Commerzbank Asset Management – Schwerpunktthema Mai 2018: Trumps Ausstieg aus dem Atomabkommen und die Folgen für den Ölmarkt

Die Erwartung, dass durch die US-Sanktionen gegen den Iran automatisch auch deutlich weniger iranisches Öl an den Markt gelangt, dürfte überzogen sein.

Der Brentölpreis ist im Mai auf ein 3½-Jahreshoch von gut 80 USD je Barrel gestiegen. Hauptverantwortlich hierfür war ein von Venezuela ausgehender unerwartet starker Rückgang der OPEC-Ölproduktion. Dadurch ist der Ölmarkt momentan unterversorgt. Hinzu kam die Erwartung und inzwischen auch Gewissheit neuerlicher US-Sanktionen gegen den Iran, die das Ölangebot weiter verknappen könnten. Wir haben daher unsere Ölpreisprognose nach oben revidiert, rechnen aber weiterhin mit fallenden Notierungen im Jahresverlauf.

Der Brentölpreis stieg seit Mitte März um rund 25% und verzeichnete Ende Mai ein 3½-Jahreshoch von gut 80 US-Dollar je Barrel. Aufgrund eines unerwartet starken Rückgangs der Ölproduktion in Venezuela ist der globale Ölmarkt unterversorgt. Im April produzierte Venezuela nur noch 1,4 Mio. Barrel Rohöl pro Tag. Die Lage der venezolanischen Ölindustrie könnte sich weiter verschlechtern. Denn die USA planen nun nach der Präsidentschaftswahl, die international als Farce bezeichnet wurde und in der Staatspräsident Maduro im Amt bestätigt wurde, weitere Sanktionen gegen Venezuela zu verhängen. In Venezuela ist die Produktion bereits fünfmal stärker gefallen als laut Kürzungsabkommen eigentlich erforderlich wäre. Dies hat maßgeblich zur deutlichen Übererfüllung der OPEC-Produktionskürzungen beigetragen. Aber auch ohne Venezuela ist die OPEC-Produktion stärker gefallen als vereinbart. Die OPEC produziert deshalb aktuell schätzungsweise 800.000 Barrel pro Tag weniger als vom Markt benötigt.

Die Erwartung, dass US-Präsident Trump die Iran-Sanktionen Mitte Mai wieder in Kraft setzen würde, wirkte zusätzlich preistreibend. Trump machte nun seine Drohung wahr und kündigte das Atomabkommen faktisch auf. Kurzfristig hat dies keine Auswirkungen auf das Ölangebot. Denn die USA importieren ohnehin kein Rohöl aus dem Iran. Die wichtigsten Käufer von iranischem Öl sind laut Bloomberg China mit einem Anteil von 30%, die EU mit 25%, Indien mit 22,5% sowie Japan, Südkorea und die Türkei mit zusammen 19%. Die entscheidende Frage ist daher, ob diese Länder ihre Ölimporte aus dem Iran einschränken werden. Unter den bis Anfang 2016 geltenden Sanktionen mussten die Importeure von iranischem Öl nachweisen, dass sie ihre Öleinfuhren aus dem Iran merklich reduziert haben, um weiterhin Zugang zum US-Finanzsystem zu erhalten. Die Einhaltung dieser Vorgabe musste alle sechs Monate vom US-Präsidenten bestätigt werden. In der Folge dieser Maßnahmen sanken die iranischen Ölexporte laut Daten von JODI in den Jahren 2014 und 2015 zwischenzeitlich auf 1,3 Mio. Barrel pro Tag. Vor den Sanktionen lagen sie bei gut 2 Mio. Barrel pro Tag. Laut US-Finanzministerium haben die betroffenen Länder 180 Tage Zeit, die US-Sanktionen umzusetzen. Das heißt, die volle Wirkung würden die Sanktionen erst 2019 entfalten.

Etwa die Hälfte des Rückgangs der iranischen Ölexporte während der Sanktionen bis Anfang 2016 entfiel auf die EU. Diese hatte die Öleinfuhren aus dem Iran ab Mitte 2012 sogar vollständig eingestellt. Einen kompletten Einfuhrstopp für iranisches Öl dürfte die EU diesmal kaum verhängen, da die EU am Abkommen festhalten will. Dies gilt zumindest solange, wie der Iran seine Verpflichtungen weiter erfüllt. Die anderen Importländer hatten ihre Öleinfuhren aus dem Iran entsprechend den US-Vorgaben deutlich reduziert. Sie dürften diesmal die Öleinkäufe im Iran nur soweit reduzieren wie unbedingt nötig, wenn überhaupt. Ob sich China von den USA nochmals Einschränkungen bei der Einfuhr von iranischem Öl vorschreiben lässt, ist fraglich. Mit der Einführung eines auf chinesischen Renminbi notierenden Rohöl-Future Ende März ist China beim Ölhandel weniger abhängig vom US-Dollar geworden. Die von Trump angekündigten und teilweise eingeführten Strafzölle auf chinesische Produkte dürfte die Kooperationsbereitschaft Chinas auch nicht gerade erhöht haben, solange die USA hier kein Entgegenkommen zeigen. Die sanktionsbedingten Ausfälle dürften daher deutlich kleiner sein als 2014 und 2015. Das Energie-Beratungsunternehmen FGE schätzt, dass die iranischen Ölexporte in diesem Jahr um 200.000 – 500.000 Barrel pro Tag gedrückt werden könnten, im nächsten Jahr um bis zu 700.000 Barrel pro Tag, wobei darin laut FGE nicht nur Rohöl, sondern auch Kondensate enthalten sind.
Doch selbst wenn durch die neuen Sanktionen „nur“ 200.000 Barrel pro Tag an iranischem Öl vom Markt genommen werden, würde dies den ohnehin angespannten Ölmarkt weiter verknappen. Im Gegensatz zu den unplanmäßigen Ausfällen wegen des Bürgerkrieges in Libyen 2011 und der Iran-Sanktionen ab 2012 hat Saudi-Arabien die Ausfälle in Venezuela bislang nicht ausgeglichen. Saudi-Arabien hat zwar angedeutet, etwaige sanktionsbedingte Produktionsausfälle des Iran ausgleichen zu wollen, allerdings nicht im Alleingang, sondern nur in Absprache mit den anderen am Kürzungsabkommen beteiligten Ländern. Denn ansonsten könnten sich auch andere OPEC-Länder sowie Russland nicht mehr an die Kürzungen gebunden fühlen, von der Reaktion des Iran auf einen derartigen Affront seines Erzfeindes ganz zu schweigen.

Das Ölangebot würde nur dann knapper werden, wenn sich die wichtigsten Abnehmerländer für iranisches Öl den US-Sanktionen vorbehaltlos anschließen. Dies ist keinesfalls sicher. Denn im Gegensatz zu den internationalen Sanktionen bis Anfang 2016 handeln die USA diesmal im Alleingang und gegen den Willen der anderen Unterzeichnerländer des Atomabkommens. Zudem ist dem Iran kein Verstoß gegen das Abkommen nachzuweisen. Entsprechend schwer dürfte es den USA fallen, die anderen Staaten von einer freiwilligen Beteiligung an den Sanktionen zu überzeugen. Eine Beteiligung unter Zwang über den drohenden Ausschluss unwilliger Länder vom USD-Zahlungsverkehr würde die westliche Welt vor eine Zerreißprobe stellen, den Konflikt mit China verschärfen und die Rolle des US-Dollar als Weltleitwährung unterminieren. All dies wäre für die USA mit Risiken verbunden. Die Erwartung, dass durch die US-Sanktionen gegen den Iran automatisch auch deutlich weniger iranisches Öl an den Markt gelangt, dürfte daher überzogen sein. Zudem würde die US-Ölproduktion beim aktuell hohen Preisniveau noch stärker ausgeweitet und damit helfen, die Angebotslücke zu schließen. Schließlich dürfte der Markt eine Anhebung der OPEC-Produktion im nächsten Jahr vorwegnehmen, wenn das Kürzungsabkommen wie bislang vorgesehen Ende des Jahres ausläuft.

Wir haben unsere Preisprognose für Brent infolge des angespannteren Ölmarktes und der Unsicherheit hinsichtlich der neuen Iran-Sanktionen nach oben revidiert. Wir gehen jedoch davon aus, dass Brentöl am Jahresende bei 65 USD je Barrel und damit deutlich niedriger notieren wird als aktuell.

 


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© Commerzbank AG 2018. Alle Rechte vorbehalten. Stand: 24. Mai 2018