrad zu haben und darauf achten zu müssen - stattdessen konnte man auf ein Angebot der Sharing-Anbieter zurückgreifen.

Daraus erwuchs eine neue Start-Up-Branche, die nicht alleine in China anzufinden war, sondern binnen kurzer Zeit auch nach Europa schwappte. Die Masse an Geldern, die durch Investoren in diese Unternehmen geflossen ist, ist selbst für die Wachstumsmärkte in China eine Seltenheit gewesen. Das Konzept war einfach: Überall in den Großstädten Chinas sollten Fahrräder an den wichtigsten Orten stationiert werden. Mit der Hilfe einer App konnte das Schloss deaktiviert werden - und künftig zahlte man für die Minute oder den Kilometer einen festen Preis. Eine GPS-Ortung erlaubt es, die Fahrräder an jedem Ort in China wiederzufinden. Das Problem war die reine Masse an Anbietern, die nun der Reihe nach in die Insolvenz gehen.

 

Leihfahrräder enden als Müll auf den chinesischen Deponien

Viele der Unternehmen aus diesem Bereich sind inzwischen Pleite. Die Nummer drei auf dem Markt musste in jüngster Vergangenheit Insolvenz anmelden - ein gutes Beispiel dafür, wie der einstige Markt mit Aussichten auf Wachstum schnell wieder eingebrochen ist. Daran war unter anderem der Umstand schuld, dass die Preise für die Leihe viel zu niedrig angesetzt worden sind und durch die steigende Konkurrenz niemals einen wirklichen Gewinn versprachen. Während die Investoren mit ziemlicher Sicherheit ihr Investment abschreiben können, ist nun in China zu bemerken, wie die alten Fahrräder zu einem Problem für das Stadtbild werden. Die verrostenden Fahrräder werden nicht nur zu einem Ärgernis für die Umwelt, sie sind mitunter sogar ein deutliches Sicherheitsrisiko für die anderen Teilnehmer im Straßenverkehr.

Entsprechend dessen lassen die Stadtverwaltungen mit ganzen LKW-Ladungen die Fahrräder von den Straßen und Bürgersteigen entfernen. So kommt es, dass es nun ganze Deponien gibt, auf denen nur die Überreste des einstigen Booms der Sharing-Branche zu bewundern sind.

Die Blase, die nun in China bereits am platzen ist, scheint die Unternehmen nicht davon abzuhalten, ihr Glück an anderer Stelle zu probieren. So gibt es nun auch in Europa - besonders in London, Paris und Berlin - die ersten Ableger der chinesischen Firmen, die mit ihrem Investment in China gescheitert sind. Auch hier gibt es die ersten Beschwerden darüber, dass die Fahrräder zu einem Problem für die Innenstadt werden. Demnach scheint der Boom noch kein wirkliches Ende gefunden zu haben.