Chinesischer Krypto-Riese plant klassischen Börsengang

Natürlich mag es ungewöhnlich erscheinen, wenn sich ein Krypto-Unternehmen entscheidet, den klassischen Weg des Börsengangs zu wählen. Noch merkwürdiger wird es, wenn es sich dabei um eine der größten Krypto-Firmen der Welt handelt - die Rede ist von Bitmain. Auch wenn der Konzern in Deutschland kaum bekannt ist, so handelt es sich dennoch um den größten Bitcoin-Miner der Welt. Rund ein Drittel aller Bitcoins werden auf Bitmain geschürft. Bereits im Juni kündigte man von Seiten des Unternehmens an, im September den Börsengang zu wagen - aber nicht in China, der Heimat des Konzerns, sondern in Hongkong. Der Grund für diese Entscheidung? Auch wenn China das Minen von Kryptowährungen erlaubt, so hat sich die Stimmung doch eher verschlechtert. Die chinesischen Politiker werden misstrauischer. Somit macht es durchaus Sinn, in eine wenig kontrollierte Sonderverwaltungszone auszuweichen.

 

Prognostizierter Gewinn: 2 Milliarden US-Dollar 

Der Zeitpunkt könnte wohl nicht besser sein: Zuletzt präsentierte Bitmain extrem starke Zahlen - so konnte im Jahr 2017 ein Umsatz von 2,5 Milliarden US-Dollar erzielt werden. Der Gewinn lag bei 1,1 Milliarden US-Dollar. Innerhalb des ersten Quartals 2018 kletterte der Umsatz auf über 2 Milliarden US-Dollar - der Gewinn für 2018 wird ebenfalls mit zwei Milliarden US-Dollar prognostiziert. Aufgrund der präsentierten Zahlen und Prognosen erhofft sich das Unternehmen mit dem Börsengang zusätzliche Einnahmen zwischen 14 Milliarden US-Dollar und 18 Milliarden US-Dollar (Bewertung: 50 Milliarden US-Dollar). Doch auch wenn man meinen könnte, Bitmain gehe es hervorragend, so kämpft der Konzern nicht nur mit der veralteten Technik, sondern auch mit den Cash-Coins.

 

Ein Blick hinter die Fassade 

Eine alte Technik und alte Geschäftszahlen - ein bekanntes Problem, wenn es um die Unternehmensdaten geht. Denn auch wenn diese durchaus gut aussehen, so heißt das noch lange nicht, dass sie auch aktuell sind. Die letzten Zahlen wurden nach dem ersten Quartal des Jahres 2018 präsentiert - noch gibt es keine Informationen, wie das zweite Quartal ausgefallen ist. Der Grund? S9. Ein Miner, der im Jahr 2016 von Bitmain entwickelt wurde. Das Problem? Dieser Miner ist technisch überholt und wird vorwiegend für das private Bitcoin-Mining verwendet, welches allerdings unrentabel wurde. Das heißt: Der S9 wird wohl derzeit unter dem Herstellungspreis verkauft - die erhofften Gewinne bleiben somit bislang aus.
Problem Nummer 2: Bitcoin Cash. Geht man nach einem geleakten Börsenprospektsentwurf, so hat Bitmain die geschürften Bitcoins in Bitcoin Cash, eine konkurrierende Kryptowährung, getauscht - die Cash-Coins, die selbst vom Konzern gemint wurden, hat man zudem nicht veräußert. Dass der Kurs des Bitcoin Cash seit Jahresanfang um 85 Prozent abgestürzt ist, mag für Bitmain ein regelrechtes Problem sein. Lag der Wert nämlich noch Ende 2017 bei 4.000 US-Dollar, so sind es nun gerade einmal 500 US-Dollar. Der geschätzte Verlust, den Bitmain verbuchen musste? 500 Millionen US-Dollar. Aufgrund der Tatsache, dass Bitmain angeblich 5 bis 10 Prozent aller Cash-Coins hält, würde der Tausch gegen US-Dollar oder Euro zu einem weiteren Kursabsturz führen.
Dass natürlich Bitmain an Bitcoin Cash festhält, weil es einer der beiden Bitmain-Gründer ebenso haben möchte, mag ein weiteres Problem sein. Denn obwohl Bitmain eigentlich mit Bitcoins Geld verdienen will, ist mit CEO Jihan Wu der prominenteste Bitcoin Cash-Vertreter ein Teil des Unternehmens. Man wird wohl auch weiterhin am Bitcoin Cash festhalten. Aber es sind nicht nur kurzfristige Probleme, die den Konzern plagen - es gibt auch langfristige Schwierigkeiten, die vor allem Investoren berücksichtigen sollten: Mining kostet extrem viel Energie und somit auch Geld - zudem können auch sogenannte 51 Prozent-Attacken die Blockchain zerstören. Das ist auch der Grund, warum immer mehr Kryptowährungen eine alternative Technologie entwickeln, sodass auf Miner verzichtet werden kann. Ethereum, die zweitgrößte Kryptowährung, will schon mit kommendem Jahr eine Alternative präsentieren. Berücksichtigt man diese Entwicklungen, so hat das Mining-Geschäft bereits ein Ablaufdatum am Rücken kleben.

 

Letzter Ausweg: Börsengang 

Das Unternehmen ist profitabel und wirft sogar Gewinne ab - nun scheint aber der ideologische Kampf zu teuer zu werden, sodass am Ende der Börsengang als einziger Ausweg gesehen werden kann. Aktuell besitzen die Bitmain-Grüner Micree Zhan und Jihan Wu 60 Prozent des Konzerns - Zhan soll, so Insidern zufolge, jedoch einen höheren Anteil als Wu besitzen. Zusammengerechnet wären die Anteile bei einem Börsengang um die 11 Milliarden US-Dollar wert.