CAPinside Investment Summit: Hybride Finanzberatung als Erfolgsmodell

Die Zukunft des Wealth Managements stand im Mittelpunkt einer weiteren Folge des virtuellen CAPinside Investment Summits. Warum die Digitalisierung dafür eine wichtige Voraussetzung ist, aber zugleich die menschliche Komponente unverzichtbar bleibt, erläuterten mit Dr. Norbert Paddags und Prof. Dr. Gösta Jamin zwei renommierte Branchenexperten.

Es ist kein Geheimnis, dass das Wealth Management in Deutschland unter Druck steht. Kostensteigerungen durch Regulatorik und Digitalisierung auf der einen Seite, Margendruck durch mehr Transparenz sowie Konkurrenz durch neue Player und Robo Advisor auf der anderen Seite. Wie die Beratung von vermögenden Kunden in diesem schwierigen Umfeld künftig aussehen wird, darüber diskutierten Dr. Norbert Paddags, Geschäftsführer, Dr. Paddags Consulting GmbH, und Prof. Dr. Gösta Jamin, Professor für Finanzwirtschaft und Bankbetriebslehre, zusammen mit CAPinside-CMO Markus Hujara in einer weiteren Folge des CAPinside Investment Summits.

Kurz vor Beginn der Corona-Pandemie hatten die beiden Wealth-Management-Experten noch eine Branchenstudie verfasst, in der Vertreter von 15 Banken hierzulande mit Assets under Management von insgesamt rund 200 Mrd. Euro befragt wurden. „Ein wichtiges Ergebnis war, dass der überwiegende Teil der Banken nur knapp profitabel ist, wobei eine weitere Verschlechterung der Ertragslage erwartet wird“, erklärte Dr. Paddags. „Die Erlöse stagnieren oder sind rückläufig, aber die Kosten steigen.“

Entsprechend kritisch wird die Zukunft gesehen, weil auch der Profitabilitätsdruck weiter zunehmen dürfte. „Wir sehen ein gewisses Auseinanderklaffen zwischen Anspruch und Realität“, sagte der Consulting-Experte. Doch nach Ansicht von Prof. Dr. Gösta Jamin bedrohen die tief greifenden Umwälzungen im Private Banking und Wealth Management nicht nur die Margen der Anbieter, sie eröffnen gleichzeitig neue Wachstumschancen.

 

Höhere Wertpapierquoten wünschenswert

„Gerade die aktuelle Krise sollte zum Anlass genommen werden, über die Vermögensallokation genauer nachzudenken“, sagte Jamin. Der Fokus müsse viel stärker auf eine zeitlosen Langfristanlage liegen, mit denen Krisen wie die jetzige gut auszuhalten seien. „Ich kann mich als Berater damit ein Stück weit immunisieren“, so der Professor. Das könne zugleich eine Wende hin zu höheren Aktienquoten sein. Und die Anbieter profitierten von einem Volumenwachstum durch höhere Wertpapierquoten.

Eine weitere Chance liegt in der Digitalisierung. Das Erfolgsmodell der Zukunft für die Branche, das ist auch ein Tenor der Studie, ist die hybride Beratung. „Die hybride Beratung ist eine intelligente, persönliche und maßgeschneiderte Beratung in Kombination mit maximaler Unterstützung durch innovative digitale Tools“, erläuterte Paddags. Nur so könne künftig eine ganzheitliche Beratung über alle Vermögenswerte des Kunden und seinen kompletten finanziellen Lebenszyklus hinweg vorgenommen werden.

 

Algorithmus versus menschliche Komponente

Gleichwohl gebe es einige Hindernisse aus dem Weg zu räumen: Etwa, dass noch längst nicht alle Kunden entsprechend ausgerüstet sind: „Nur rund 70 Prozent der Private-Banking-Kunden haben hierzulande überhaupt einen Online-Account“, sagte Paddags. Und auf Beraterseite müsse ebenfalls noch mehr Überzeugungsarbeit geleistet werden. Die Sorge, ob man als Berater überhaupt noch gebraucht werde, sei unbegründet. „Die menschliche Komponente ist extrem wichtig“, betonte Professor Jamin, speziell in der jetzigen Krise sei das persönliche Kümmern erwünscht. „Keine Maschine und kein Algorithmus kann dies leisten.“

Wie aber nun sich positionieren und vom Wettbewerber unterscheiden? „Viele wollen das Profitabilitätsproblem nur durch Wachstum lösen. Das wird aber nicht funktionieren“, sagte Dr. Paddags. Die Lösung sei eine Ausdifferenzierung von Geschäftsmodellen – und zwar im Wesentlichen in drei Modellen: große Full-Service-Anbieter, Vertriebsbanken mit regionalem Bezug sowie die Privatbank, die sich als Spezialist positionieren sollte. „Das kann bisweilen eine schmerzhafte Transformation werden, die risikobehaftet ist, aber sie ist notwendig“, sagte der Experte, der zugleich an Kunden und Anbieter appellierte: „Jetzt oder nie. Nutzen Sie den Schub der Digitalisierung, die die Corona-Krise mit sich gebracht hat.“

 

Crypto-Assets als digitale Alternative

Am Donnerstag geht der CAPinside Investment Summit in eine weitere Runde. Crypto-Assets haben die Krise bislang sehr gut überstanden. Zufall oder ein klares Indiz für die enormen Zukunftschancen? Darüber sprechen ab 12 Uhr Frank Gessner vom Blockchain-Investment-Manager INVAO, Michael Duttlinger, CEO von Cashlink, und Christopher May, CEO von Fineo. Zusammen mit Moderator und CAPinside-CEO Philipp Schröder ordnen die Experten den Impact der abzusehenden Rezession für die digitale Alternative ein.

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