CAPinside-Trend Debatte: Wie Anleger auch jetzt noch in China investieren können
3 Minuten
20.08.2021

CAPinside-Trend Debatte: Wie Anleger auch jetzt noch in China investieren können

Der Ausverkauf bei chinesischen Tech-Aktien setzt sich fort. Die Aktien von Alibaba, Baidu, Tencent und vielen Online-Gaming-Anbietern stehen unvermindert unter Druck. Wie sollen europäische Anleger reagieren?

Eine Zeitlang hat es so ausgesehen, als sei der Kurssturz bei chinesischen Tech-Aktien ausgestanden. Doch auch in dieser Woche setzte sich der Ausverkauf fort. An fünf aufeinanderfolgenden Börsentagen zeigten die Notierungen von Unternehmen wie Alibaba, Baidu, Tencent und auch die vieler Online-Gaming-Anbieter nach unten.

Diese wiederholten Verkaufswellen machen nicht nur Chinas Milliardäre um einige Milliarden ärmer. Auch internationale Anleger sind angesichts der Wucht dieser Abwärtsbewegung verunsichert, zumal zu den Turbulenzen im Tech-Sektor schlechte Konjunkturdaten hinzukamen. „Die Investoren sind besorgt, dass die Regulierungsreformen nicht vorbei sind und dass weitere Richtlinien eingeführt werden“, zitiert die Nachrichtenagentur Bloomberg den Analysten Alvin Ngan von Zhongtai Financial International.

Manche Investoren dagegen sehen die aktuelle Unruhe als Chance, um sich langfristig in China zu positionieren. Blackrock, die größte Fondsgesellschaft der Welt, hat diese Woche die Anleger aufgerufen, ihre Investments in China stark auszubauen und mindestens zu verdreifachen. „China ist in den Portfolios globaler Anleger, aber unserer Ansicht nach auch in globalen Benchmarks unterrepräsentiert“, zitiert die „Financial Times“ Wei Li, einen Investmentstrategen von Blackrock.


China bleibt unerbittlich

Jüngster Auslöser der Turbulenzen ist ein Entwurf für neue Regeln zum Verbot von unlauterem Wettbewerb, den die chinesische Marktaufsichtsbehörde SAMR am Dienstag veröffentlicht hatte. Sie sollen unfairen Wettbewerb, Wettbewerbsverzerrungen die Verbreitung falscher Informationen und Betrug im Internet unterbinden. Die Notierung von Alibaba fiel daraufhin um rund fünf Prozent. Neben der Online-Handelsplattform standen auch die Kurse von JD.com, Pinduoduo, Baidu, NetEase, Meituan und Tencent unter Druck.

Seit Wochen geht die Regierung gegen die großen Konzerne vor. Im April wurde Alibaba mit einer Kartellstrafe von 2,8 Milliarden Dollar belegt. Im Juli wurde Tencent untersagt, die beiden Streamingdienste für Online-Spiele Huya und DouYu zu fusionieren. Derzeit ermittelt die Marktaufsicht gegen den Essenslieferdienst Meituan wegen des Verdachts auf unerlaubte monopolistische Geschäftspraktiken.

Noch sind sich die internationalen Investoren uneins, wie sie den neuen Kurs der chinesischen Regierung werten sollen. Will die Regierung tatsächlich nur Missstände bekämpfen und den Unternehmen einen klaren Ordnungsrahmen vorgeben? Oder will die Regierung nur die Macht der großen Konzerne beschneiden? Vielleicht aber nutzt die kommunistische Staatsführung die Gelegenheit, um den Kapitalismus in Schranken zu weisen und das Land stärker auf die Linie der kommunistischen Doktrin zu bringen? Schon im vergangenen Jahr hatte Präsident Xi Jinping aufgerufen, die „ungeordnete Expansion“ des Privatkapitals einzudämmen.


Investoren zwischen Chance und Zurückhaltung

So lange diese Fragen unbeantwortet sind, bleiben die Investoren auf der Hut. „Die Anleger preisen ein rückläufiges Szenario ein“, sagte Castor Pang, Head of Research bei Core Pacific Yamaichi International Hong Kong laut Bloomberg und meinte damit besonders den Markt für Online-Spiele.

Die besten in Deutschland zum Verkauf zugelassenen China-Aktienfonds haben in den vergangenen zwölf Monaten eine Wertsteigerung von mehr als 20 Prozent erzielt. Spitzenreiter ist der AGIF Allianz China A-Shares mit einem Plus von gut 25 Prozent, dicht gefolgt vom Metzler China A Share Sustainability Equity Fund A und dem JPM China A-Share Opportunities. Der TAMAC Qilin China Champions und der JSS Equity All China liegen ähnlich weit vorn.

Der Allianz-Fonds investiert in China in A-Shares, sogenannte Inlandsaktien, die entweder an der Börse in Schanghai oder an der in Shenzhen in Landeswährung gelistet sind. Das sind die meisten chinesischen Aktien.


Was Investoren beachten müssen

Unabhängig von den aktuellen Verwerfungen raten die Experten der Allianz, besonders bei China-Engagements die Risiken fest im Blick zu behalten: „Risikomanagement sollte für alle Anleger vor allem im derzeitigen Umfeld eines der wichtigsten Themen überhaupt sein“, heißt es bei Allianz Global Investors – gerade Einzelaktien-Anleger sind deswegen gefährdet.

Dennoch kann es interessant sein, den Rückschlag an den chinesischen Börsen zu nutzen, um vorsichtig eine Position dort aufzubauen und langfristig an den Wachstumschancen Chinas teilzuhaben. Für eine solche Strategie, die zugegeben Risiken birgt, bieten sich Anlegern dann wohl eher Fonds an. Für besonders vorsichtige Investoren sind Produkte eine Möglichkeit, die nur wenig in jenen Branchen engagiert sind, die gerade unter Druck stehen. Viele Fondsmanager streuen ihre Anlagen breit über die Branchen hinweg. Das schränkt zwar die Chance ein, an einem Aufschwung überproportional beteiligt zu sein. Doch im aktuellen Umfeld birgt eine solche Strategie ein geringeres Risiko.

Der JP-Morgan-Fonds beispielsweise ist stark in den Sektoren Industrie, Konsum und Gesundheit engagiert. In den Bereichen IT und Telekommunikation dagegen sind zusammen weniger als 20 Prozent des Fondsvermögens von mehr als 400 Millionen Dollar investiert. Entsprechend gering ist der Fonds in Werten wie Tencent oder Alibaba, die in den vergangenen Wochen stark gelitten haben. Auch sind die Investments breit gestreut. Stärkster Titel im Portfolio ist der Versicherer Ping An mit einem Anteil am Fondsvermögen von nur 5,4 Prozent.

SERIES_SLIDER

Um diese Funktion nutzen zu können, müssen Sie sich einen kostenlosen Account anlegen.