Billions: Macht ist die ultimative Währung

In früheren Serien waren die Reichen Millionäre, heute müssen es schon Milliardäre sein. Bobby Axelrod, gespielt von Damian Lewis (Homeland), tritt in "Billions" als rücksichtsloser Hedgefonds-Manager auf. Er zieht alle Register zur Vermehrung seines Kapitals. Auch vor verbotenen Insidergeschäften schreckt er nicht zurück. Seine hedonistisch-lockere Art erinnert eher an einen Startup- Entrepreneur, und seine Macht nutzt er gnadenlos aus - nicht nur, um noch mehr Geld zu scheffeln. Der Bundesstaatsanwalt Chuck Rhoades (Paul Giamatti) ist ihm deshalb auf den Fersen, aber so von seinem Minderwertigkeitskomplex zerfressen, dass er den verhassten Charmeur Axelrod nicht überführen kann. Der verbohrte Ermittler hat jedoch ein festes Ziel im Leben: Karriere in der Politik machen. Deshalb setzt er alles daran, Axelrods Insidergeschäfte nachzuweisen und ihn ins Gefängnis zu bringen. Die medienwirksame Jagd auf den Finanzhai soll seine Chancen aufs Gouverneursamt erhöhen. Allerdings gibt es ein nicht unbedeutendes Problem: Rhoades Frau ist eine bekannte Psychotrainerin, die an Axelrods Seite arbeitet. Rhoades Befangenheit steht seiner Besessenheit, Axelrod zu entlarven, entgegen. Diese hindert ihn letztendlich aber nicht, weiterhin die Ermittlungen zu leiten.



Das Machtgefüge

Für Chuck Rhoades sind Regeln im Leben wichtig und jeder sollte sich - ob sinnvoll oder nicht - pedantisch daran halten. Bobby Axelrod dagegen ist ein Lebemann, ein charmanter Mistkerl, genährt von Luxus und Wohlstand. Während Axelrod in einer tollen Firma arbeitet, muss Rhoades seinen Job in einem armseligen Beamtenbüro verrichten, das nur über künstliches Licht verfügt. Es entwickelt sich ein Duell, das sich vor allem auch auf persönlicher Ebene abspielt: So schafft es Rhoades mit Beweisen eine Strafe von 1,9 Milliarden Dollar gegen Axelrod festzusetzen. Da diese Summe aber durch eine außergerichtlichen Vereinbarung statt einer medial wirksameren Verhandlung zustande kommt, fühlt sich Rhoades wie so oft unterlegen. 

Ein Dialog in dem Axelrod Rhoades erklärt, dass diese Strafe für ihn lächerlich ist und er den Verlust innerhalb von wenigen Monaten wieder ausgeglichen hat, offenbart, wie sehr sich die Kontrahenten verachten. Da Rhoades zudem viel weniger verdient als seine Frau, offenbart einen weiteren Schwachpunkt seiner Psyche. 

Wendy Rhoades ist als Bindeglied zwischen diesen beiden virilen Charakteren eigentlich die mächtigste Person der Serie. Sie ist die Einzige, die Axelrod in die Schranken weisen kann und versteht es auf beinahe satirische Art, die Mitarbeiter zu motivieren und sich an den Machtverhältnissen zu berauschen.
 

Der Suchtfaktor

Als Zuschauer kann man sich kaum mit Bobby Axelrod identifizieren. Für viele ist die Wall Street eine Bühne für Narzissten und die immensen Summen, die dort täglich erwirtschaftet und verloren werden, unvorstellbar. Er ist manipulativ und rücksichtslos. Trotzdem fasziniert er durch seine charmante "Trickbetrüger-Manier", denn in seiner Position würde man vermutlich ähnlich agieren und den Status genießen. Chuck Rhoades ist ebenso ein Antiheld, unterdrückt durch sadomasochistischen Sex mit seiner Frau und zerissen in seinem Wunsch nach Anerkennung.

Billions kann trotzdem süchtig machen: großartig besetzte Schauspieler, zwieträchtige Charaktere und eine unvorhersehbare Handlung, die immer wieder geschickt die diversen Justizfälle mit dem Privatleben von Chuck Rhoades und Bobby Axelrod verbindet. Die Serie basiert auf dem realen Fall des New Yorker Staatsanwaltes Preet Bharara und dessen Kampf gegen den Hedgefonds-Manager Steve Cohen und die Firma S.A.C. Capital Advisors. Die ersten beiden Staffeln (24 Episoden insgesamt) gibt es bereits in deutscher Synchronisation auf DVD, die dritte Staffel wird gerade abgedreht. Sehr empfehlenswert!