BIZ: Kryptowährungen taugen nicht als Geldersatz

BIZ-Generaldirektor Augustin Carstens brachte es im Rahmen einer Vorlesung an der Frankfurter Goethe-Universität auf den Punkt: Der Bitcoin sei "eine Kombination aus Blase, Schneeballsystem und Umweltkatastrophe". Ganz so weit geht die BIZ in ihrem Jahresbericht nicht. Doch die Bank der Zentralbanken ist kritisch. 

Sie betont, Geld müsse einen stabilen Wert haben, damit es als Transaktionsmedium tauge. Kryptowährungen versuchen das Vertrauen in ihren Wert herzustellen, indem sie das Wachstum der Geldmenge durch feste Regeln limitieren. Starre Regeln zum Geldmengenwachstum sind nach Auffassung der Berichtverfasser indes verantwortlich für die extreme Volatilität von Bitcoin und Konsorten. Für einen stabilen Geldwert müsse sich das Geldangebot elastisch der jeweiligen Nachfrage anpassen können. Den besten Weg, dies zu erreichen, sieht die BIZ – wenig erstaunlich – in der verantwortungsvollen Geldpolitik unabhängiger Zentralbanken.

 

Volatil, schlecht skalierbar und umweltschädlich

Ein weiterer Nachteil der Kryptowährungen ist laut BIZ deren schlechte Skalierbarkeit. Während beispielsweise das Visa-System im Jahr 2017 durchschnittlich 3.526 Transaktionen pro Sekunde verarbeitete, waren es beim Bitcoin-Netzwerk gerade einmal 3,3 Transaktionen pro Sekunde. Die mangelnde Verarbeitungskapazität führte dazu, dass im letzten Dezember die Transaktionsgebühren einer Bitcoin-Überweisung auf bis zu 57 US-Dollar anstiegen. 

Zudem erfordert die verteilte Struktur von Kryptowährungen den Austausch enormer Datenmengen. Falls die Kapazität von Bitcoin auf das Niveau von Visa oder Mastercard ausgebaut wird, befürchtet die BIZ nichts weniger als den Kollaps des Internets. Auch die Umweltbelastung ist ein Punkt, den die internationale Institution mit Hauptsitz in Basel moniert: Allein das Bitcoin-Mining verbraucht pro Jahr mehr Strom als die ganze Schweiz.

Darüber hinaus warnen die Berichtverfasser vor Sicherheitsproblemen. Bei Kryptowährungen, die – wie der Bitcoin – auf das Proof-of-Work-Verfahren setzen, können Miner betrügerische Transaktionen durchführen, sofern sie über mehr als die Hälfte der gesamten Rechenleistung verfügen. Angesichts der zunehmenden Konzentration auf wenige Mining-Pools erkennt die BIZ darin ein reales Problem.

 

Blockchain hat Potenzial

Trotz aller Kritik an den Kryptowährungen ortet der BIZ-Jahresbericht bei der Blockchain-Technologie Potenzial. Als Anwendungsbeispiele erwähnt er die grenzüberschreitende Überweisung von Kleinbeträgen und die Vereinfachung komplexer Transaktionen durch Smart Contracts. Ein gewisses Potenzial sieht die BIZ auch bei Blockchain-basierten Zentralbankwährungen. Beim Interbanken-Clearing könnten sie möglicherweise helfen, Transaktionskosten zu sparen. Denn die heute verwendeten Zahlungssysteme seien veraltet und teuer. Hingegen gefährdet digitales Zentralbankgeld für die Öffentlichkeit nach Ansicht der BIZ die Finanzstabilität.