Buffett & Co – Gucken, nicht abkupfern

Anlegen wie Warren Buffett? Klar, gern doch. Oder investieren wie David Swensen – immer! Denn diese Investoren-Legenden fahren stetig hohe Renditen ein. Nur in der Praxis lassen sich deren Strategien kaum ohne weiteres kopieren. Aber etwas anderes schon.

Hand aufs Herz: Wer hat nicht schon mal verstohlen Artikel a la „Fit wie Ronaldo“ geschmökert? Ist auch eine tolle Vorstellung. Doch leider eben nicht mehr. Das gleiche gilt für Anlagetipps. In Zeiten niedriger Leitzinsen und nervöser Märkte heißt es nicht nur die Nerven zu bewahren, sondern auch die jeweilige Anlagestrategie im Auge zu behalten. Das kostet Zeit, die der Normalanleger nicht hat. Einfach, weil er tagsüber einem Beruf nachgehen muss, der in aller Regel nichts mit der Börse zu tun hat. „Investieren wie Warren Buffett“ ist daher ähnlich verträumt wie „Fußballspielen wie Ronaldo“. Allerdings nicht ganz.

Denn etwas lässt sich schon von den Vorbildern lernen, sei es bei der Geldanlage oder beim Sport. Sogar ohne den Job hinzuschmeißen und pro Tag 1000 Situps zu machen. Was sich zum Beispiel vom Portugiesen mitnehmen lässt? Dessen Konzentration, Wille, Selbstdisziplin. Sie hilft auf Champions-League-Level wie auf Kreisklasse-Niveau. Aber auch von den Anlageikonen lässt sich durchaus etwas übernehmen. Nicht deren komplexe Investment-Strategien, sondern eine Kernidee, ein Leitsatz, wenn man so will. Und das ist derzeit nicht das Schlechteste.   

 

Edel-Uni lässt grüßen

Nehmen wir David Swensen. Vielen Privatanlegern sagt der Mann nichts. Was auch daran liegt, dass er nicht bei einem großen Asset Manager arbeitet, sondern bei einem Stiftungsfonds. Damit sorgt er vereinfacht gesagt dafür, dass die renommierte US-Universität Yale immer ausreichend Geld hat, etwa für die Forschung. Dafür hat er eine Art Freibrief erhalten: Wenn er Aktien kaufen will, kann er bei Aktien zugreifen. Will er Wald und damit nachwachsende Rohstoffe ins Portfolio heben, kauft er Wald. Private Equity gefällig? Kein Problem, seine Dienstherren lassen ihm viel Freiheit und er zahlt das Vertrauen mit satten Erträgen zurück. Über 11 Prozent im Jahr legt sein Fonds zu, gerechnet über 20 Jahre. Die Lektion daraus für den Privatanleger?

Eben nicht der Kauf von Private Equity in Spanien oder von Waldstücken in Rumänien. Schreibt Swensen übrigens auch selbst in seinem Buch „Erfolgreich Investieren“. Stattdessen sollten Privatanleger in sich gehen und fragen, wo die finanzielle Reise hingehen soll. Etwa in einen entspannten Ruhestand oder in Richtung neues Auto. Die Ziele definieren, einen Zeithorizont setzen. Und das Ganze mit Anlageklassen umsetzen, die für jeden zugänglich sind. In den Alltag übersetzt bedeutet dieser Merksatz: Als Basisanlage taugen Multi-Asset-Fonds, nicht aber Kryptowährungen.

 

Norwegischer Atem

Auch von den Norwegern lässt sich lernen. Der Staatsfonds des Landes ist nämlich seit Jahren erfolgreich darin, das Vermögen des Landes zu mehren. Wie? Mit einem mehr als langen Atem, einer langfristigen Strategie. Und indem die Mannen um den Strategen Yngve Slyngstad das Vermögen breit streuen. Über 9.000 Beteiligungen hat der Fonds. Kunststück bei der Menge an Geld? Vielleicht, immerhin stecken über 800 Milliarden Euro darin. Doch mit Investmentfonds klappt die Streuung bereits mit kleinem Geld. Wertpapierleihe und was der Staatsfonds sonst noch machen mag? Kann dem Privatanleger egal sein.

 

Das Buffett-Prinzip

Und was ist nun mit Warren Buffett? Der Altmeister der Geldanlage wirkt auf seinen jährlichen Hauptversammlungen zwar immer etwas Onkelhaft – doch seine Strategie ist weit von Karo-Einfach entfernt: Unterbewertete Aktien weltweit aufzuspüren, erfordert eine Menge Arbeit und Erfahrung. Buffett schafft es trotzdem und schlägt damit seit Jahrzehnten den Vergleichsindex S&P 500 immer wieder. Entsprechend ist auch für Privatanleger der Blick nach Omaha mehr als lohnend. Nur eben nicht, um seinen Stil einfach zu kopieren.

Das Spicken funktioniert bei dem Amerikaner recht gut, weil er zum Beispiel immer wieder erwähnt, was er seiner Frau nach seinem Ableben finanziell raten würde – einen ETF zu kaufen. Unter anderem aus Kostengründen. Auch so ein Lehrsatz, der für Privatanleger sehr wichtig ist: „Hin und Her“ macht bekanntlich Taschen leer. Und den neuesten Trends hinterherzurennen ebenso. Einfach, weil die Transaktionskosten dadurch in die Höhe steigen.

Klüger dürfte es sein, einen langen Atem zu entwickeln, breit zu streuen sowie auf die Kosten zu achten. Dazu braucht es keinen Buffett, keinen Slyngstad und keinen Swensen. Nur einen kurzen Blick auf deren Arbeit.