China wächst mit Afrika

China ist zum wichtigsten Investor für die Länder und Interessen auf dem afrikanischen Kontinent geworden. Im Land der Mitte hat man frühzeitig erkannt, dass bei all den aufstrebenden Nationen unter dem Einfluss der Globalisierung Afrika in vielen Fällen von europäischen Unternehmen und Regierungen vernachlässigt wurde. Gleichzeitig bot Afrika mit seinem reichhaltigen Angebot an Bodenschätzen und Ressourcen genau den richtigen Zulieferer für die aufstrebende Wirtschaft Chinas. Nun soll die Zusammenarbeit, die inzwischen auf eine beinahe zwanzigjährige Geschichte blicken kann, mit der Hilfe von weiteren Darlehen und Investitionen noch vertieft werden. Das gab Präsident Xi bei einer Versammlung mit Regierungschefs aus Afrika bekannt.

Vorerst sieht die neue Strategie eine Investition von etwa 50 Milliarden Euro in verschiedene Projekte in China vor. Darunter sind 15 Milliarden Dollar für zinslose Darlehen und verschiedene andere Hilfen vorgesehen, die anscheinend die Wirtschaft in unterschiedlichen Ländern ankurbeln sollen. Außerdem wird eine Kreditlinie von 20 Milliarden Dollar eingeräumt. Zuletzt versprach Xi auch noch, dass man Unternehmen aus dem chinesischen Raum dazu animieren wird, etwa zehn Milliarden Dollar im Laufe der nächsten drei Jahre auf dem afrikanischen Kontinent zu investieren.

Es wurde auch auf Kritik an bereits laufenden Projekten reagiert: Afrikanische Staaten hatten häufig bemängelt, dass die Arbeiter an den von chinesischen Firmen finanzierten Projekten nicht selten selbst Chinesen sind. Das führte dazu, dass das Know-How dieser Projekte nicht im Land blieb. Auch hier sieht man Möglichkeiten für eine Nachbesserung und will bei den folgenden Projekten darauf achten, dass mehr afrikanische Arbeiter ausgebildet werden.

 

Europa verpasst Chancen

Über 170 Milliarden Dollar beträgt das Handelsvolumen zwischen Afrika und China inzwischen. Damit hat man Frankreich und die USA überholt. Es zeigt vor allem, dass mit Afrika für neue Märkte zu rechnen ist. Es geht bei den Projekten längst nicht mehr nur um einfache Ressourcen und Projekte für die Infrastruktur, sondern auch um den gestiegenen Absatzmarkt der afrikanischen Mittelschicht. Durch die Finanzierung von Kasernen, Flughäfen, Straßen, Häfen und anderer Infrastruktur sichert sich China zudem die Grundlage für weitere Geschäfte in den kommenden Jahrzehnten. Gerade unter dem Eindruck des eskalierenden Handelsstreits mit den USA scheint China seine Investitionen damit demonstrativ in andere Bereiche der Welt zu verlegen um zu verdeutlichen, dass sie sich nicht von den Trump-gesteuerten Vereinigten Staaten abhängig machen werden.

Gleichzeitig ist festzustellen, wie sehr Europa in den vergangenen Jahren seine Chancen verpasst hat. Die Investitionssumme deutscher Unternehmen und des deutschen Staates wird in diesem Jahr etwa eine Milliarde Euro betragen. Während China also bereits dabei ist, von der aufstrebenden Wirtschaft in vielen afrikanischen Ländern zu profitieren, geht es bei den Verhandlungen mit Europa noch immer eher um die Fragen der Zuwanderung. Gleichzeitig wäre es wichtig, wenn man sich auch wirtschaftlich auf neue Zusammenarbeiten einigt - und auf diese Weise die Gründe für die massenhafte Flucht afrikanischer Arbeiter vor Ort bekämpft.