Cat-Bonds, Private Debt und Co.: Alternativen sollen Rendite bringen

Alternative Fixed Incomes können für Investoren auf der Suche nach laufenden überdurchschnittlichen Ausschüttungen interessante Instrumente darstellen. Diese recht junge Anlageklasse birgt aber auch gewisse Risiken, ist sie doch oft mit komplexem Kreditgeschäft verbunden.

Alternative Investments haben sich spätestens mit der langanhaltenden Niedrigzinsphase in den Köpfen auch eher konservativer Anleger festgesetzt. Immobilien, Infrastruktur, Private Equity, Rohstoffe und, und, und: In diesen nicht-traditionellen Anlageklassen lassen sich oftmals durchschnittlich höhere Renditen generieren, als dies aktuell am Kapitalmarkt mit den weit verbreiteten Instrumenten wie Substanzaktien und erstklassig bewerteten Anleihen möglich ist. Diese alternativen Gedanken werden zugleich mit dem Wunsch nach laufenden Ausschüttungen verbunden - so ist die Idee von Alternative Fixed Income entstanden.

Die internationale Investmentgesellschaft Aegon Asset Management bezeichnet Alternative Fixed Income sogar als eigene Asset-Klasse für Investoren auf der Suche nach kontinuierlicher Rendite, die sie bei herkömmlichen Rentenpapieren nicht mehr finden. Zwar sei nicht ganz klar, welche Investmentkategorien zu Alternative Fixed Income gehören. Aber als Unterscheidungsmerkmale zu traditionellen Investments haben die Asset Manager von Aegon fünf Kriterien herausgearbeitet: eine geringere Regulierung, Illiquidität, Verbriefung, Diversifikation und eine nicht-lineare Ausschüttung.

Alternative Fixed Income bieten in der Regel höhere Ausschüttungen als traditionelle Instrumente, sind dafür laut Aegon aber auch weniger streng reguliert. Das könne zu einer mangelnden Transparenz der Produkte führen und erfordere von den Anlegern eine hohe Expertise bei der Geldanlage. Genauso bestehe ein Zusammenhang zwischen der höheren Rendite und einer gewissen Illiquidität – die Anleger erwarten Aegon Asset Management zufolge andere Erträge als bei sehr liquiden Wertpapieren. Die Verbriefung soll besonders bei Krediten zu einem besseren Zugang für Anleger sorgen, und die Diversifikation der Instrumente soll Portfolio-Risiken verringern. Hinsichtlich der nicht-linearen Ausschüttung bezieht sich Aegon Asset Management vor allem darauf, dass Alternative Fixed Income wesentlich öfter mit sehr hohen Ausschüttungen auffällt beziehungsweise Negativrenditen ausweist.

Aber welche Produkte genau fallen nun in die Anlageklasse Alternative Fixed Income? Auch dazu gibt Aegon Asset Management Auskunft. Das sind vor allem strukturierte Finanzprodukte und bestimmte Formen von Anleihen. Denn Alternatives müssen sich nicht immer nur neben den wichtigsten Asset-Klassen „Aktien“ und „Anleihen“ finden. Sondern auch innerhalb der traditionellen Klassen können sie angesiedelt sein. Dies zeigt sich an den zahlreichen Spielarten der Unternehmensanleihen, die zu einem nicht unbeträchtlichen Teil als Alternative Investments angesehen werden - und damit als Alternative Fixed Income-Titel gelten.

Ein Beispiel dafür: Katastrophenanleihen, sogenannte Cat-Bonds. Mit Katastrophenanleihen werden spezifische Risiken gegen einen überdurchschnittlichen Zins sowie eine Risikoprämie abgesichert, beispielsweise Erdbeben in Japan oder Wirbelstürme in den USA. Die Funktionsweise: Tritt das versicherte Ereignis nicht ein, erhalten die Anleger am Ende der Laufzeit das investierte Kapital zuzüglich Zinsen zurück. Kommt es zur Katastrophe, werden mit der Anleihe die Schäden beglichen. Dadurch verliert der Investor einen Teil des Geldes oder kann sogar einen Totalverlust erleiden.

Die Erfindung der Katastrophenanleihe geht übrigens auf den Hurrikan Andrew zurück, der 1992 Florida und die Bahamas verwüstete. Die Schadenssumme belief sich auf 26 Milliarden US-Dollar. Versicherer suchten in der Folge neue Wege, um Schäden rückversichern zu können. Mittlerweile stehen Cat-Bonds auch Privatanlegern offen seien eine interessante Alternative zu Festzinsanleihen, heißt es bei bei der Credit Suisse. Zwar empfiehlt die Bank Privatinvestoren nicht, in einzelne Bonds zu investieren, sondern eher auf Fonds zu setzen. Aber bislang haben laut der Bank nur Anleihen im Kontext der Hurrikans Katrina und Ike (2005 und 2008) und der Fukushima-Katastrophe (2011) zu nahezu Totalverlusten geführt. Bei Fonds hingegen helfe die Diversifikation, das Risiko abzufedern. Selbst nach den drei großen Katastrophen hätten die Verluste im Bereich von lediglich drei bis vier Prozent gelegen, stellt die Bank heraus.

Ein weiteres Instrument ist Private Debt. Unter Private Debt (etwa „private“ Schulden) versteht man Kredite, die nicht durch Banken vergeben werden, sondern durch „Nicht-Banken“ wie Fonds, Pensionskassen, Versicherer oder Family Offices. Kreditnehmer sind meist Unternehmen aus dem Mittelstand ohne Rating. Typisch für Private Debt ist auch die variable Verzinsung, teilt der Vermögensverwalter BlackRock mit.

Die Anlageform Private Debt sei nicht standardisiert, die Ausgestaltung also höchst unterschiedlich. Typischerweise hätten Private Debt-Instrumente eine Laufzeit von bis zu sieben Jahren, so die Erläuterung von BlackRock weiter, Es gebe eine Reihe von Unterformen, Beispiele sind Direct Lending, Mezzanine als Zwischenform von Fremd- und Eigenkapital und Distressed Debt für Finanzierungen von Unternehmen in Krisensituationen. Der Vorteil für Investoren: Private Debt weist kaum eine Korrelation zu anderen Anlageklassen auf. Damit können die Alternative Fixed Income-Instrumente überdurchschnittliche Ausschüttungen generieren, unterliegen aber wesentlich weniger stark einem Zinsrisiko.

Genau wie Cat-Bonds können Investoren über Fonds in Private Debt investieren - und genauso wie Cat-Bonds sind Private Debt-Investment alles andere also risikolos. BlackRock nennt zum einen deal-spezifische Risiken, aber auch das der Bonität von Emittenten ohne Rating. Anleger müssten zudem den Nachteil der eingeschränkten Liquidität in Kauf nehmen können. Dennoch bleibt die Anlageklasse hocherfolgreich. Von einem Rekordjahr 2017 für Private Debt schwärmt Preqin. Der Datenspezialist für alternative Assets zählt insgesamt 107 Milliarden Dollar, die 136 Fonds einsammelten.

Laut Aegon Asset Management gehören auch Distresses Debt, Leveraged Loans, Covered Bonds, Convertible Bonds, Infrastructure Debt, Private Placements, Mortgage-Backed Securities, Asset-Backed Securities, Direct Mortgage Loans, Consumer Loans und Government-Related Private Loans zu den Alternative Fixed Incomes. Das sind alles vergleichsweise junge Investmentkonzepte mit durchaus ansehnlichen Ausschüttungspotenzialen. Aber genauso hoch sind die damit verbundenen Risiken. Sowohl private als auch professionelle Investoren sollten daher Chancen und Gefahren genau abwägen und prüfen, inwiefern diese ausschüttungsbasierten Alternatives in ihr Portfolio passen und ob diese überhaupt ihrem Anlageprofil entsprechen. Dann können Alternative Fixed Incomes eine echte Alternative werden, im wahrsten Sinne des Wortes.