„Boutiquenfonds stehen erst ganz am Anfang“
4 min
2022-01-13

„Boutiquenfonds stehen erst ganz am Anfang“

Kleinere unabhängige Vermögensverwalter liegen im Trend. CAPinside hat mit Pro BoutiquenFonds-Geschäftsführer Sven Hoppenhöft gesprochen, warum Fondsboutiquen für Anleger so spannend sind und was die Asset Manager in ihrer Kommunikation noch verbessern müssen.

Die Marktanteile von unabhängigen Asset Managern liegen in Deutschland bei knapp 13 Prozent – Tendenz steigend. Im internationalen Vergleich haben Boutiquen-Fonds hierzulande ein enormes Aufholpotenzial. Der Anbieter Pro BoutiquenFonds (PBF) arbeitet daran, den Bekanntheitsgrad der Fondsboutiquen zu steigern und gemeinsam mit der Branche die Vorteile herauszustellen. PBF-Geschäftsführer Sven Hoppenhöft erklärt im Interview, was das besondere an den Themenspezialisten ist und wie die Asset Manager ihre Sichtbarkeit erhöhen können.




CAPinside: Fonds von unabhängigen Asset Managern erleben seit Jahren einen Boom. Gerade kleine Themenspezialisten werden immer beliebter. Woran liegt das?

Sven Hoppenhöft: Fondsboutiquen haben eine ganze Reihe von Vorteilen gegenüber den großen Anbietern, die zu einer Bank oder Versicherung gehören. Zum Beispiel bringen kurze Entscheidungswege die Möglichkeit zu schnelleren Reaktionen auf Marktveränderungen zumal bei kleinerem Fondsvolumen unterhalb der Milliardengrenze. Rücksichtnahmen auf Konzerninteressen sind hier nicht erforderlich, daher können Investmententscheidungen konsequent umgesetzt und auch eher benchmarkferne Konzepte realisiert werden.


Welche Qualitäten schätzen Investoren an den Boutiquen besonders?

Hoppenhöft: Viele Manager von Boutiquenfonds verfügen als Quereinsteiger über exzellente Branchenkenntnisse, die sie in gute Performance umsetzen. Außerdem sind sie fast immer auch selbst mit beachtlichen Beträgen in ihren eigenen Fonds investiert, was automatisch eine Gleichrichtung mit den Interessen der Anleger mit sich bringt. Personelle Stabilität im Management ist darüber hinaus ein wesentliches Merkmal der Boutiquenfonds.


Sie unterstützen Anbietern von Boutiquenfonds beim Vertrieb und das Marketing ihrer Produkte. Was ist das Besondere an ihrer Zielgruppe und welche Wünsche hat sie?

Hoppenhöft: Mit unseren Marketing- und Vertriebsunterstützungsmaßnahmen sorgen wir dafür, dass die kreativen Anlagekonzepte der Fondsboutiquen, die darüber hinaus meist auch eine bessere Wertentwicklung für die Anleger bringen, am Markt besser wahrgenommen werden. Wir wenden uns daher an alle boutiquen-affinen Investoren, die wir mit unseren Dienstleistungen ebenfalls dabei unterstützen, die ‚richtigen‘ Fondskonzepte zu finden. Dabei liegen uns insbesondere Fondsboutiquen am Herzen, die klare Alleinstellungsmerkmale am Markt haben und diese erfolgreich für ihre Investoren einsetzen.





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Kleinere und inhabergeführte Boutiquen-Teams haben den Vorteil einer höheren Geschwindigkeit und die Herausforderung der hoch individualisierten Kundenansprache. Welche Faktoren machen eine gute Anleger- und Kundenkommunikation aus Ihrer Sicht aus?

Hoppenhöft: Wichtig ist aus unserer Sicht die klare Definition der eigenen Alleinstellungsmerkmale. Alle Aktivitäten, egal über welche Kanäle, sollten darauf einzahlen. Da die personellen Kapazitäten der Fondsboutiquen begrenzt sind und sich – anders als bei vielen großen Gesellschaften – eher auf das reine Asset Management fokussieren, sind Kooperationen mit externen Unterstützern sehr sinnvoll. Entscheidend dabei ist aber, dass die gewünschte Transparenz und Betonung der persönlichen Verantwortung nicht verlorengehen, sie stärken das unabdingbare Vertrauen in die handelnden Personen und damit den Fondserfolg.


Warum sollte ein Asset Manager mit Pro BoutiquenFonds zusammenarbeiten? Wie unterstützen Sie die Asset Manager bei der Erhöhung ihrer Sichtbarkeit?

Hoppenhöft: Unsere drei Geschäftsführer verfügen über zusammen mehr als 100 Jahre Markterfahrung und daraus resultierend ein umfassendes Netzwerk an wertvollen Kontakten in der Branche. Wir verfügen mit klarem Fokus nur auf an Fondsboutiquen interessierten B2B-Adressen über vielfältige Möglichkeiten der öffentlichkeitswirksamen Darstellung unserer Partner. Sei es über redaktionelle Artikel auf unserer Website, den verbundenen Newsletter, unsere Social-Media-Aktivitäten, die Aufzeichnung von Podcasts, die Durchführung von Manager-Webinaren, die Aufzeichnung von Video-Interviews, die Vermittlung von Teilnahmen an Vermögensverwalter-Roundtables mit renommierten Zeitungen und vieles andere mehr – unsere Maßnahmen sind immer zielgerichtet. Zahlreiche Medien-Kooperationen runden das Dienstleistungsspektrum ab.



Welches sind die klassischen Kommunikationskanäle für Fondsboutiquen und wie unterscheiden die sich zu den großen Playern? Konkret: Welche Möglichkeiten habe ich als spezialisierter Anbieter, den die großen Player nicht haben?

Hoppenhöft: Viele Fonds wurden in der Vergangenheit von unabhängigen Vermögensverwaltern aufgelegt, die ihren Kunden steuerliche Vorteile oder Zugang zu Investitionsmöglichkeiten für institutionelle Investoren bieten wollten. Da wurde meist Face to Face im Besprechungsraum kommuniziert oder auch mal eine Information per Post versandt. Das ist natürlich lange Geschichte, auch durch den zunehmenden Markteintritt reiner Asset Management Gesellschaften werden heute alle modernen Kommunikationswege genutzt, natürlich mit meist deutlich kleinerem Budget als es die großen Fondsgesellschaften zur Verfügung haben. Daher wenden sich die Gesellschaften fast ausschließlich an B2B-Adressen.

Ich denke, die wesentlichen Unterschiede in der Kommunikation heute liegen darin, dass Fondsboutiquen transparenter Informieren, die Manager persönlich auch für den Anleger erreichbar sind und wenig Scheu haben, eine klare Marktmeinung zu äußern – schließlich müssen sie auf keine Konzerninteressen oder Vorgaben Rücksicht nehmen.


Die Fondsbranche ist nicht unbedingt für ihre innovative Kommunikation bekannt. Welche digitalen und analogen Kommunikationskanäle muss ich als Fondsboutique heute bespielen?

Hoppenhöft: In der Tat sind die meisten Fondsanbieter sicherlich nicht die Vorreiter bei innovativen Wegen der Investorenansprache gewesen – aber hier tut sich derzeit eine Menge und die neuen Möglichkeiten der digitalen Kanäle werden zunehmend genutzt. Neue Impulse hat sicherlich die in 2021 erstmalige Verleihung der Boutiquen Awards gegeben, die nach einem qualitativen und quantitativen Auswahlverfahren einer prominent besetzten Jury ausschließlich an Boutiquen mit einem Assetvolumen unter einer Milliarde Euro vergeben wurden. Durch die in schwierigem Umfeld erfreulich hohe Teilnehmerzahl dieser Veranstaltung und die positive Presseresonanz fühlen wir uns als Mitveranstalter ermutigt, am 6. Oktober 2022 erneut ausgezeichneten Leistungen eine Bühne zu bieten. Auch eine weitere Innovation war erfolgreich: der Themenkanal „Unabhängige Vermögensverwalter“ mit dem Münchner Merkur. Hier musste nicht der online-Leser die jeweilige Fondsvorstellung finden, sondern der Artikel fand den Leser und mehr als 100.000 Nutzer konnten so erreicht werden.


Wie sieht Ihre Prognose für die Zukunft aus? Befinden wir uns gerade am Höhepunkt der „Nischenangebote“ oder stehen wir erst am Beginn?

Hoppenhöft: Am Höhepunkt? Keinesfalls, wenn Sie sich die Marktanteile von Fondsboutiquen in anderen Ländern ansehen, dann sind wir eher ganz am Anfang. In Deutschland hatten unabhängige Asset Manager per Jahresmitte einen Anteil von 12,8 Prozent mit deutlich steigender Tendenz, Ende 2019 waren es erst 10,5 Prozent.


Wie müssen die Boutiquen zukünftig ihre Kommunikation ausrichten?

Hoppenhöft: Der Bedarf an unabhängiger Beratung und professioneller Unterstützung bei den eigenen Investments nimmt in den aktuell eher schwierigen Zeiten mit Negativzinsen und aufkommender Inflation weiter zu. Hier erarbeiten sich die Fondsboutiquen immer mehr ein großes Anlegervertrauen, das sich in beständig wachsenden Fondsvolumina widerspiegelt. Skalierbare digitale Kommunikationskanäle werden künftig sicherlich eine wichtigere Rolle spielen, um ein stärkeres „Grundrauschen“ im Markt zu erzeugen und bekannter zu werden.

Allerdings plädieren wir auch dafür, auf der analogen Schiene den persönlichen Austausch mit den Fondsanlegern nicht zu vernachlässigen, denn die persönliche Erreichbarkeit und Verantwortungsübernahme sind wichtige Vorteile für die von uns betreuten Fondsboutiquen.

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