Bosch - der IT-Konzern?

Wie Bosch jüngst bekannt gab, nimmt das Unternehmen Abstand von der Batterieentwicklung und setzt stattdessen auf die digitale Vernetzung. Mit der Neueröffnung der Fabrikhalle in Ludwigsburg soll ein erster Schritt in die richtige Richtung unternommen werden, denn dort zieht die Start-up GmbH ein, die mittlerweile auf den Namen „Grow“ hört.

Die neue Fabrikhalle

Die Vorstellung der umgebauten Fabrikhalle war für den Vorstandsvorsitzenden Volkmar Denner etwas Besonderes, denn 200 Boschler finden hier einen neuen Job. Zudem soll das Umfeld die Innovationskraft der Mitarbeiter stärken. Beim Umbau wurden keine Kosten gescheut, sodass Künstler für ein spezielles Wand- und Deckendesign sowie für den Bau einer norwegischen Blockhütte beauftragt wurden. Laut Denner sind alle Investitionen, die die Ideenfindung der Mitarbeiter verbessern, eine gute Investition in die Zukunft des Unternehmens.

Mittlerweile befindet sich der Stiftungskonzern zudem im größten Umbruch der Unternehmensgeschichte. So wurde beispielsweise der milliardenschwere Aufbau der Batteriezellenfertigung abgesagt und stattdessen der Fokus auf die digitale Vernetzung gelegt. Diese Entscheidung resultiert in einem großen Umbruch für das Traditionsunternehmen, dass in Zukunft den aktuellen Größen der IT-Branche Paroli bieten möchte. Die Themen rund um Chip-Technologien, Software und Vernetzung sind für das schwäbische Unternehmen neue Themen und große Herausforderungen. Zudem sind die Akquisitionen passender Unternehmen sehr kapitalintensiv, sodass die aktuelle Liquidität von rund 15 Milliarden Euro im Vergleich zu den Giganten aus dem Silicon Valley recht knapp bemessen ist.

Vernetzung der realen Welt

Laut Denner legt Bosch jedoch keinen Fokus auf die Vernetzung der rein digitalen Welt, sondern setzt einen klaren Fokus auf die reale Welt. Bereits früh konnte das Unternehmen das Internet of Things (IoT) als eine der spannendsten Entwicklungen der Zukunft identifizieren und sich mittlerweile als Innovationsführer etablieren. Auch Partnerschaften mit IT-Giganten wie SAP, Software AG oder IBM sollen den technologischen Fortschritt vorantreiben.

Um diesem neuen Innovationsgedanken Rechnung zu tragen wurde auch das milliardenschwere Batterieprojekt abgesagt. Mehr als 20 Milliarden Euro sollten in den Aufbau einer Batteriezellenfertigung investiert werden. Doch laut Aussagen des Vorstandsvorsitzenden wäre dies nur starr gebundenes Kapital, dass nicht in das neue Konzept des Unternehmens passe. Das Unternehmen fokussiert sich nun vermehrt auf kleinere Projekte, sodass das Unternehmen Mitarbeiter sucht, die für ihre Ideen brennen.

Eine Wette auf die Zukunft

Neben der Rolle des Vorstandsvorsitzenden bekleidet Denner auch die Position des Forschungs- und Entwicklungschefs. Dies mag einer der Gründe für die historischen Ausgaben in Höhe von 7,5 Milliarden Euro sein, die in die Forschung und Entwicklung investiert werden. Die Wette zielt dabei klar auf die maschinelle Vernetzung ab, denn ab einem gewissen Punkt werden alle Boschprodukte miteinander vernetzt sein und über künstliche Intelligenz verfügen. Doch auch in die klassischen Geschäftsfelder wird weiterhin investiert, sodass Denner davon ausgeht, dass der Lieferanteil des Konzerns beim Elektroauto höher als beim klassischen Verbrenner sein wird.

Laut der Aussage einiger Analysten sind jedoch diese Investitionen in die Zukunft zwingend erforderlich und ein Bestandteil des Zulieferergeschäfts. Dieser Umschwung macht sich mittlerweile bemerkbar, denn bereits 25.000 Entwickler gehören dem Konzern an. Zudem verfügt Bosch über ein eigenes Softwarehaus, Plattformen für das IoT sowie Beteiligungen an IOTA. Insbesondere über IOTA und die Blockchain-Technologie soll der Aspekt der Sicherheit erforscht werden. Auch das Abwerben vaon passenden Personal ist unter dem neuen Chef keine Seltenheit mehr, sodass Bosch ständig die Stammbelegschaft mit neuen und innovativen Mitarbeitern verstärkt.