Biotech: Wachstumsmarkt auch für Investoren

Der Markt der Biotechnologie brummt und ist für Anleger interessant, die von den langfristigen Entwicklungsperspektiven der Unternehmen profitieren wollen. Besonders die Kombination aus Demografie, Lebenswandel und Innovationsfähigkeit macht den Sektor attraktiv.

Der globale Gesundheitsmarkt ist sehr dynamisch: Die Investitionen in allen Bereichen steigen, bis 2020 werden allein in Deutschland rund 90 Milliarden Euro mit gesundheitlichen Dienstleistungen umgesetzt. 2016 waren es etwa 75 Milliarden Euro, von denen allein circa 47 Milliarden Euro auf die Pharmaindustrie entfallen sind. Die Tendenz ist steigend. Biotechnologie steht dabei besonders im Fokus.

Die USA sind weiterhin der führende Markt für Biotech-Unternehmen, aber auch in Deutschland ist ein Wachstum spürbar. „Die deutsche Biotechnologie-Branche wächst seit Jahren kontinuierlich und bildet einen zentralen Eckpfeiler für den Aufbau einer biobasierten Wirtschaft“, heißt es beispielsweise beim Bundeswissenschaftsministerium.

Biotech ist damit auch ein Wachstumsmarkt für Investoren, die von den langfristigen Entwicklungsperspektiven profitieren wollen. Schon heute ist der Biotech-Markt riesig: Der Schweizer Asset Manager Bellevue weist auf ein weltweites Marktvolumen von aktuell rund 130 Milliarden US-Dollar und auf ein Umsatzwachstum von zehn Prozent hin. Damit ist die Biotechnologie der Subsektor der Gesundheitsindustrie mit dem größten Wachstumspotenzial – weit vor Pharma mit rund drei Prozent und Medizintechnologie mit maximal sechs Prozent.

 

Viele Wachstumstreiber

„Die langfristigen Wachstumstreiber sind unverändert intakt. Wir sehen unter anderem eine alternde Bevölkerung und eine zunehmende Fettleibigkeit, aber gleichzeitig einen auf Innovationen konzentrierten US-Gesundheitsmarkt. Dieses Dreieck aus Demografie, Lebenswandel und Innovationsfähigkeit macht den Biotech-Markt so interessant“, sagt Dr. Christian Lach, bei Bellevue im Fondsmanagement des „BB Adamant Biotech“ tätig.

Und die Biotechnologie-Unternehmen dominieren die Neuzulassungen im US-Gesundheitsmarkt. 59 Medikamente hat die US-Gesundheitsbehörde FDA im vergangenen Jahr freigegeben, davon stammen laut Bellevue knapp zwei Drittel aus Biotech-Laboren. Technologie-Durchbrüche hätten die Unternehmen unter anderem in der Gen- und Zelltherapie und beim Einsatz bispezifischer Antikörper (potenzielles Therapiekonzept in der Krebsimmuntherapie) erreicht.

Ein brandheißes Zukunftsthema trägt die sperrige Abkürzung CRISPR (Clustered Regularly Interspaced Short Palindromic Repeats). Der Einsatz dieser sogenannten „Gen-Scheren“ könnte die Zukunftsmedizin revolutionieren, da das Werkzeug z.B. eine Resistenz gegen das Eindringen fremden Erbguts von Viren verschafft. Will heißen: Mit CRISPR kann in das Erbgut des Menschen eingegriffen und beispielsweise ein bestimmtes, den Organismus schädigendes Gen ausgeschaltet werden. Dabei gilt es die ethisch-moralischen Grenzen genau im Auge zu behalten: Im November 2018 berichtete ein chinesischer Forscher, es seien Zwillinge zur Welt gekommen, bei denen er im Embryonalstadium gezielt ein Gen ausgeschaltet habe. Die chinesischen Behörden waren nicht informiert und in Zukunft könnte ein Wissenschaftler für etwaige Konsequenzen von Editing-Versuchen an Embryonen persönlich verantwortlich gemacht werden.  

 

Starke Kurszuwächse

Das Potenzial von Gen-Editing ist dennoch enorm: Die Aktie von CRISPR Therapeutics, einem der Hersteller von CRISPR-Medikamenten, hat auf Sicht von 36 Monaten 145 Prozent gewonnen. CRISPR Therapeutics kooperiert mit Vertex, einem globalen Biotech-Unternehmen, das sich der Entdeckung und Entwicklung kleinmolekularer Arzneimittel zur Behandlung von schweren Erkrankungen verschrieben hat. Das Unternehmen hat seinen Börsenwert in den vergangenen drei Jahren mehr als verdoppelt und seit Mai 2018 rund 13,5 Prozent zugelegt.

Vertex ist auch ein Portfoliounternehmen des „BB Adamant Biotech“. Aus gutem Grund. „Vertex gehört heute zu den Top-10 Biotech-Firmen und beweist ein tiefes Verständnis molekularer Vorgänge bei der Medikamentenentwicklung“, sagt Bellevue-Fondsmanager Dr. Hanns Frohnmeyer. „Vertex verfolgt eine erfolgreiche Kombinationsstrategie verschiedener Medikamente und dringt in neue Gebiete der Onkologie und der seltenen Krankheiten wie die Sichelzellanämie vor.“

 

Milliardenumsätze in Sicht

Die Fondsmanager schauen gelassen in die Biotech-Zukunft und bleiben für 2019 optimistisch. Neue therapeutische Indikationen hätten das Potenzial für Milliardenumsätze, und generell weise die Branche attraktive Fundamentaldaten und Bewertungen auf. Dabei sei auch die beginnende Übernahmewelle in dem Sektor wichtig. M&A-Aktivitäten sind für viele Unternehmen echte Werttreiber und können Investoren viel Geld in die Kasse spülen.

Das hat sich im Biotech-Markt schon mehrmals gezeigt. Der US-Biotech-Gigant Gilead Sciences hat im Sommer 2017 für 11,9 Milliarden US-Dollar das kleine US-Biotech-Unternehmen Kite Pharma übernommen, das zwei Monate vor der Übernahme noch mit etwa 3,3 Milliarden US-Dollar an der Börse bewertet wurde. Und zuletzt wurden Tesaro, Celgene und Loxo Oncology von Schwergewichten übernommen – mit Aufschlägen von 52 bis 110 Prozent für die Aktionäre. Der „BB Adamant Biotech“ war in diesen Unternehmen investiert.