Cambridge Analytica meldet Insolvenz an

Die britisch-amerikanische Firma Cambridge Analytica, die zentral in den Facebook-Datenskandal verwickelt ist, hat Insolvenz angemeldet.

Manipulierte Medienberichte Grund für das Aus

Cambridge Analytica sei das Opfer manipulativer Medienberichte geworden. Das Unternehmen weist die Vorwürfe wegen versuchter Beeinflussung der US-Wahl und der gesetzeswidrigen Nutzung von Millionen Facebook-Daten weiter zurück. Es beschreibt diese als legal und völlig üblich. Das Image der Firma habe aber durch Medienberichte so gelitten, dass eine "prekäre finanzielle Situation" den Fortbestand des Unternehmens nun unmöglich mache. Laut Wall Street Journal wurden bereits alle Angestellten aufgefordert, die firmeneigenen Laptops zurückzugeben. In einer Erklärung des Unternehmens hieß es:

"Obwohl diese Entscheidung extrem schmerzhaft für die Führung von Cambridge Analytica war, erkennt sie an, dass es für die engagierten Angestellten umso schwerer ist, die heute erfahren haben, dass sie ihre Jobs als Resultat der unfairen Berichterstattung durch die Medien verlieren werden."

Vorwürfe weiter bestritten

Cambridge Analytica wird verdächtigt, Nutzerdaten zu Geschlecht, sexueller Orientierung oder politischer Einstellung von bis zu 87 Millionen Facebook-Nutzern missbräuchlich verwendet zu haben, um daraus Persönlichkeitsprofile zu erstellen. Mittels einer speziellen Software wurden die Nutzer dann mit individuell zugeschnittenen politischen Botschaften versorgt.

Damit habe man das Wahlverhalten der Nutzer beeinflussen wollen. Cambridge Analytica soll auf diese Weise eine entscheidende Rolle bei der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten und auch während der Brexit-Kampagnen in Großbritannien 2016 gespielt haben.

Facebook, dessen Gründer und Konzernchef Mark Zuckerberg mittlerweile zwei Mal vor einen Ausschuss des US-Kongresses vorgeladen wurde, hatte Cambridge Analytica aufgefordert, die Daten zu löschen. Das Unternehmen ignorierte die Bitte und bestreitet weiter alle Vorwürfe.

Der ehemalige Chef der Firma, Alexander Nix, der vom britischen Fernsehsender Channel 4 dabei gefilmt wurde, wie er prahlte, Wahlkämpfe durch Schmiergeldzahlungen und Schmutzkampagnen gezielt beeinflussen zu können, war im März nach den Berichten suspendiert worden. Cambridge Analytica leitete dann eine unabhängige Untersuchung der Vorwürfe ein, konnte aber seine Kunden nicht mehr halten. Im April hatte auch der kommissarisch amtierende Chef, Alexander Tayler, die Firma verlassen.

Auch Dachgesellschaft SCL Group schließt

Cambridge Analytica teilte mit, auch die britische Dachgesellschaft SCL Group melde Insolvenz an. Unklar blieb bislang, ob von der Schließung auch die Firmen Emerdata und Firecrest Technologies betroffen sind. In den Kontrollgremien dieser Firmen sitzen die Spitzenvertreter der SCL Group, darunter auch Rebekah und Jennifer Mercer, die Töchter des konservativen Milliardärs Robert Mercer.

Robert Mercer finanzierte die Gründung von Cambridge Analytica mit 15 Millionen Dollar. Stephen Bannon, damals Leiter der Webseite Breitbart News Network, war Mitbegründer und Namensgeber von Cambridge Analytica. Die Familienstiftung Mercer Family Foundation unterstützte Donald Trump öffentlich während seines Wahlkampfes und ist weiterhin ein wichtiger Sponsor von Breitbart News.

Übernimmt jetzt Emerdata das Datengeschäft?

Die Schließung von Cambridge Analytica wird daher nur für einen Winkelzug gehalten, der dem Unternehmen erlaubt, die Aktivitäten der Firma unter einem anderen Namen fortführen zu können.

Firecrest Technologies wurde erst im März 2018 gegründet. Die Firma Emerdata residiert im gleichen Londoner Geschäftsgebäude wie Cambridge Analytica. Emerdata sei schon im August 2017 gegründet worden, um langfristig die SLC Group übernehmen zu können.

Britischen Medienberichten zufolge ist die Firma Emerdata über das Vorstandsmitglied Johnson Chun Shun Ko eng mit der privaten Sicherheitsfirma Frontier Services Group verbunden, in dessen Vorstand Erik Prince, ebenfalls ein erklärter Trump-Unterstützer und Gründer des privaten Söldnerunternehmens Blackwater US, die Geschäfte leitet.