Börsengang von Healthineers - größte Neuemission an der Frankfurter Börse?

Die Siemens-Tochter Healthineers, die das Konzerngeschäft mit Medizintechnik betreibt, will vor Ostern 2018 an die Börse. Das gab Siemens am Montag (12. März 2018) bekannt. Der offizielle Startschuss für den IPO könnte den größten deutschen Börsengang der letzten zwei Jahrzehnte einläuten.

Erlös bis sieben Milliarden Euro?

Der IPO könnte in der Spitze zu sieben Milliarden Euro einbringen - unter Umständen sogar noch mehr, denn die Nachfrage nach den Aktien ist hoch. Das wäre ein Rekordwert. Der Aufsichtsratschef von Healthineers und Siemens-Vorstand Michael Sen ist zuversichtlich und verwies in einem Statement darauf, dass Siemens Healthineers nun für sein Börsendebüt bereit sei. Dennoch erhält die Medizinsparte nichts vom Erlös, dieser geht vollständig an Siemens. Der Mutterkonzern wird aber damit die Hälfte der Healthineers-Schulden tilgen, wodurch die Erlanger Tochter größeren Spielraum etwa für Übernahmen erhielte.

In Zukunft kann Healthineers dann eigene Aktien für die Finanzierung von Zukäufen verwenden. Das sei nötig, sagte der Healthineers-Geschäftsführer Bernd Montag, denn man brauche diese zusätzliche Freiheit für den Ausbau seiner globalen Führungsrolle. Die Position von Healthineers sei im weltweiten Maßstab sehr stark, man werde die Zukunft des Healthcare-Sektors wesentlich mitgestalten. In einigen Sparten - so beim Imaging (Röntgengeräte und MRTs) - ist Healthineers der unangefochtene Weltmarktführer, muss aber für weitere Investitionen auf Kapitalzuflüsse von Siemens hoffen.

Auch die Labordiagnostik ist sehr gut aufgestellt, auch wenn Healthineers nur den weltweit zweiten Rang hinter Roche einnimmt. Hier erhofft man sich einen Innovationsschub durch das neue Diagnose-System Atellica. Auch die dritte Säule des Healthineers-Geschäfts ist sehr interessant: Unter "Advanced Therapies" vermarktet das Unternehmen Operations-Roboter.

Hohe Schätzungen für den Healthineers-Börsenwert

Healthineers dürfte die wertvollste und auch rentabelste Sparte von Siemens sein. Der Umsatz lag 2017 bei 13,8 Milliarden Euro, dabei betrug der operative Gewinn 2,5 Milliarden Euro - mit ~18 % eine sehr hohe Marge in diesem Sektor. Analysten gehen von einem Börsenwert zwischen 35 und 36 Milliarden Euro aus, es gibt auch Schätzungen um 40 Milliarden Euro. Für die ausreichende Aktienliquidität wird Siemens einen bedeutenden Minderheitsanteil seiner Tochter Healthineers beim IPO platzieren, dennoch werde der Mutterkonzern langfristig die Mehrheit halten, wie es in einer Mitteilung hieß. Finanzfachleute rechnen mit einer Platzierung von bis zu 20 %, was für den Börsengang ein Volumen von mindestens fünf und vielleicht auch über sieben Milliarden Euro erwarten ließe.

Wenn das obere Ende der anvisierten Spanne erreicht wird, gäbe es mit dem Siemens Healthineers IPO einen neuen Rekord an der Börse in Frankfurt: Es wäre die größte Neuemission seit dem Telekom-Börsengang von 1996. Danach folgen bislang auf den Plätzen zwei und drei die Deutsche Post mit 6,25 Milliarden Euro sowie die frühere Siemens-Tochter Infineon mit 6,07 Milliarden. Beide Börsengänge fanden im Jahr 2000 statt. Siemens könnte sich noch einen großen Ankerinvestor ins Boot holen, ein Staatsfonds wäre prädestiniert. Dessen Milliarden-Order würde den Erfolg der Emission auch bei einer wackligen Börse absichern. Allerdings stünden dann weniger Aktien zum Verkauf, was der Siemens-Konzern wahrscheinlich nicht möchte. Insider gehen davon aus, dass es dem Unternehmen nicht auf die absolute Höhe des Erlöses ankommt, Schwankungen um rund eine Milliarde Euro würde er wohl tolerieren.

Hohe Nachfrage nach den Healthineers-Aktien

Für die Aktien gibt es schon Vorbestellungen und damit Notierungen, im vorbörslichen Handel liegen diese bei Lang & Schwarz zwischen 34,75 und 36,10 Euro. Das ist deutlich über der Zeichnungsspanne, was auf eine hohe Nachfrage verweist. Dass der IPO noch vor Ostern stattfindet, scheint ausgemacht zu sein. Siemens und Healthineers hatten sich zwar offiziell nur auf einen Zeitpunkt im ersten Halbjahr 2018 festgelegt, doch der bisherige Verlauf der IPO-Vorbereitung ab der "Intention to float" verweist auf einen Termin voraussichtlich noch im März. Die Organisation des IPOs obliegt der Deutschen Bank, JPMorgan, Goldman Sachs und - für die Unterstützung des Verkaufs - elf weitere Banken.