CAPinside-Trend Debatte: "Riester-Rente war nie dafür gedacht, die Rentenlücke zu schließen"
2 min
2021-07-19

CAPinside-Trend Debatte: "Riester-Rente war nie dafür gedacht, die Rentenlücke zu schließen"

Robert Seifert, Finanzberater und Versicherungsmakler, sieht in der kapitalgedeckten Altersvorsorge keine sinnvolle Möglichkeit für Sparer, die Absenkung des Rentenniveaus zu kompensieren. Er plädiert vielmehr dafür, dass Sparer zu Aktionären werden, auch wenn das bedeutet, Krisen aushalten zu müssen.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat bereits 2011, zehn Jahre nach der Einführung der Riester-Rente, dringend zu grundlegenden Reformen geraten. Die bisher einzig sinnvolle Änderung war das Abschaffen der Anrechnung auf die Grundsicherung für Geringverdiener, die in Rente gehen. Leider auch erst nach großem medialen Druck. Dies ist nur einer von vielen Punkten, die es bei der Riester-Rente zu hinterfragen gilt. 

Angelehnt an einen Beitrag von Volker Pispers können wir festhalten: Die kapitalgedeckte Altersvorsorge ist "ein großer Schmu". Als sich die Kapitallebensversicherung Ende der 90er Jahre nicht mehr verkaufen wollte, fügte die Versicherungsbranche ein paar Goodies hinzu und nannte es Riester. Der Aufbau der Produkte ist identisch und hat es damit keinen Deut besser werden lassen. Darüber hinaus war die Riester-Rente nie dafür gedacht, eine Lösung für die Rentenlücke darzustellen. Sie sollte lediglich die Absenkung des Rentenniveaus kompensieren. Und selbst das wird schwierig. 



Garantie ist keine Lösung: Sparer müssen Verlustaversion ablegen

Die weiter sinkenden Leitzinsen – und damit auch die Garantieverzinsung – legen die Mängel erneut schonungslos offen. Bei Garantieprodukten wie Riester oder der Betrieblichen Altersvorsorge haben Kunden keine, oder nur sehr begrenzte Kapitalanlagemöglichkeiten. Das Geld landet im Deckungsstock der Versicherer. Von klassischer Kapitalanlage kann daher keine Rede sein. Eine Rendite ist in den wenigsten Fällen erzielbar. Häufig missverstanden und verwechselt wird dies bei Zulagenprodukten mit dem "Internen Zins". Dieser kann überaus groß sein; gerade im Fall eines alleinerziehenden Elternteils mit zwei oder drei Kindern. Rendite entsteht dann, wenn im Alter mit dem Geld auch etwas angefangen werden kann. Das ist bei diesem Produkt nicht möglich. Auch die 30%-ige Entnahmemöglichkeit bei Rentenbeginn ist keine sinnvolle Lösung.

Wir landen also andererseits ganz automatisch in einem Verrentungsszenario. Zahlt ein Versicherer aus einem angesparten Kapitalvermögen eine Rente, so ist diese gering und von Anfang an garantiert. Kalkuliert man in die Rentenzahlungsdauer Inflation, Steuer und Rendite ein, so reden wir von einer Lebenserwartung oberhalb der 100 Jahre. Ambitioniert! Erwartungsgemäß leben die Kunden nicht so lange. Das restliche Vermögen verbleibt als Sterbegewinn bei den Versicherungsgesellschaften.

Die Anzahl der Aktionäre ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Ein Zustand, der wünschenswerterweise erhalten bleiben sollte. Als Anleger sind wir jedoch eher verlust- und nicht risikoavers. Spannend wird es also erst dann, wenn die jetzt 23 bis 36-Jährigen mal eine wirkliche Krise durchleben. Denn diese gab es seit 2008 nicht mehr. Aus Sicht der Kapitalanlage gehören Krisen dazu. Und für den Anlagehorizont einer Altersvorsorge allemal. It’s time, not timing!

Die Lösung wird langfristig nur über ein Aktieninvestment funktionieren. Das können Einzeltitel sein. Deutlich einfacher und risikoärmer klappt es über einen aktiven Aktienfonds oder einen passiven ETF. Langfristig ist dies der sicherste und rentabelste Weg fürs Alter vorzusorgen. In Abhängigkeit von der potentiellen Anspardauer ergibt ein Depot oder eine Fondspolice Sinn.

To use this feature, you have to create a free account.